Österreicher in Todesgefahr

Afghanistan

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Österreicher in Todesgefahr

Ausnahmesituation in Afghanistan. Deutsche Soldaten ließen Freitag zwei Tank-Lkws der Taliban bombardieren. Die Folge: Selbst die Nato spricht von bis zu 125 Toten, darunter zwei Dutzend Zivilisten, Frauen und Kinder.

In Deutschland wird drei Wochen vor der Wahl nun immer heftiger diskutiert, wann die Bundeswehrsoldaten wieder heim sollen. Und auch hierzulande brandet die Diskussion auf, denn auch österreichische Soldaten sind derzeit am Pulverfass Afghanistan.

Zum Wochenende eskalierte nach Bomben die Lage völlig
Das Protokoll der verheerenden Situation:

  • Donnerstag, 21 Uhr: Taliban-Terroristen entführen im Norden Afghanistans zwei voll beladene Tanklastzüge einer Firma. Auf dem Weg in den Unruhedistrikt Char Darah bleiben die Fahrzeuge beim Dorf Yakubi bei einem Fluss stecken. Der Kommandeur der deutschen Bundeswehr fordert sofort einen amerikanischen B-1B-Bomber an, um nach den Tank-Lkws zu suchen.
  • Freitag, 1.50 Uhr: Live-Bilder gehen in die Kommandozentrale der Deutschen. Die Angst: Die Taliban könnten die Polizeistation und das deutsche Feldlager angreifen. Zu sehen sind auch Panzerfäuste und Waffen – sowie rund 100 Menschen. Dorfbewohner, auch Kinder, sollen bei der Lkw-Befreiung mithelfen müssen.
  • Freitag, 2.30 Uhr: Der deutsche Kommandant gibt den Befehl zum Angriff. Um 2.32 Uhr werfen die F-15-Piloten zwei 225-Kilo-Bomben ab. Die Laster gehen in Flammen auf, 125 Menschen sterben sofort.
  • Samstag, 9.55 Uhr, der Rückschlag: Die Taliban verüben bei Kunduz ein Selbstmordattentat auf deutsche Soldaten. Fünf werden dabei verletzt.

Gestern verurteilte die EU den deutschen Alleingang scharf. Man habe sich nur auf einen Informanten verlassen, das ist laut Nato-Richtlinien verboten. Luxemburgs Außenminister sagt: „Ich verstehe nicht, dass Bomben so einfach und so schnell abgeworfen werden können.“

Drei Bundesheer-Soldanten an Front
Sorge herrscht derzeit auch um drei Österreicher in Afghanistan. „Es handelt sich um drei Stabsoffiziere als Beobachter, die in Kabul stationiert sind“, erläutert ein Sprecher des Verteidigungsministeriums gegenüber ÖSTERREICH.

Aufgabe der Österreicher ist die Unterstützung der afghanischen Übergangsverwaltung bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit in Kabul und dessen umliegenden Gebieten. Sie unterstehen der UNO und „sind nicht direkt an der Frontlinie“.

Gefahr
Der Militärstratege Gerald Karner sagt zur Sicherheitslage: „Die Gefährdung der drei Österreicher ist die gleiche wie für alle anderen Soldaten im Rahmen dieser Operation. Einzelne Anschläge können auch in Kabul nicht ausgeschlossen werden, haben in er Vergangenheit ja auch schon stattgefunden.“

Mehr als 100.000 internationale Soldaten von 41 Staaten kämpfen seit 2001 gegen das Taliban-Regime. Oberbefehl hat ein US-General der Nato.

Militärstratege Karner: „Al Kaida wird wieder aktiver“
Der Militärexperte Gerald Karner analysiert im Gespräch mit ÖSTERREICH: „Die Nato unter der Führung der USA hat sich entschlossen, das Schwergewicht der Strategie vom Irak auf Afghanistan umzulegen. Das zwingt die Taliban geradezu zu entsprechenden Reaktionen. Das verschärft die Lage in Afghanistan. Ich sehe es auch als relativ wahrscheinlich an, dass Teile der Al Kaida wieder aktiver werden.“

Afghanistan, doppelt so groß wie Deutschland, ist das fünftärmste Land der Welt, die Lebenserwartung beträgt nur 43 Jahre. Seit 2003 ist die Nato aktiv.

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