Herzpumpe liefert Daten über Zustand des Organs

Die Herzunterstützungspumpe liefert direkt die Daten für die Beurteilung der Zustandes des Organs: Der Wiener Biomedizin-Techniker Heinrich Schima erhielt vor kurzem für die Entwicklung eines solchen Systems, das keine invasiven Untersuchungen erfordert, den ersten "Kolff-Olsen Award" der Amerikanischen Gesellschaft für Künstliche Organe (ASAIO), teilte die MedUni Wien am Mittwoch (1. Juli) mit.

Schima beschäftigt sich am Zentrum für Biomedizinische und Technische Physik der MedUni Wien seit vielen Jahren mit dem künstlichen Herz bzw. mit Herzunterstützungspumpen. Der Wissenschafter gegenüber der APA: "Wenn das Herz eines Patienten mit einer solchen Blutpumpe unterstützt wird, sollte das natürliche Organ möglichst schonend behandelt werden. Es sollte eine Restfunktion behalten. In seltenen Fällen erholt es sich auch, und man kann die Pumpenbehandlung wieder beenden."

Dabei muss aber auch die Funktion des Herzmuskels bestimmt werden können. Schima: "Das war bisher eigentlich nur bei Versuchstieren möglich." Außerdem waren die bisherigen Methoden von der jeweiligen Pumpeneinstellung abhängig.

Blutflusssignal aus der Pumpe

Den Wiener Experten gelang es nun, ein System zu entwickeln, mit dem nicht invasiv die Funktionstüchtigkeit des Herzmuskels - also die Fähigkeit zur Pumparbeit (Kontraktilität) - aus Daten abgeleitet werden kann, die sowieso von der Pumpe kommen. Schima: "Es handelt sich dabei um das Blutflusssignal aus der Pumpe." Man verändert dabei gleichzeitig geringfügig die Leistung der künstlichen Pumpe und misst, wie der Herzmuskel darauf reagiert. Der Wissenschafter: "Der Parameter beschreibt die Kontraktilität unabhängig von der gerade verfügbaren Blutmenge, vom Gefäßwiderstand und der Herzfrequenz." Damit könnte eine einfache, kontinuierliche und objektive Methode zur Überwachung der Therapie zur Verfügung stehen. Sie könnte in Zukunft auch zu neuen Erkenntnissen über die Entstehung von Herzkrankheiten führen.

Der Kolff-Olsen Award wurde anlässlich des Ablebens von William Kolff, dem "Vater der künstlichen Organe" vom Artificial-Heart-Institute im US-Bundesstaat Utah gestiftet und in diesem Jahr erstmals vergeben. Kolff führte 1943 die erste klinische Dialyse durch und setzte 1956 erstmals einen Membranoxygenator zur Sauerstoffanreicherung des Blutes ein. 1982 implantierte er mit seiner Wissenschaftergruppe das erste vollimplantierbare Kunstherz.

Unter der Leitung von Schima und dem Chirurgen Georg Wieselthaler befassen sich an der MedUni Wien Forscher der Abteilung für Herz-Thorax-Chirurgie und des Zentrums für Biomedizinische Technik und Physik im Rahmen des Ludwig-Boltzmann-Clusters für Kardiovaskuläre Forschung mit Herzunterstützungssystemen und anderen Systemen für Herz und Kreislauf.