19. Jänner 2009 13:26

Unter Armutsgrenze 

230.000 Menschen reicht Lohn nicht zum Leben

In Österreich ist etwa eine Million armutsgefährdet. Auf der anderen Seite steigt die Zahl der Superreichen.

230.000 Menschen reicht Lohn nicht zum Leben
© sxc

In Österreich leben nach wie vor etwa eine Million Menschen in Haushalten mit Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze. Das ergibt der zweite Armuts- und Reichtumsbericht der Österreichischen Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung. Steigend ist die Zahl derer, die trotz eines Jobs armutsgefährdet sind, die sogenannten "working poor": Sie beträgt rund 230.000 (plus zwölf Prozent gegenüber 2003).

Konstant viele an Armutsgrenze
Die Armutsgefährdungsquote liegt seit Jahren konstant hoch zwischen zwölf und 13 Prozent, so Politikberater Andreas Höferl. Armut betrifft vor allem Arbeitslose, kinderreiche Familien, Alleinerzieher und Migranten. Eine Ursache für Armutsgefährdung ist auch der Anstieg atypischer Beschäftigung. Nur noch 57 Prozent der Beschäftigten sind ganzjährig in Vollzeitbeschäftigung. Ebenfalls erheblich sind die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen.

Immer mehr Super-Reiche
Während rund eine Million Österreicher mit einem monatlichen Einkommen von 893 Euro auskommen muss, nahm gleichzeitig aber auch der Reichtum zu. Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter, so Höferl. Das Geldvermögen wurde in den letzten zehn Jahren auf fast 2,155 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Davon haben aber nur die wenigsten etwas, denn während kleine Einkommen mit neun Prozent nur schwach gestiegen sind, wuchsen sie im obersten Einkommensdrittel um über 40 Prozent. Die Zahl der Reichen und Super-Reichen nahm zu, 70.000 Dollar-Millionäre (plus 17 Prozent gegenüber 2003) gibt es in Österreich.

Geringste Vermögenssteuer
Einen "maßgeblichen Einfluss" auf die Entwicklung von Armut und Reichtum hat die Steuerpolitik. Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Österreich kein "Hochsteuerland" ist. Bei der Vermögensbesteuerung weist es sogar die mit Abstand geringste auf. Das kritisiert auch Sozialwissenschafter Emmerich Talos, der von einer "Schieflage" im Steueraufkommen sprach: "Menschen mit weniger Einkommen, zahlen die Umverteilung."

Mindestsicherung "unumgänglich"
Zur Bekämpfung der Armut wären laut Talos neben Maßnahmen in der Steuerpolitik auch mehr Mittel für den Arbeitsmarkt sowie die Einführung von Mindeststandards notwendig. Die bedarfsorientierte Mindestsicherung wäre "unumgänglich". Die Politik hätte aber auch für eine "Verwirklichungschance" - durch Bildung, soziale und öffentliche Dienstleistungen - zu sorgen, so Höferl.

In Wien ist die Zahl der Sozialhilfeempfänger, die ausschließlich von der Sozialhilfe leben, seit Jahren konstant, erklärt SPÖ-Stadtrat Rudolf Schicker. Eine Steigerung wird aber ebenfalls bei jenen verzeichnet, die einem Job nachgehen, damit aber kein Auskommen finden. Im Budget 2009 sind für den Sozialbereich 1,6 Milliarden Euro vorgesehen, also zehn Prozent des Gesamtbudgets.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |
Facebook Kommentare