Österreichs Wohnbauentwicklung lahmt

Zu wenige Wohnungen

Österreichs Wohnbauentwicklung lahmt

"Die Entwicklung im Neubau ist dramatisch", schlägt der Geschäftsführer der Stein- und keramischen Industrie in der Wirtschaftskammer, Carl Hennrich, Alarm. "Die Baubewilligungen gehen 2011 im Vergleich zu heuer von 35.500 auf 33.850 weiter stark zurück", so Hennig. Vor vier Jahren waren noch 47.500 Neubauten und Adaptierungen bewilligt worden. Damit gehe die Neubauproduktion am Bedarf vorbei.

"Es werden weniger Wohnungen hergestellt als laut mittelfristigem Bedarf notwendig wäre." Dieser liegt den Berechnungen des Fachverbands und des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) zufolge bei 50.000 neuen Wohneinheiten jährlich.

Als Grund für die schleppende Bautätigkeit nannte Hennrich in erster Linie massive Probleme bei den Finanzierungen. "Die Wohnbaugenossenschaften sind viel vorsichtiger geworden", berichtete der Geschäftsführer des Fachverbands Stein-Keramik. Die Wirtschaftskrise und auch die Sorge um den Arbeitsplatz lasse die Leute stärker überlegen, ob sie sich ein Haus bauen oder nicht.

Besonders stark von dem Einbruch betroffen seien die Ein- und Zweifamilienhäuser. Hier reduziert sich die Zahl der Baubewilligungen 2011 auf 13.735. "Das ist der absolute Tiefpunkt, verglichen mit den vergangenen 20 Jahren", so Hennrich. Sonst seien immer 15.000 bis 16.000 neue Einheiten jährlich üblich gewesen.

Im mehrgeschoßigen Wohnbau gibt es für 2011 derzeit nur 14.265 Bewilligungen - heuer sind es noch rund 16.000 bis 17.000. Die Gemeinde Wien sei hier der Hauptinvestor - sie erreichte derzeit 7.000 Wohnungen nur im Stadtgebiet.

Lohnstreit in der Baubranche spitzt sich zu

Nachdem auch in der 2. Runde der laufenden KV-Verhandlungen für die rund 25.000 Angestellten der Branche keine Einigung erzielt werden konnte, hat die Gewerkschaft für kommenden Donnerstag (22.4.) eine Protestkundgebung vor der Wirtschaftskammer-Geschäftsstelle Bau angekündigt.

Die Arbeitgeber hätten ihr Angebot nur geringfügig verbessert, so die Gewerkschaft. Erst kurz vor Unterbrechung der Verhandlungen hatten die Arbeitgeber ihr erstes Angebot geringfügig nachgebessert. Statt der ursprünglichen 0,9 % boten sie gestaffelt nach Verwendungsgruppen zwischen 0,9 und 1,1 %.

Angesichts der nach wie vor stabilen Lage der Baubranche zeigten sich die Angestelltenbetriebsräte vom unzureichenden Angebot der Arbeitgebervertreter mehr als enttäuscht. Die KV-Verhandlungen werden am 29. April fortgesetzt. Sollte keine Einigung zustande kommen, sei mit weiteren Maßnahmen zu rechnen.

Baukosten stiegen auch im März

Die Baukosten für den Wohn- und Siedlungsbau sind auch im März weiter gestiegen. Der entsprechende Baukostenindex lag laut Statistik Austria um 3,1 % über dem Wert von März 2009 und um 0,4 % über jenem vom Februar 2010. Nach den Kostenfaktoren Lohn und Material betrachtet, erhöhten sich die Lohnkosten gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,9 %, die Materialkosten nahmen gegenüber März 2009 um 3,2 % bzw. gegenüber Februar 2010 um 0,8 % zu.

Im Jahresvergleich verzeichnete der Baukostenindex für den Straßenbau ein Plus von 2,4 % und jener für den Brückenbau +2,6 %. Beide Tiefbausparten wiesen auch jeweils ein Plus zum Vormonat auf (Straßenbau +1 %, Brückenbau +1,1 %).

Die Hauptursache für die steigenden Baukostenindizes sind die wieder erhöhten Preise für Kunststoffe, Bitumen, Treibstoffe und zu einem großen Teil die derzeit stattfindenden Stahlpreisschwankungen.