Der Weg ins Weiße Haus führt über Ohio

Wahlkampf-Finale

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Der Weg ins Weiße Haus führt über Ohio

Mit seiner strategischen Lage zwischen dem Osten und dem Mittleren Westen und seiner hohen Bevölkerungsdichte ist der "Buckeye-State" (Rosskastanien-Staat) inoffiziell das "Wahlthermometer" des Landes: Seit 1964 hat jeder, der in Ohio gewann, auch das Weiße Haus erobert.

Deswegen überschlugen sich die Kandidaten in ihren Bemühungen um diesen Staat - indem sie fast sieben Millionen Dollar (5,59 Mio. Euro) pro Woche ausgeben und fast ständig präsent sind. Der Republikaner John McCain oder seine Kandidatin für das Vizepräsidentenamt, Sarah Palin, hielten dort elf Reden. Für den Demokraten Barack Obama durchkämmte seine frühere Rivalin Hillary Clinton den Staat, in dem sie die Vorwahlen gewonnen hatte. Hier lesen: 140.000 jubeln in Ohio Obama zu.

Umfragen sehen Obama vorn
Die Umfragen geben Obama einen Vorsprung von sechs Punkten. Und dies spiegelt sich in den Anzeigen, mit denen die Bürger von Ohio im Fernsehen und im Radio bombardiert werden. Knapp eine Woche vor den Wahlen geht McCain voll in die Offensive und bezeichnet eine eventuelle Präsidentschaft Obamas als "Desaster" und "Tragödie".

Die Mehrheit der Bürger hat schon eine Entscheidung getroffen, so oder so: Obama für den Wechsel, McCain wegen der Erfahrung. Die Unterschiede sind auch zwischen den Klassen und Schichten offensichtlich, wie es Steven, ein junger Wächter der General-Motors-Fabrik in Lordstown, verdeutlicht: "Meine Freunde mit Geld unterstützen McCain, die, die kein Geld haben, Obama."

Arbeitsmarkt-Politik wahlentscheidend
Gemeinsam ist beiden Seiten jedoch, dass sie die Wirtschaftslage und vor allem den Arbeitsmarkt im Blick haben. Seit der Krise von 2001 hat Ohio viele Arbeitsplätze verloren. Die Arbeitslosenquote liegt zur Zeit bei 7,2 Prozent, Tendenz steigend. In der jetzigen Wirtschaftskrise sind die Perspektiven noch schlechter.

Lordstown ist, wie der Arbeiter Matt Hardenbrook meint, "eine Oase mitten in der Wüste" - der Gegend rund um die benachbarte Großstadt Youngstown. Einst der Stolz der Schwerindustrie, ist die Stadt nahe der Grenze zu Pennsylvania eines der besten Beispiele dafür, wie die neuen Zeiten den "Rostgürtel", die stagnierende Industrieregion vom Norden New Yorks bis Minnesota, in Mitleidenschaft ziehen.

Die Hochöfen gingen fast auf einen Schlag aus. In weniger als 20 Jahren ging die Einwohnerzahl von 170.000 auf jetzt 70.000 zurück. Bis auf die moderne Universität scheint fast die ganze Stadt in den 80er Jahren geblieben zu sein, Opfer des Rostes und der Ratten. In ihrer jüngsten Ausgabe bezeichnete die Zeitschrift "Rolling Stone" sie ganz krass als "Achselhöhle Ohios".

Bei der Arbeiterbevölkerung sammeln die Demokraten hier Sympathien. "Absolut, Obama. Die Regierung ist nur noch lächerlich, völlig außer Kontrolle. Es wird Zeit, dass der Mann auf der Straße etwas zu sagen bekommt über das, was passiert", sagt Hardenbrook.

McCain als Kriegstreiber - wie George W. Bush
"McCain ist ein Kriegsfürst, genau wie Bush, er wird unsere Burschen weiter im Ausland kämpfen lassen", meint Paul Light, der ebenfalls bei General Motors angestellt ist. "Ich glaube, Obama wäre besser für die Amerikaner als McCain", bekräftigt Jordan Klucinec, ein Kneipenwirt, der das Alter des 72-jährigen McCain als "kleine Sorge" bezeichnet.

"Er scheint nicht auf den Kopf gefallen, spricht klar und deutlich, hat einen Hochschulabschluss in Rechtswissenschaften und wuchs in schwierigen Verhältnissen auf", listet der Augenoptiker Chris Shoemaker die Vorzüge des Demokraten Obama auf. Dennoch macht Shoemaker Geschäfte mit der republikanischen Vizekandidatin, indem er "Sarah-Palin-Brillen" feilbietet. "Geschäft ist Geschäft", sagt er grinsend.

"Ich bin mit keinem der Kandidaten zufrieden, ich glaube, dass beide Parteien das hätten besser machen können. Obama ist naiv und McCain ist unberechenbar", urteilt Rechtsanwalt Jim Bloomster. Aber auch Bloomster weiß, dass er am 4. November wählen geht. Denn das ist er Ohio schuldig, das auf dem Weg ins Weiße Haus liegt.

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