Kulterer

Schlüpft in Opferrolle

Hypo-U-Ausschuss: Irre Kulterer-Show

Ex-Bankchef bezeichnet Fülle an Verfahren gegen ihn als menschenunwürdig.

Der erste Zeuge im Hypo-U-Ausschuss heute, Ex-Bankchef Wolfgang Kulterer, hat sich auch bei seinem bereits zweiten Auftritt als Auskunftsperson wieder in die Opferrolle begeben. Die Fülle an Verfahren gegen ihn bezeichnete der Ex-Manager, der im Hypo-Zusammenhang derzeit im Gefängnis sitzt, als "menschenunwürdig". Bis zum Abschied als Vorstandschef 2006 stehe er aber voll zu seiner Verantwortung.

Er habe beispielsweise die "Balkan-Mentalität" unterschätzt, zu wenig selbst nachkontrolliert, Fehler in der Personalauswahl gemacht, zu viel Vertrauen in die dezentrale Organisation der Hypo gehabt und auch zu lange Dauern bei der Nachbesetzung der Vorstände zugelassen. Wissentlich habe er aber nie einen Schaden herbeigeführt, betonte Kulterer. Das Wachstum der Hypo sei auch zu schnell gewesen. Ohne Finanzkrise wäre ein Risikopotenzial von einer Milliarde Euro entstanden, "aber nicht mehr".

3 weitere Manager
Allzuoft werde aber vergessen, dass nach ihm, Kulterer, bis zur Hypo-Verstaatlichung Ende 2009 noch drei weitere Manager Vorstandsvorsitzende der Skandalbank waren - Siegfried Grigg, Tilo Berlin und Wolfgang Pinkl. Kulterer wechselte vom Vorstandschefsessel aber vorübergehend, bis Juli 2007, auch noch in den Chefsessel des Aufsichtsrats. Zum Jahreswechsel 2007/2008 war er in manchen Hypo-Gesellschaften noch "auslaufend" tätig. Im Jänner 2008 war er letztmals in der Bank, danach habe er sie nie mehr betreten. Nie habe er den Auftrag gegeben, Akten zu vernichten. "Diese Behauptung ist ein völliger Blödsinn."

Eigentlich fehle ihm die Motivation, die Fragen der Abgeordneten zu beantworten, denn es sei sinnlos, gab sich Kulterer polemisch. Andererseits wolle er aber sehr wohl zur Aufklärung beitragen. Er würde auch im Nachhinein keine Landeshaftungen mehr für beide Hypo-Einheiten - die Hypo-International und die Hypo-Österreich - zu bekommen versuchen, so Kulterer, damals habe er dies als Vorstandchef aber müssen.

70 Tage als Angeklagter
Alleine heuer verbringt Kulterer, wie er ausführte, 70 Tage als Angeklagter bzw. Zeuge bei Gericht in Klagenfurt. Das sei fast ein halbes Arbeitsjahr. Er werde seit acht Jahren verfolgt, damit habe er schon beinahe die Höchststrafe für Wirtschaftsdelikte von zehn Jahren "abgebüßt", sagte Kulterer. Zuletzt habe es drei Freisprüche für ihn gegeben. "Leider Gottes sind zwei aber wieder von der Staatsanwaltschaft beeinsprucht worden und nun beim OGH."

Die Verstaatlichung der Hypo geißelte Kulterer neuerlich. Die Bayern hätten ihren Ausstieg aus der Hypo schon 2008 beschlossen, die Österreicher hätten das viel zu spät erst 2009 gemerkt. Der Rücktritt von Berlin als Bankchef im Frühjahr 2009 hätte Alarmsignal genug sein müssen, so Kulterer. Dann sei es zur "Notverstaatlichung ohne Not" gekommen, verwendete Kulterer einen Sager, der gerne von verschiedene Oppositionspolitikern verwendet wird. Grund für die Verstaatlichung sei sicher nicht ein finanzieller Notstand der Hypo gewesen, mutmaßte der frühere Bankchef.

"Wirtschaftlich ruiniert"
"Auch wirtschaftlich wurde ich ruiniert" bedauerte Kulterer. "Vier Millionen Euro habe ich bisher seit 2010 für Anwaltskosten und Gutachten aufbringen müssen. Ich habe mein gesamtes Vermögen verkauft, alle Beteiligungen verkauft. Die Transaktionen sind alle transparent in Österreich erfolgt", versuchte der Ex-Manager wohl kommenden Fragen von Abgeordneten Wind aus den Segeln zu nehmen. Alles sei vom Masseverwalter und der Soko geprüft, so der Ex-Manager, der im Privatkonkurs ist. Er habe keine Treuhänder, die Vermögen verstecken würden.

Dass er für sein "verbliebenes Vermögen, einen geerbten Bauernhof meiner Familie, kämpft", müsse verständlich sein. Am Hof lebe seine betagte Mutter, so Kulterer. Dass das Anwesen zuletzt auch in Medienberichten thematisiert wurde und sinngemäß als Asset bezeichnet wurde, sei ebenso "menschenunwürdig", meinte der frühere Hypo-Chef.