30. Oktober 2008 08:29

Staatsbeteiligung 

Erste Group holt sich Hilfe der Republik

Die Republik zeichnet Partizipationskapital der Bank über 2,7 Mrd. Euro. Dafür muss die Erste großzügig Kredite vergeben.

Erste Group holt sich Hilfe der Republik

Erst Mittwoch Abend kam nach heftigen Konflikten um Kompetenzen und Auflagen für staatliche Bankenhilfen die Parteien-Einigung zum Banken-Hilfspaket, das insgesamt 100 Mrd. Euro schwer ist. Mit 15 Mrd. Euro kann sich der Staat dabei über eine neue "Banken-ÖIAG" an Banken oder Versicherungen beteiligen.

Einstieg mit fast 3 Mrd.
Als buchstäblich "erste" österreichische Bank nimmt nun die Großbank Erste Group diese Staatshilfe für sich in Anspruch - über den Verkauf von 2,7 Mrd. Euro Partizipationskapital an die Republik. Damit sind der Bank zufolge keine weiteren banktechnischen Auflagen verbunden. Der Vorstand verzichtet von sich aus heuer auf Bonuszahlen, das hat aber nichts mit der Staatsbeteiligung zu tun.

Kritik der FPÖ an Finanzspritze
Die FPÖ kritisiert die Milliardenspritze für die Erste Group. Die 2,7 Mrd. Euro schwere Beteiligung der Republik erwecke den Eindruck, dass sich die Erste Group lediglich an diesem Milliardentopf bedienen möchte, um ihre Konkurrenzsituation zu verbessern, kritisiert heute FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky. "Das ist keine Bankenhilfe, sondern eine Bankenspende der Republik". empört sich Vilimsky und äußerte weiters den Verdacht auf Insiderhandel mit der Erste-Group-Aktie an der Wiener Börse. Dem Beispiel der Erste Group würden jetzt sehr rasch auch andere folgen, die Bankdirektoren werden sich die 15 Milliarden der Republik, die für Eigenkapitalhilfen reserviert sind, rasant aufteilen, vermutet Vilimsky.

Dividende kommt
Trotz der Wertberichtigung des 300 Millionen Euro schweren Island-Obligos, die im vierten Quartal fällig wird, erwartet Erste-Group-Chef Andreas Treichl, dass das Schlussquartal 2008 unterm Strich mit Gewinn endet. Wie hoch die Ausschüttung an die Aktionäre ausfallen wird, ist offen. In diesen Zeiten könne es keine solchen Voraussagen geben. Treichl gab auch keinen neuen Ausblick für die Nettoergebnisse im Gesamtjahr. Unter Einbeziehung des milliardenschweren Versicherungsverkaufs wird es aber in jedem Fall eine Rekordsumme werden.

Für das Geschäftsjahr 2007 hatte die Erste ihre Dividende von 65 auf 75 Cent je Aktie angehoben.

Zwang durch Wettbewerb
Anders als bei der von Verlusten bedrohten Kommunalkredit, für die eine staatliche Auffanghilfe gebastelt werden müsse, erfolge die Nutzung von Staatshilfe bei der Ersten aus einer starken Position heraus, aber der internationale Wettbewerb und neue internationale Kapitalziele zwängen sie dazu, heißt es aus banknahen Kreisen.

Kommunal und Constantia
Erster Kandidat für eine Teilverstaatlichung direkt über Aktienkapital ist seit dem Wochenende die noch mehrheitlich der Volksbank AG gehörende Kommunalkredit. Lediglich mit Haftungen für Kreditlinien ist der Bund bei der von der Banken-Branche samt Notenbank auf Regierungs-Wunsch hin aufgefangenen kleinen Constantia Privatbank engagiert.

Aktionsstruktur bleibt
Mit dem 2,7 Mrd. Euro-Deal erhält der Bund eine fixe Kuponverzinsung von 8 Prozent. Über die Bühne sein soll diese Maßnahme bis Jahresende. Am Aktienkapital ist der Bund bei der Erste Group damit nicht beteiligt. Das PS-Kapital ist frühestens nach 5 Jahren zu 100 % des Nominales rückzahlbar, es wird nicht an der Börse notieren, ist nicht mit Stimmrechten ausgestattet und nicht auf andere übertragbar. Damit unterbleibt auch eine Verwässerung der bestehenden Aktionäre.

Großzügige Kreditvergabe
Die Kernkapitalquote wird dadurch bis Jahresende auf über 10 Prozent steigen. Die Erste Group verpflichtete sich, in den nächsten drei Jahren Kredite für heimische Firmen- sowie Privatkunden von jeweils mindestens 3 Mrd. Euro zu vergeben.

Hypo Alpe Adria auch dabei?
Die Kärntner Hypo Group Alpe Adria dürfte ebenfalls Staatshilfe zur Stärkung ihres Eigenkapitals in Anspruch nehmen. Vorstandsdirektor Tilo Berlin bezeichnete die Maßnahmen der Bundesregierung als ein "sehr gutes und professionelles Paket", es sei schnell und an den richtigen Schrauben gedreht worden. Für sein Institut kündigte er eine Anhebung der Kernkapitalquote bis Jahresende von derzeit 5,5 auf "neun bis zehn Prozent" an.

Auch Volksbank prüft staatliche Hilfe
Auch im Volksbanksektor mehren sich angeblich Stimmen, die meinen, bei nächsten Liquiditäts- und Kapitalstärkungsmaßnahmen nicht nur im Sektor zu bleiben, sondern sich an den Staat zu wenden, sollte sich die Finanzkrise nicht bald legen. Noch nicht beendet sind die Verhandlungen mit dem Finanzministerium um eine Staatshilfe für die Kommunalkredit.




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