Ruttenstorfer setzt vor allem auf die Türkei

Wachstum in Asien

OMV geht aus Russland weg

Der OMV-Konzern, der sich in den nächsten Jahren stärker auf Exploration und Produktion (E&P) konzentrieren will, will sich aus seinen (ohnedies geringen) Aktivitäten in Russland zurückziehen, aber in Asien wachsen, so OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer. Es gebe weder einen Zeitplan für den Verkauf in Russland noch numerische Expansionsziele für den Upstream-Bereich.

Zukaufen will die OMV vor allem im Mittleren Osten bzw. im Kaspischen Raum, wo es bereits in den vergangenen Jahren zu Käufen von Explorationen gekommen war (Nordirak, Kasachstan). Auch kleinere Zukäufe in Nordafrika wollte Ruttenstorfer nicht grundsätzlich ausschließen. Anders als in Russland komme ein Rückzug aus Neuseeland und der Nordsee nicht in Frage, "weil das sind sichere Märkte in der OECD mit einem einfachen Zugang".

Ein Wachstumsziel bei E&P - wie es vor einigen Jahren ausgerufen, aber nicht erreicht worden war - gibt es für die OMV heute keines. "Wir wollen uns hier nicht auf eine Menge festlegen", sagte Ruttenstorfer. "Grundsätzlich können wir aus eigener Kraft bis 2015 die Produktion stabil halten."

Das Wachstum beim Output müsse aus Zukäufen kommen. Bei den Neuerwerbungen könne es sich von der Größenordnung um Hunderte Millionen Euro, "nicht aber einen Milliardenbetrag" handeln. Im Iran unterhält die OMV nur ein Büro und hat laut Ruttenstorfer nicht vor, in absehbarer Zeit dort ins operative Geschäft zu gehen.

Raffineriekapazitäten sollen um 15 % verringert werden

Die OMV will in den nächsten Jahren mehr als die Hälfte ihrer Investitionen (CAPEX) in E&P stecken. Die Raffineriekapazitäten sollen dagegen um 15 % gekürzt werden, dort will man bis 2012 ein Drittel der Fixkosten einsparen. Ausnahme bei den Raffinerien ist die Türkei, in der man sich eine Beteiligung, aber keinen eigenen Neubau vorstellen kann. Investiert wird auch in Gas und Strom "im europäischen Wachstumsgürtel".

Nachdem die OMV bis Ende 2010 300 Mio. Euro eingespart haben will, sollen 2011 und 2012 weitere je 100 Mio. Euro eingespart werden. Jobs in Österreich sollen davon nicht betroffen sein.

Ruttenstorfer räumt "Peak Oil" in Industrieländern ein

Laut OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer werden die Industrieländer nie mehr wieder so viel Öl verbrauchen wie vor der Krise: "Peak Oil auf Ebene der Verbraucher, in den Ländern der OECD, haben wir hinter uns", so Ruttenstorfer. Genauer gesagt würde das bedeuten, dass die OECD-Länder schon 2005 mit 49,5 Mio. Barrel pro Tag ihr Verbrauchsmaximum überschritten haben.

Seither sinkt der Verbrauch in den Industrieländern, im jahr 2008 gar um 3,2 %. Für 2009 liegt noch keine "Statistical Review" von BP vor. Die weltweite Produktion war 2008 noch um 0,4 % auf 81,8 Mio. Barrel pro Tag gewachsen.

Unter "Peak Oil" wird im Regelfall aber das endgültige Überschreiten des weltweiten Fördermaximums verstanden. Nach Meinung der Mehrheit der Experten wird dieser Punkt in den nächsten 10-15 Jahren erreicht, einzelne Stimmen wie der US-Amerikaner Matthew Simmons sehen ihn bereits überschritten oder aber in naher Zukunft erreicht.