Öffentlicher Raum soll mehr bespielt werden

Kulturhauptstadt Linz mit durchwachsenem Halbjahr

Die Halbjahresbilanz der Europäischen Kulturhauptstadt Linz ist durchwachsen: Für Intendant Martin Heller fällt sie "extrem gut" aus, wie er am Freitag (3. Juli) im Gespräch mit der APA sagte. Der Tourismus durfte sich im Mai trotz Krise über ein Nächtigungsplus von knapp 24 Prozent auf rund 73.700 freuen. Die vorläufige Bilanz der freien Szene sieht erwartungsgemäß nicht so rosig aus, für sie ist die Frage der Nachhaltigkeit ungeklärt.

"Ich bin nicht der Hauruck-Mensch, der jetzt die Fahne hisst und sagt: Super, super, super!", betonte Heller. Man dürfe Linz09 nicht an einzelnen, erfolgreichen Großprojekten wie beispielsweise dem "Höhenrausch" festmachen, die Mischung mache es aus. Dass sie stimme, werde tagtäglich aufs Neue bestätigt. Rund 740.000 Besucher seien bis Ende Juni gezählt worden. Linz habe sich buchstäblich einen Namen gemacht, der Kulturhauptstadt werde von außen attestiert, dass sie sich nicht verleugne und all ihren Seiten, auch die provinzielle, zeige, so Heller. Es sei ein neues Selbstbewusstsein entstanden, "etwas Modernes und Liebenswürdiges".

Für die kommenden sechs Monate zeigt sich der Intendant ebenfalls zuversichtlich: Die Herausforderung im Vorfeld sei gewesen, eine Dramaturgie für das ganze Jahr zu entwickeln. Den Boden dafür habe man bereits in der zweiten Hälfte 2008 gelegt. Diesen Sommer will das Linz09-Team - u.a. mit dem zweiten Teil des Festivals "Theaterlust" - so oft wie möglich den öffentlichen Raum bespielen, im Herbst soll eine Klangwolke einer "neuen Dimension" folgen, erklärte Heller. Die Erfahrungen der vergangenen Monate stimmen ihn auch für die Zeit nach dem Kulturhauptstadtjahr positiv: "Die Linzer reagieren auf alles extrem gut, was den Alltag aufbricht." Für die Zukunft wünscht sich Heller neue kulturelle Konstellationen und Allianzen, ungeachtet des Backgrounds der Akteure.

Freie Szene: "Nachhaltigkeit ungeklärt"

Die freie Szene, die von Anfang an kritisiert hatte, zu wenig eingebunden zu sein, sieht sich in ihrer Haltung hingegen nach einem halben Jahr bestätigt: Es habe zwar eine gewisse kulturelle Belebung gegeben, räumte Stefan Haslinger, Geschäftsführer der Kulturplattform Oberösterreich, ein. Die Frage der Nachhaltigkeit bleibe aber völlig ungeklärt. Es sei zu befürchten, dass es nächstes Jahr zu Kürzungen im Kulturbereich kommen werde. "Wir verlangen Konzepte im Dialog mit jenen, die auch 2010 noch da sind - und zwar noch vor den Landtagswahlen im Herbst", sieht Haslinger die Politik gefordert.

Weniger Grund zur Klage haben dagegen die Touristiker des Bundeslandes: Bundesweit gingen die Nächtigungen im Mai um 11,8 Prozent zurück, in Oberösterreich nur um 3,6 Prozent (auf 581.100). Der Kulturtourismus habe die rückläufigen Besuche von Geschäftstouristen zum Teil aufgefangen, heißt es. Auch "2244", eines der größten Linzer Taxiunternehmen beurteilt das erste Halbjahr 2009 trotz eines Auftragsrückgangs durchaus positiv. Zwar hätten sich rund sechs Prozent weniger chauffieren lassen, das Kulturhauptstadtjahr habe die negativen Folgen der Krise aber abgefedert, ist Firmenchef Peter Leopold überzeugt. Wenn das Minus bis Jahresende nicht mehr als zehn Prozent ausmacht, sei man "mit einem blauen Auge" davongekommen.