Geldpaket

Renditeanstiege an den Anleihenmärkten erwartet

Die Analysten von Raiffeisen Research sehen die Euro-Anleihen in den kommenden Monaten mit steigenden Renditen und somit fallenden Kursen. Ihre Einstufung "Verkauf" behalten sie zunächst weiter aufrecht. Am Ende der vergangenen Woche wurden im Euroraum die ersten Schätzungen für das BIP im 3. Quartal veröffentlicht.

In den meisten Ländern war eine Verbesserung der Produktionsleistung im Vergleich zum Vorquartal feststellbar. Von den großen Ländern lag Deutschland mit einem BIP-Wachstum von 0,7 % pro Quartal an der Spitze, das Schlusslicht stellte wenig überraschend Spanien dar (minus 0,3 % pro Quartal).

Erfreulich das Ergebnis für Österreich: Mit einem BIP-Zuwachs von 0,9 % pro Quartal liegt das Land im absoluten Spitzenfeld und weit über dem Schnitt des Euroraums (0,4 % pro Quartal). Nach der gängigen Definition am Finanzmarkt, die auf das Wirtschaftswachstum im Vergleich zum Vorquartal abstellt, hat die Rezession im Euroraum somit ihr Ende gefunden. Laut deutschen Daten stellten Bau-, Lager- und Ausrüstungsinvestitionen sowie Exporte die Wachstumstreiber dar, der private Konsum ging dagegen zurück und bremste das Wirtschaftswachstum.

Höhere BIP-Zuwächse erwartet

Aufgrund der vorliegenden Industrieproduktionsdaten sowie Ergebnissen aus Konjunkturumfragen war die Beschleunigung der Wirtschaftsaktivität im dritten Quartal absehbar, schreiben die Analysten der Raiffeisen Research. Allerdings haben sich die Experten auf noch stärkere BIP-Zuwächse eingestellt, die einerseits erfreulichen Zahlen stellen somit andererseits eine kleine Enttäuschung dar.

Die zuletzt merkliche Konjunkturverbesserung ist zum Teil durch temporäre Effekte getragen (Lagerzyklus, Konjunkturprogramme), erläutern die Experten der Raiffeisen. Zwar wird sich die kräftige Erholung des Wirtschaftswachstums nach ihrer Ansicht zumindest noch im 4. Quartal fortsetzen, im Laufe des Jahres 2010 dürfte sich aber das Wirtschaftswachstum wieder etwas abkühlen (es wird von ihnen aber kein Rückfall in eine Rezession erwartet).

Insofern werten die Raiffeisen-Spezialisten die BIP-Daten für das dritte Quartal nur als einen ersten Schritt auf dem langen und vermutlich holprigen Weg der Konjunkturerholung. Die Daten in den kommenden Tagen sind allesamt aus der zweiten Reihe, so die Raiffeisen-Banker weiter: Beim Auftragseingang in der italienischen Industrie ist nach dem Absturz im Vormonat ein kräftiger Rebound (sowie eine Aufwärtsrevision des Vormonatswertes) fällig. Die Inflationsrate ohne Energie und unverarbeitete Lebensmittel (Kernrate) bleibt ihrer Einschätzung zufolge noch knapp über der Ein-Prozent-Marke.

Die deutschen Produzentenpreise sollten nach dem überraschend starken Rückgang im September im Oktober auf Monats-Basis merklich zugelegt haben, so die Experten. Kurzfristig sehen sie von diesen Daten keine Impulse für den Anleihenmarkt. Die Kurse dürften durch die unter den Erwartungen liegenden BIP-Daten vorerst unterstützt bleiben, ergänzen sie. Auf Sicht der nächsten Monate rechnen sie aber mit Renditeanstiege bei Euro-Staatsanleihen und unsere Empfehlung ist unverändert Verkauf.