Immofinanz-Kapitalerhöhung nicht vor Fusion mit Immoeast

Das Immobilienunternehmen wird die geplante Kapitalerhöhung erst nach Abschluss der Fusion mit ihrer Tochter Immoeast durchführen. Im Markt war der Start der Kapitalerhöhung zuletzt für diese Woche erwartet worden.

"Das Feedback aus den Kapitalmärkten hat ergeben, dass viele der institutionellen und privaten Investoren eine rasche Fusion als Basis für weitere Investitionsentscheidungen sehen", so das Unternehmen in der Pflichtmitteilung. Der Vorstand habe daher beschlossen, die Arbeiten zur geplanten Verschmelzung intensiv voranzutreiben und diese "so rasch wie möglich im ersten Halbjahr 2010 abzuschließen". Erst danach werde über Kapitalmaßnahmen entschieden.

Das Unternehmen hatte bei der Hauptversammlung im Oktober die Bewilligung für frisches Kapital eingeholt. Vor einem Monat hatte Immofinanz-Chef Eduard Zehetner im einem Interview noch erklärt, dass die Kapitalerhöhung vor der Fusion stattfinden soll und dass das Interesse auf den Kapitalmärkten "sehr groß" sei.

Heute hieß es: "Die Restrukturierung und organisatorische Neuordnung der Immofinanz-Gruppe folgt einer klaren Strategie und wird vom Management konsequent und mit Hochdruck verfolgt. Die Ziele dieser Maßnahmen sind Konsolidierung sowie Cash-Flow- und Ertragsoptimierung".

Die Immofinanz steht derzeit im Zentrum mehrerer Finanzskandale: Im Zusammenhang mit dem Verkauf der Buwog an die Immofinanz im Jahr 2004 ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft. Die Immofinanz war von zwei Freunden des damaligen Finanzministers Karl-Heinz Grasser beraten worden, die für ihre Dienste eine Provision von fast 10 Mio. Euro erhielten.

Ein Strafverfahren läuft derzeit auch wegen überteuerter Käufe, Maximierung der Management-Gebühren und fingierter Rechnungen für nicht erbrachte Leistungen in der Immofinanz-Gruppe. Außerdem geriet die mit der Immofinanz/Immoeast-Gruppe eng verbundene Constantia Privatbank wegen aufklärungsbedürftiger Geldflüsse an den Rand des Zusammenbruchs und musste im Vorjahr von fünf Großbanken aufgefangen werden.
Derzeit wird ein Käufer für das Institut gesucht. Immofinanz-Aktien stehen außerdem im Zentrum von Sammelklagen von Anlegern gegen den Finanzdienstleister AWD, weil dieser die Papiere als "mündelsicher" verkauft hatte.