16. Jänner 2009 16:11

Betrugsskandal 

Madoff hat Gelder offensichtlich nie veranlagt

Der mutmaßliche Milliardenbetrüger dürfte die Kontomitteilungen an seine Kunden frei erfunden haben.

Madoff hat Gelder offensichtlich nie veranlagt
© Reuters

Der mutmaßliche Milliarden-Betrüger Bernard Madoff hat die an ihn überwiesenen Gelder - in Summe sollen es 50 Mrd. Dollar gewesen sein - möglicherweise nie wirklich veranlagt. Die Bankauszüge, die die Investoren jedes Monat erhalten haben, dürften von Madoff frei erfunden worden sein, das sagen offizielle Vertreter der Fondsbranche.

Kein Hinweis auf Platzierungen
Ein brancheneigener Aufseher der Brokerfirmen hat angegeben, es gebe in seinen Unterlagen keine Hinweise darauf, dass Madoffs Investmentgesellschaft Wertpapieraufträge platziert hätte. Das bedeute, dass Madoff die Aufträge entweder an andere Broker delegiert oder gar nicht erteilt habe. Ersteres wird in der Branche jedoch für unwahrscheinlich gehalten.

Kein Hinweis auf Auftragsvergabe
"Unsere Prüfung brachte keinen Beweis für die Mithilfe eines Anlageberaters und keinen Beleg für Bankauszüge, die von Broker-Händlern stammen", ließ die Regulierungsagentur für Wertpapierhäuser wissen. Madoffs Firma Bernard L. Madoff Investment Securites ist seit ihrer Gründung 1960 alle zwei Jahre von der FINRA beziehungsweise der Vorgängerorganisation geprüft worden.

Baron Münchhausen
Der mutmaßliche Milliardenbetrüger Madoff hat seinen Investoren monatlich ausführliche Berichte über die Veranlagungen seiner Firma geschickt. Im November 2008 teilte er etwa einem Kunden mit, dass unter anderem Aktien von Merck & Co, Microsoft, Exxon Mobil und Amgen gekauft worden seien.

"Partner" wissen nichts davon
In den Berichten ist auch von Geschäften mit der weltgrößten Investmentsfonds-Firma, Fidelity Investment's Spartan Fund, die Rede. Fidelity hat aber keine Aufzeichnungen darüber, dass Madoff in ihre Fonds investiert hat. Weder Madoff noch seine Firma waren Fidelity-Kunden.

Unstimmigkeiten scheint es auch zwischen den Bankauszügen und den tatsächlichen Preisen, zu denen die Aktien an der Wall Street gehandelt wurden, zu geben.

Fette Klagswelle schwappt über
Der Skandal beschäftigt weltweit Anwaltskanzleien. In Österreich rollt eine Klagewelle auf die Bank Medici und die Bank Austria zu. Anlegervertreter im In- und Ausland orten Unstimmigkeiten und prüfen eine Haftung. Beim Prozessfinanzierer Advofin haben sich bereits über 100 Geschädigte gemeldet. Der luxemburgischen HSBC und der schweizerischen UBS wird sogar von der Politik vorgeworfen, ihre Pflichten als Depotbank vernachlässigt zu haben. Auch gegen die französische BNP Paribas sind bereits Anlegervertreter aktiv.




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