Experten raten: Sozialkontakte für ein Jahr meiden

Coronavirus-Krise

Experten raten: Sozialkontakte für ein Jahr meiden

Wissenschaftler fordern, dass 'Social Distancing' zumindest bis Ende des Jahres gelten soll um die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen.

London. Die wissenschaftliche Beratergruppe für Notfälle  "Sage" (Scientific Advisory Group for Emergencies), die Englands Regierung in der Corona-Krise zur Seite steht, schlägt nun vor die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zu verlängern, wie "metro" berichtet. Darunter fallen etwa auch das "Social Distancing", also das weitgehende vermeiden sozialer Kontakte. Die wissenschaftliche Beratergruppe für Notfälle (Sage) empfahl, in dieser Zeit zwischen strengen und weniger strengen Maßnahmen abzuwechseln, um die Ausbreitung des neuartigen Erregers zu unterbinden.
 
Zu den von Sage empfohlenen, unterschiedlich langen Maßnahmen gehören etwa Schulschließungen, die Isolierung von Haushalten und soziale Distanzierung schutzbedürftiger Gruppen und allgemeine soziale Distanzierung. Auf diese Weise soll auch eine Überlastung der Intensivstationen verhindert werden. Die Maßnahmen könnten England bis zum Jahresende oder gar ein ganzes Jahr begleiten.

Krankenhaus konnte nicht mehr alle Patienten aufnehmen

Am Freitag konnte erstmals ein Krankenhaus in London nicht mehr alle mit dem Coronavirus infizierten Patienten aufnehmen. Die Kapazitätsgrenze sei erreicht, teilte das Northwick Park Krankenhaus mit und bat benachbarte Kliniken dringend um Hilfe.
 
Premierminister Boris Johnson hatte am Donnerstag gesagt, dass Großbritannien bereits in drei Monaten das Schlimmste überstanden haben könnte - falls alle Empfehlungen befolgt werden würden. Problematisch ist vor allem, dass der staatliche Gesundheitsdienst NHS schon vor der Pandemie überlastet war. Im Land stehen nur etwa 4.000 Beatmungsgeräte für Erwachsene und 900 für Kinder zur Verfügung, die bei Covid-19-Lungenkranken eingesetzt werden könnten.
 
Ein Anästhesist berichtete am Freitag dem Nachrichtensender Sky News, dass sein Krankenhaus inzwischen einen Ansturm von schwerkranken Infizierten erlebe, die sich mit dem neuartigen Virus infiziert haben. Etwas Vergleichbares habe er noch nie erlebt. Es handle sich bei den Patienten keineswegs nur um Ältere. "Einer meiner Kollegen kümmert sich gerade um mehrere Patienten unter 40, alle sind an Beatmungsgeräte angeschlossen", berichtete der Mediziner weiter.

Großbritannien schließt Pubs und Kultureinrichtungen

In Engalnd werden zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie alle Pubs, Bars, Restaurants und Cafes geschlossen. Das hat Premierminister Boris Johnson am Freitag in London mitgeteilt. Auch Nachtclubs, Theater, Kinos, Freizeitzentren und Sportstudios dürften nicht mehr betrieben werden.
 
Das Verbot gelte bereits von diesem Freitagabend an. Bisher hatte Johnson nur empfohlen, diese Einrichtungen zu meiden.

London holt medizinisches Personal aus der Pension

In Großbritannien werden wegen der Coronavirus-Pandemie Zehntausende ehemalige Ärzte und Pflegekräfte aufgefordert, aus dem Ruhestand zurückzukehren. Das teilte der nationale Gesundheitsdienst NHS am Freitag mit. Dafür sollen allein in England und Wales mehr als 65.000 Menschen angeschrieben werden, die in den vergangenen drei Jahren ausgeschieden sind.
 
Auch Medizinstudenten und angehende Pflegekräfte, die kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung stehen, werden demnach für die "NHS Armee" rekrutiert. Der aus Steuergeldern finanzierte Gesundheitsdienst leidet seit Jahren an Sparmaßnahmen. Einem Bericht der Stiftung Health Foundation zufolge fehlen dem NHS mehr als 100.000 Mitarbeiter, darunter 44.000 Pflegerinnen und Pfleger. Der Brexit verschärfte das Problem zusätzlich. Zahlen des Nursing and Midwifery Council zufolge ging der Zustrom an Pflegekräften aus der EU zwischen 2017 und 2018 um 87 Prozent zurück. Mehrere Tausend NHS-Mitarbeiter vom Kontinent kehrten Großbritannien seit dem Brexit-Referendum 2016 den Rücken.
 
Auch bei der Zahl der Betten auf Intensivstationen steht Großbritannien im europäischen Vergleich schlecht da. Zahlen des NHS zufolge gibt es im ganzen Land gerade einmal rund 4.100 Intensivbetten, in Deutschland sind es 28.000.


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