Schnulzen im Wahlkampf

Singender Präsident

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Schnulzen im Wahlkampf

Wenn der indonesische Präsident zur Schnulze ansetzt, bleibt kaum ein Auge trocken. Mit sanfter Stimme röhrt Susilo Bambang Yudhoyono dann ins Mikrofon, auch Selbstkomponiertes. "Meine Sehnsucht nach Dir" heißt eine seiner Kompositionen, die der Präsident auch als CD veröffentlicht hat. "Du fehlst mir auch, Liebes" eine andere. Der singende Präsident kommt in dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt an: Vor den Wahlen an diesem Mittwoch bekommt er in Umfragen 67 Prozent der Stimmen.

Wenn er nur annähernd so viele Stimmen bei der Wahl bekommt, würde sich ein zweiter Wahlgang im September erübrigen. Mindestens 50 Prozent braucht er. 176 Millionen Wähler sind aufgerufen, elf Jahre nach dem Sturz des Diktators Suharto zum zweiten Mal direkt einen neuen Präsidenten zu wählen. Allein die Organisation der Wahllokale ist in dem Riesenland mit 17.000 Inseln über zwei Millionen Quadratkilometer verstreut eine logistische Meisterleistung.

"Der Präsident strahlt Ruhe aus und hat alles im Griff", sagt eine Jurastudentin in Jakarta. "Warum die Pferde wechseln?" SBY, wie der Präsident genannt wird, schreibt sich die stabile Wirtschaftslage, den konsequenten Kampf gegen die Korruption mit beachtlichen Erfolgen und die Bekämpfung der Armut auf die Fahnen. Er hat den bisherigen Gouverneur der Zentralbank Boediono als zweiten Mann ins Boot geholt. Die Arbeitslosigkeit ging in seiner Amtszeit von 9,9 auf 8,5 Prozent zurück, das Pro-Kopf-Einkommen stieg von umgerechnet 1200 Dollar auf 2200 Dollar und die Armutsrate verringerte sich von 16,7 auf 14,15 Prozent. Als arm gilt, wer weniger als 25 Dollar im Monat hat.

Kein Macher
SBY (59) hat aber den Ruf, Probleme lange hin- und her zu wälzen, ehe er Entscheidungen trifft, die oft nicht unbedingt glasklar sind. Als Macher gilt dagegen sein bisheriger Vize, Yusuf Kalla (67). Der wendige Geschäftsmann tritt jetzt selbst im Rennen um das höchste Staatsamt an. "Schneller, besser" ist sein Wahlkampfslogan, in Anspielung auf den Ruf des Präsidenten als Zauderer. Dritte im Rennen ist die Tochter des ersten Präsidenten Sukarno, Megawati Sukarnoputri (62). Sie war 2001 bis 2004 im Amt, galt aber als wenig effektiv. "Kabinettssitzungen waren nach wenigen Minuten zu Ende, weil sie an nichts richtig Interesse hatte", sagt eine Politologin.

Ideologien, Parteien oder Wahlprogramme spielen in der jungen Demokratie kaum eine Rolle. "Zum Gähnen", befand die Zeitung "Globe" eine der Kandidaten-Debatten im Stil des amerikanischen Wahlkampfs. Die drei stimmten sich eigentlich in allem zu. Megawati will noch mehr für die Armen tun, Kalla will noch mehr für die Wirtschaft tun und SBY will noch mehr von allem tun, was er in den vergangenen vier Jahren schon erfolgreich getan hat.

Umso wichtiger sind schillernde Persönlichkeiten. Und die Unterhaltung, die die Kandidaten zum Beispiel im Wahlkampf bieten. Während Megawati bei ihrem letzten Wahlkampfauftritt lieber die populäre Gruppe Radja singen ließ, ist Kallas Kandidat für den Vize-Posten wie Präsident SBY an der Karaoke-Front ein Schwergewicht. Seine Stärke sind salbungsvolle Liebesballaden.

Bekannter ist er als Oberbefehlshaber der Armee unter Suharto, verantwortlich für schwere Menschenrechtsverletzungen im Kampf um das besetzte Osttimor. Auf dem Gebiet steht Wiranto, der Vize von Megawati, in nichts nach. Prabowo Subianto hatte als Chef der Speziellen Einsatztruppen seine Finger bei blutigen Einsätzen in Osttimor und im brutalen Einsatz gegen Anti-Suharto-Demonstranten auch im Spiel. Im Wahlkampf hat die Vergangenheit der Männer keine Rolle gespielt. "Die Demokratie ist zwar seit dem Fall von Suharto aufgeblüht", meint der Menschenrechtsaktivist Hendardi. "Aber es gibt noch eine Menge Lücken. Man kann kaum sagen, dass die Demokratie robust ist."

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