Großer Shopping-Neustart: Ansturm & lange Schlangen

Was heißt das für die Viren-Verbreitung?

Großer Shopping-Neustart: Ansturm & lange Schlangen

Sonderangebote und lange Schlangen beim Shopping-Comeback: Sogar bei Luxus-Labels wie bei Louis Vuitton stauten sich die Kunden. Müssen wir uns jetzt aber Sorgen vor einer zweiten Corona-Welle machen?

Wien. Heute startete das große Shopping-Comeback in Österreich. Ab sofort dürfen alle Geschäfte und die Einkaufszentren wieder auf­sperren. Für die Möbelhäuser wie XXXLutz, kika und Leiner oder die Elektronikketten MediaMarkt und Saturn, aber auch die großen Mode-Stores wie H&M oder Zara geht es nach fast siebenwöchiger Schließung heute wieder los.
 
Erste Shoppingwütige standen bereits eine Stunde vor der Öffnung vor den verschiedensten Geschäften Schlange. Besonders heftig viel der Ansturm in der SCS und bei Ikea Wien-Nord aus.
 
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Auch auf den Einkaufstraßen im 7. und 1. Wiener Gemeindebezirk waren Hotspots für den heutigen Shopping-Super-Samstag.
 
© Screenshot (Facebook)
Selbst vor Luxus-Stores, wie der Louis Vuitton-Filiale am Graben kam es zu langen Warteschlangen
 
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Lange Wartezeiten auch vor einer Obi-Filiale in Wien-Nord

Maskenpflicht und nur ein Kunde pro 10 Quadratmeter

Jede Schließwoche kostete den Handel etwa eine halbe Milliarde Euro Umsatz. Aufholen lässt sich das verloren gegangene Geschäft nicht mehr – aber jetzt soll es mit voller Power wieder losgehen. Die Ketten locken die Kunden mit einem Rabatt-Feuerwerk (siehe rechts). „Unsere Lager sind bis an die Decke voll, die für die letzten sieben Wochen geplanten Aktionsartikel müssen jetzt auf einmal abverkauft werden“, sagt XXXLutz-Unternehmenssprecher Thomas Saliger. Besonders günstig – mit bis zu rund 70 Prozent Nachlass – werde es Gartenmöbel geben.
 
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Im Gerngroß-Center im 7. Wiener Gemeindebezirk war die Saturn-Filiale einer der gefragtesten Shopping-Hotspot
 
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Neue Regeln. Fürs Einkaufen gelten auch in den Shoppingcentern und großen Geschäften die Gesundheitsschutz-Regeln wie in den kleinen Geschäften: Maskenpflicht, mindestens ein Meter Sicherheitsabstand, nur ein Kunde pro 10 Quadratmeter. Die Einkaufszentren haben ihre Reinigungsmaßnahmen verstärkt, es gibt auch zusätzliches Personal. „Die Flächen in unserer Mall sind groß, da ist Abstandhalten kein Problem“, sagt Peter Schaider, Chef des Wiener Auhof Centers.
 
 

Handelsverband sieht Umsatz-"Einmaleffekt" 

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will ortet einen Umsatz-"Einmaleffekt" am ersten Tag der kompletten Geschäftsöffnung nach dem knapp siebenwöchigen Corona-Shutdown. "Insgesamt ist die Bilanz aber vorsichtig positiv", sagte er am Samstag zur APA.
 
Unter anderem bildeten sich am Samstag längere Schlangen bei Möbelhändlern, Elektronikketten und Friseuren. In den nächsten Tagen erwartet Will aber "noch mal eine rückläufige Entwicklung" bei den Erlösen. Erst mit der Wiedereröffnung der Gastronomie am 15. Mai und einer damit verbundenen Frequenzsteigerung in Innenstädten, Einkaufsstraßen und Shoppingcentern werde es eine Umsatzstabilisierung geben, aber auf niedrigerem Niveau als vor der Krise. In den nächsten Monaten fehlen aber weiterhin die ausländischen Touristen als wichtiger Umsatzbringer für den heimischen Handel.
 
Um schnell Geld in die Kasse zu bringen, setzen viele Händler nun auf hohe Rabatte. Die Liquiditätshilfen für die Unternehmen seien "leider noch nicht ankommen", sagte der Handelsverband-Geschäftsführer. Er warnte vor "einer riesigen Liquiditätsfalle, die sich in nächsten Wochen verschärfen wird".
 
Um die Konjunktur und die Konsumausgaben in der Coronakrise anzukurbeln, drängt der Handelsverband weiterhin auf eine vorgezogene Steuerreform. Es gehe zuerst um eine Tarifsenkung für Geringverdiener, um damit den Konjunkturmotor ins Laufen zu bringen.
 

 

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Regeln in den Shops

ÖSTERREICH beantwortet die wichtigsten Fragen zu den neuen Shopping-Regeln.

1. Gilt in Einkaufszentren Maskenpflicht?
Ja. In den Allgemeinflächen und Gängen der Shoppingcenter und in ­allen Geschäften sowie
bei Friseuren & Co. müssen Kunden einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Die Mitarbeiter sowieso – wobei diese auch ein Plexiglas­visier nehmen können.

2. Welche Abstands­regeln gelten?
Generell ist ein Sicherheitsabstand von mindestens einem Meter einzuhalten. Das gilt in den Shoppingcenter-Gängen ebenso wie in den Geschäften selber. Um die Kunden dabei zu unterstützen, gibt es etwa in den Kassenbereichen Bodenmarkierungen.

3. Gibt es eine Begrenzung der Kundenzahl pro Geschäft?
Ja. Ab sofort gilt die Regel: ein Kunde pro 10 Quadratmeter. Die großen Shops wie etwa Möbelhäuser haben meist Kontrollpunkte beim Eingang, um den ­Zutritt zu regulieren.

4. Welche Hygiene-Maßnahmen gibt es?
In den Einkaufszentren ebenso wie in den Geschäften stehen an vielen Punkten Desinfektionsmittelspender für die Kunden zur Verfügung. Alles, was viel berührt wird – Geländer, Bankomattastaturen, Liftknöpfe etc. – wird zwischendurch häufig desinfiziert. Das gilt auch für Demonstrationsgeräte etwa in den Elektronikmärkten.

5. Sind die Öffnungs­zeiten beschränkt?
Nein, die zuvor geltende Vorgabe, dass Geschäfte höchstens von 7.40 bis 19 Uhr offen haben dürfen, gilt jetzt nicht mehr. Die Geschäfte können damit wieder zu ihren vor Corona üblichen Zeiten zurückkehren.

 

Großer Andrang auch in Klagenfurter Innenstadt

Das warme, frühsommerliche Wetter haben viele Klagenfurter an diesem Samstag für einen Stadtbummel genutzt. In der Fußgängerzone schoben sich die Menschenmassen, im Innenstadt-Einkaufszentrum "City-Arkaden" fanden sich die ersten Kunden nach dem Corona-Shutdown ein. Vor den Friseursalons warteten viele geduldig, bis sie dran waren.
 
Erfreut war die Verkäuferin im Bekleidungsgeschäft, dass bereits am Vormittag einige Kundinnen die neuen Sommermodelle nicht nur begutachteten und probierten, sondern auch kauften. Sie hoffte auf mehr Frequenz am Nachmittag und war glücklich, wieder arbeiten zu dürfen. "Es war schrecklich, ein Tag wie der andere und all diese negativen Nachrichten. Ich hab' keine Zeitungen mehr gelesen", sagte sie.
 
In anderen Boutiquen der "City-Arkaden" herrschte noch gähnende Leere. Die Verkäuferinnen vertrieben sich die Zeit mit dem Schlichten und Ordnen der Kleidungsstücke. Auch nach Taschen und Koffern herrschte an diesem Tag keine Nachfrage. Der Bio-Laden, der unbeschränkt offen haben durfte, spürte die Aufbruchsstimmung. "Es ist heute mehr los als sonst, Gott sei Dank", sagte die Dame an der Kassa. Bei einem Deko-Geschäft durfte nur eintreten, wer einen Einkaufskorb nahm. Ein Paar, das gemeinsam gustieren wollte, lehnte dankend ab und ging weiter.
 
Eine telefonische Umfrage bei einigen Friseuren ließ bereits an diesem Tag einen massiven Andrang erwarten. Einige von ihnen haben im Mai keine Termine mehr frei und müssen ihre Kunden auf Juni vertrösten. Der Lokalaugenschein bestätigte die Aussagen. Vor den Friseurgeschäften standen lange Schlangen, in erster Linie Männer. Der eine oder andere vertrieb sich die Wartezeit mit einer Zigarette, die Gesichtsmaske unters Kinn geklemmt.
 
Die Kaffeehäuser haben noch nicht offen, aber die Gartengarnituren stehen bereits in der Fußgängerzone und die Sessel waren großteils belegt. Viele genossen einfach nur die Sonnenstrahlen oder aßen das Eis aus dem Stanitzel. Ein paar Damen hatten sich aus dem nahegelegenen Geschäft einen Kaffee im Pappbecher geholt und genossen gemeinsam das heiße Getränk, die Masken baumelten von den Ohren.
 
Der Andrang am Benediktinermarkt war unverändert. Auch vor der Öffnung des Einzelhandels und der Einkaufszentren hatten die Menschen in großer Zahl bei den Ständen eingekauft. Gegen Mittag war die Auswahl nicht mehr sehr groß. Das gleiche galt für die Bäckereien. Wer erst gegen zwölf Uhr kam, musste nehmen, was übrig war.
 
Ebenso ungebrochen war die Beliebtheit der Stoffgeschäfte, die aufgrund der Größe beziehungsweise der Kleinheit schon länger offen haben durften. Hier bildeten sich wie jeden Samstag lange Schlangen. Auch beim Buchhändler, wo bestellte Bücher abgeholt werden durften, warteten viele Kunden geduldig. Beim Fischhändler gegenüber wurde eifrig geputzt und das Geschäft für die Öffnung vorbereitet.
 
Wer Essen zum Mitnehmen anbot, stand ebenfalls hoch im Kurs. So manch einer hatte vom täglichen Kochen offensichtlich genug.
 

Durchwachsenes Bild in Vorarlberg

Am ersten Tag, an dem wieder alle Geschäfte offen halten dürfen, war in Vorarlberg am Samstagvormittag durchwegs relativ entspanntes Einkaufen möglich: Die Parkplätze waren gut, aber nicht zur Gänze gefüllt, in den Geschäften selbst bot sich ein unterschiedliches Bild.
 
Nur kurzzeitig, wie etwa rund um das zweitgrößte Einkaufszentrum Vorarlbergs, dem Zimbapark bei Bludenz, kam es zu kleineren Staus. Für den Messepark in Dornbirn, dem größten Einkaufszentrum des Landes, verglich Geschäftsführer Burkhard Dünser den Besucherstrom "mit einem eher schwächeren Samstag". Dass die gesamte Gastronomie noch geschlossen hat, sei in der Frequenz zu spüren, vor allem aber das Ausbleiben der Konsumenten aus der benachbarten Schweiz. Dürften diese über der Grenze, könnte von einem normalen Samstag gesprochen werden.
 
Auch vor den großen Möbelhäusern in Vorarlberg bot sich anhand der Parkplatzsituation ein unterdurchschnittliches Bild.
 
Voll - jedoch mit der Einschränkung, dass meistens nur jeder zweite Stuhl besetzt wird - waren die Friseursalons: Jedenfalls war es praktisch unmöglich, spontan einen Termin zu erhalten, wie ein Bludenzer Friseur erklärte. Den größten Andrang erlebten in den Einkaufszentren die Elektromärkte. Dünser: "Schon um 9 Uhr waren vor dem Mediamarkt, aber auch vor Nespresso die längsten Schlangen." Die Geschäfte der Modeketten seien am ersten Tag nach Aufhebung der Sperre gut frequentiert gewesen.
 
Die Überwachung der Mindestfläche pro Person und damit die Zutrittskontrolle wurde unterschiedlich gehandhabt. Während vor allem größere Geschäfte auf Zählung durch Einkaufswagen oder persönlich durch Security-Mitarbeiter setzten, gaben die Parfümeriekette Douglas eine begrenzte Anzahl Einkaufskörbe und die Schuhkette Deichmann Schuhlöffel aus, die dann nach dem Verlassen wieder dem nächsten Kunden zur Verfügung standen.
 
Den Konsumenten stellten die Unternehmen durch die Bank ein gutes Zeugnis aus, was das Einhalten der Schutzmaßnahmen angeht. "Sie halten sich an die Abstandsregelung, es funktioniert tadellos. Wir geben Masken aus, können das aber bald wieder einstellen, denn die meisten kommen bereits heute mit einer eigenen Maske", berichtet der Messepark-Chef.
 

Salzburg zwischen Warteschlangen und leeren Shops 

Von großer Kauflust und riesigem Kundenandrang ist in der Salzburger Altstadt am Samstag trotz der Wiedereröffnung auch der größeren Geschäfte wenig zu spüren gewesen. Die Stadt ist belebt, die Menschen gehen wieder einkaufen. Von der früheren Dichte an Einheimischen und Touristen war die Altstadt aber weit entfernt. Mit Maske fehlt ein bisschen die Leichtigkeit des Flanierens.
 
Vor dem Bekleidungsgeschäft Dantendorfer standen einige Frauen in der Schlange vor dem Eingang. "Bitte warten, es sind zu viele Kunden im Geschäft", hieß es auf einem Hinweisschild an der Tür. Auch in einem nahen Trachtengeschäft herrschte reger Andrang, beim Eingang wurde Mundschutz aus buntem Dirndlstoff angeboten.
 
Vor dem Nespresso-Shop in der Getreidegasse hatte sich gegen Mittag eine lange Schlange gebildet - offenbar ist vielen Salzburgern in der Krise der Kaffee ausgegangen. Auch beim Spirituosengeschäft Sporer, für viele Salzburger Fixpunkt ihres samstäglichen Besuchs in der Stadt, waren die Kunden zurück. Mit großem Abstand wurde über die Getreidegasse hinweg in Grüppchen kommuniziert. Ein paar Geschäfte weiter waren Verkäuferinnen ganz allein in einer Boutique und warteten, dass endlich jemand ins Geschäft kommt.
 
"The Show must go on" hatte ein Schuhgeschäft in seinen Auslagen plakatiert, andere hatten sich schönen Blumenschmuck und aufwendige Dekorationen einfallen lassen, um die Freude am Einkaufen anzukurbeln. Viele Händler werben mit Rabatten um ihre Kunden. Bei der Modekette Zara informierte ein Schild, dass nach den geltenden Regelungen 96 Kunden im Geschäft sein dürfen. Drinnen gustierten einige Kunden, andere kamen mit gut gefüllten Einkaufstaschen aus dem Geschäft. Auch die Linzergasse war belebt, es blieb aber auch hier genügend Platz, um die nötigen Abstandsregeln einzuhalten.
 
"Wir sind gut besucht, es sind viele Kunden im Haus", zog Manuel Mayer, Center-Manager im Europark Salzburg, am frühen Nachmittag gegenüber der APA eine positive erste Bilanz des Tages der Wiedereröffnung: "Es läuft zufriedenstellend. Die Händler und Kunden haben sich aufeinander gefreut." Es sei schön, dass wieder Leben im Haus herrsche.
 
 
 
 
 

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