Pommer: "Lang halten wir das nicht durch"

Vor "AUA-Gipfel" bei Voves in Graz

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Vor einem vom steirischen Landeshauptmann für Donnerstag (4. Februar) einberufenen Gespräch mit der AUA-Spitze schießt der steirische Regionalflugunternehmer Georg Pommer ("Robin Hood Aviation GmbH") scharf gegen die jetzt der Lufthansa gehörende Austrian Airlines (AUA). Er wirft der AUA vor, mit steuerfinanzierten Marktverdrängungstarifen auf Bundesländerstrecken Verluste zu machen, "die man von den Ländern bezahlt haben möchte."

"Lang halten wir das nicht durch", sagte Pommer zur APA. Er hat deshalb an den steirischen Landeshauptmann Franz Voves (S) geschrieben. Zugleich kündigte Pommer an, dass steirischen Unternehmern noch im ersten Quartal Anteile an der Gesellschaft Robin Hood zum Kauf angeboten werden sollen. Im Lauf des Jahres könnten Private und Wirtschaftstreibende die Mehrheit übernehmen.

"Wir urgieren insbesondere wegen des Vernichtungsfeldzugs und des Angriffs auf steirische Arbeitsplätze die aliquote Unterstützung des Landes im selben Ausmaß, wie sie die AUA 2009 als Rettung in Form einer Staatshilfe bekommen hat", heißt es im Schreiben an Voves.

Pommer spricht von "steuerfinanzierten Kampfpreisen" bei der AUA, die zur Zeit auf der Strecke nach Zürich "ebenso skandalös wie unverschämt" gegen Robin Hood vorgehe und Zürich-Flüge um 50 Euro verkaufe, das bedeute 12,50 Euro je Teilstrecke (Graz-Wien-Zürich und zurück). Auf der Stuttgart-Route habe Austrian Robin Hood schon "weggedumpt."

Dass die AUA jetzt bei Landeshauptleuten regionale Unterstützungen verlangt (Pommer: "die Verluste der Zubringerverbindung nach Wien sollen vom Land Steiermark übernommen werden") empört den Regionalflieger besonders. Zumal die Verluste "ganz offenbar auch deswegen zustande kommen, weil man damit ein steirisches Unternehmen aus dem Markt werfen möchte."

Robin Hood sieht sich in der Substanz gefährdet

Robin Hood (35 Mitarbeiter) fühlt sich damit jetzt zunehmend in der Substanz gefährdet. Man werde im Februar "während der politischen und internen Entscheidungsfindung", wie Pommer erklärt, den Verkehr nach Zürich reduzieren müssen. "Aus Protest gegen die eklatante Ungleichstellung ..." habe das Robin-Hood-Personal eine Bestreikung der Flüge vom 15. bis 19. Februar angekündigt, schrieb Pommer an die Medien.

Zur AUA-Forderung nach regionaler Subvention vom Land verlangt Robin Hood die "sofortige parallele Einbeziehung in ebensolche Verhandlungen", wie Pommer formuliert. Auch müsse offengelegt werden, wie (Wirtschaftsförderung, Marketingzuschüsse mittels Tourismusförderung, Flughafengebührenermäßigung) eine solche Förderung fließen soll.

Die AUA-Spitze hat mehrere Länderchefs (Kärnten, Steiermark, Oberösterreich) angeschrieben, Kernforderung: Verlustabdeckung oder radikale Ausdünnung der Flüge bzw. Ersatz durch Bus-Shuttle. Am Donnerstag stellt der AUA-Vorstand bei Voves die Sparpläne vor.

AUA für EU-weite Strecken-Ausschreibung

Für die Bundesländerstrecken, die die Austrian Airlines mangels Rentabilität auf den Prüfstand gestellt hat, klopft das Airlinemanagement bei den Landeshauptleuten in Oberösterreich, Kärnten und der Steiermark um ein EU-weit praktiziertes Modell der Verlustabdeckung nach EU-weiter Strecken-Ausschreibung an.

"Wir wollen keine Subvention, wir beantragen das nicht bilateral", sagte AUA-Sprecher Martin Hehemann im Vorfeld des Treffens des AUA-Managements mit dem steirischen Landeshauptmann. "Unser Vorschlag an die drei Länder: Eine Ausschreibung durch die öffentliche Hand, der Beste soll gewinnen". Sei die öffentliche Hand interessiert daran, dass eine unrentable Strecke bedient werde, würde sich das Modell der "Public Service Obligation" (PSO) anbieten, sagte Hehemann.

Das Modell: Die öffentliche Hand auf der einen Seite habe Interesse, dass eine (für die Airline bisher negative) Strecke bedient wird, und biete daher an, sich an der Verlustabdeckung zu beteiligen. Dafür verpflichte sich das Flugunternehmen auf der anderen Seite dazu, über die Vertragslaufzeit verbindlich eine klar definierte Verkehrsleistung zu erbringen. Der Vorteil für beide Seiten sei Planungssicherheit, sagte Hehemann. Sonst hänge immer wieder das Damoklesschwert in der Luft, dass Flüge verschwinden oder reduziert werden.

Bei PSO handle es sich um eine EU-rechtlich anerkannte und auf dem ganzen Kontinent praktizierte Lösung, die es 255 mal in Europa gebe und ohne die etwa in Frankreich der Flugverkehr gar nicht mehr machbar wäre. Die in Rede stehenden Strecken müssen europaweit ausgeschrieben werden.

Die Vorwürfe von Robin Hood-Chef Georg Pommer, einen "Vernichtungsfeldzug" gegen das steirische Regionalflugunternehmen zu führen, weist die AUA zurück. Die Wortwahl sei bedenklich und im übrigen "orientieren wir uns an den Bedürfnissen der Kunden und nicht an Herrn Pommer", so Hehemann.

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