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Deutscher Einzelhandel mit Umsatzeinbußen

Die deutschen Einzelhändler haben im August den vierten Monat in Folge weniger umgesetzt. Sie nahmen um 3,5 % weniger ein als ein Jahr zuvor.

Bereinigt um Preisschwankungen (real) fiel das Minus mit 2,6 % etwas kleiner aus. Von Reuters befragte Experten hatten aber lediglich mit minus 0,8 % gerechnet. Im Vergleich zum Vormonat sank der Umsatz um 0,7 % und real um 1,5 %. Hier hatten die Experten ein reales Plus von 0,1 % vorhergesagt.

Die größten Einbußen musste der Internet- und Versandhandel hinnehmen, dem 8,3 % weniger in den Kassen blieb als vor Jahresfrist. Ähnlich schlecht lief es für den Einzelhandel mit Schmuck, Büchern und Sonstigem. Hier meldeten die Geschäfte ein Minus von 4,8 %. Waren- und Kaufhäuser büßten 4,0 % ein, ebenso der Handel mit Textilien, Bekleidung und Schuhen. Dagegen legte der Umsatz mit Kosmetik sowie pharmazeutischen und medizinischen Produkten um 3,9 % zu. Mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf wurden 0,5 % mehr umgesetzt als im August 2008.

Von Jänner bis August nahm der deutsche Einzelhandel 2,4 und real 2,0 % weniger ein als vor einem Jahr. Für das gesamte Jahr rechnet der Branchenverband HDE mit einem Umsatzrückgang von etwa zwei Prozent.

Volkswirte sagten in ersten Reaktionen zu den August-Einzelhandelsdaten:

Jens-Oliver Niklasch, LBBW: "Die Zahlen sind schlecht. Wir sehen, dass sich die Kunden zurückhalten, obwohl der Arbeitsmarkt erstaunlich robust ist. Ohne den Handel mit Kraftfahrzeugen kann man nicht mehr die segensreichen Wirkungen der Abwrackprämie sehen. Unter den gegebenen Umständen hat sich aber der Einzelhandel in der Krise nicht schlecht entwickelt."

Jürgen Michels, Citigroup: "Das ist eine Enttäuschung, was man beim Einzelhandel ja des Öfteren sagen kann. Allerdings sind diese Zahlen sehr volatil, und man hat erst nach ein paar Monaten ein genaues Bild, wie die Entwicklung tatsächlich war. Abseits der früher in diesem Jahr gestiegenen Ausgaben für Autos ist die Bereitschaft der Konsumenten gering, Geld auszugeben. In den kommenden Monaten wird es noch schwieriger werden, weil wir mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit rechnen müssen. Die Krise ist für den Konsumenten noch lange nicht vorbei."