Messe als Wegweiser

Pariser Autosalon wird Nagelprobe für Elektroautos

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Anfang Oktober versammelt sich die gesamte Autobranche in Paris. Auf dem Autosalon werden auch zahlreiche, serienreife Elektroautos gezeigt. Für sie ist die Messe ein zentraler Wegweiser für die Zukunft - Preis und Reichweite sprchen gegen die E-Autos.

Nach dem Rummel um Elektroautos müssen die Hersteller nun Farbe bekennen: Wie teuer werden die umweltschonenden Stadtflitzer? Diese Frage wird im Mittelpunkt stehen, wenn die Autobauer nächste Woche dem Autosalon in Paris die ersten serienreifen Kleinwagen mit Batterieantrieb für den europäischen Markt ins Glitzerlicht ihrer Messestände rollen lassen. "Das ist ja das Schöne, dass jetzt endlich die Preise genannt werden. Jetzt müssen sich die Hersteller outen", freut sich Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft an der Uni Nürtingen-Geislingen auf die Leistungsschau (2. bis 17. Oktober). Die bisher bekannten Preise seien "für Otto Normalverbraucher jenseits von Gut und Böse".
 

In Österreich bereits zu kaufen
Mitsubishi, einer der Elektroauto-Vorreiter, verkauft sein Modell i-Miev in Japan bereits zum Preis von umgerechnet 34.000 Euro. In Österreich kommt er zu Weihnachten auf den Markt (Preis: 35.900 Euro). Den Zwillingsbruder iOn (Bild oben) bietet der französische Partner Peugeot, wie berichtet, ab Oktober in Europa ausschließlich als Leasingfahrzeug an. Das Komplettpaket inklusive leistungsfähiger Lithium-Ionen-Batterie und aller Wartungskosten soll für 500 Euro pro Monat zu haben sein.
 

(Zu) hoher Preis
Autoprofessor Diez ist dennoch skeptisch. "Es wird zunächst eine Ernüchterung bei den Käufern eintreten, wenn sie erfahren, dass ein Kleinwagen 30.000 bis 40.000 Euro bei der Anschaffung oder 500 bis 600 Euro Leasing im Monat kosten soll." Die Vorstellungen in der Öffentlichkeit darüber, was ein Elektroauto koste, seien vielfach völlig falsch, fügt der Wissenschafter hinzu. Er macht dafür unkorrekte Angaben von Anbietern verantwortlich. Einige Hersteller zögen die staatliche Hilfe vom Preis gleich ab. "Das nenn' ich jetzt mal unredlich, denn niemand weiß, wie lange diese Hilfe gezahlt wird."
 

Hersteller fordern Kaufanreize
Die hohen Anschaffungskosten sind auch der Grund, warum die Branche immer lauter nach Subventionen in Deutschland ruft. Die Hersteller fordern Gleichbehandlung, denn im Ausland greift der Staat den Autobauern bereits kräftig unter die Arme, indem er Käufern von Elektroautos einen Zuschuss gewährt. Die höchsten Prämien werden Diez zufolge in Japan mit umgerechnet 7.500 Euro gezahlt. In China, wo der Automarkt mit staatlicher Hilfe rapide wächst, können Käufer von Elektroautos 6.500 Euro einstreichen, in den USA sind es immerhin 5.800 Euro. In Europa gewähren Irland (5.000 Euro), Großbritannien (6.000 Euro) und Frankreich (5.000 Euro) ebenfalls dicke Zuschüsse.
 

Die Prämien sind wohl auch der Grund, warum Nissan den Leaf bisher nur in Ländern mit Förderung anbietet. Unter Ausnutzung aller staatlichen Prämien und Steuervorteile kostet der Elektrowagen in Portugal 30.240 Euro, in Irland 29.995 Euro und in Großbritannien umgerechnet 28.800 Euro. Ohne Subvention dürfte der Leaf kaum unter 35.000 Euro zu haben sein.
 

Batterien als Schwachpunkt
Vor allem die teuren Batterien gehen ins Geld, aber ohne die geht beim Elektroantrieb gar nichts. "Die Mehrkosten von 3.500 bis 5.000 Euro im Vergleich zu herkömmlichen Autos wird man kaum ausgleichen können", ist Wolfgang Bernhart von der Unternehmensberatung Roland Berger überzeugt. Selbst unter Annahme steigender Benzinpreise seien Elektroautos im Betrieb teurer als solche mit Verbrennungsmotoren "Bei drei Euro je Liter Sprit werden herkömmliche Motoren mit alternativem Biosprit konkurrenzfähig und haben zudem den Vorteil, dass sie eine unbegrenzte Reichweite haben", sagt Bernhart.
 

Für Peter Bosch von der Unternehmensberatung Oliver Wyman kommt der Hype um die Elektroautos verfrüht. "Der Kunde wird sich darauf besinnen, dass Elektroautos die Technik der Zukunft sind." Für den Markt seien sie jedoch erst in einigen Jahren relevant.
 

Mindestens noch drei Jahre
Die Elektro-Zukunft beginnt ohnehin erst in zwei, drei Jahren, wenn die Mehrzahl der Modelle auf den Markt kommen soll. Dann will Europas Marktführer Volkswagen den Massenmarkt mit dem Up! aufrollen. Dann will auch der mit Daimler verbündete chinesische Autobauer BYD seinen Angriff auf Europa starten. "Ab 2012 werden wir Antworten auf die Frage bekommen, ob Autos noch gekauft werden, in Kombination mit einem Stromvertrag geleast werden oder sich Car-Sharing-Modelle durchsetzen", ist Berater Bosch überzeugt. Dann wird man sich auf dem alle zwei Jahre stattfindenden Pariser Autosalon wiedersehen und Bilanz ziehen.
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