»Wir wollen neuen Lockdown verhindern«

Hacker: "Wien baut die 2G-Regel weiter aus"

Peter Hacker
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Gesundheitsstadtrat Peter ­Hacker sagt im Interview mit ÖSTERREICH neue Corona-Spielregeln für Wien an.
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In Wien gibt es demnächst eine neue Corona-Regelung, die vor allem den Kulturbereich betrifft. Bei kleineren Events oder Aufführungen wird es die Möglichkeit geben, auf eine Maskenpflicht zu verzichten, wenn dafür die 2G-Regel (also geimpft oder im vergangenen halben Jahr genesen) als Eintrittsvoraussetzung etabliert wird.

Auch eine 2Gplus-Regel, also geimpft bzw. genesen plus getestet kann als Voraussetzung angezeigt werden. Dafür muss keine Maske getragen werden. Freilich bleibt auch möglich, dass man beim bisherigen Modus bleibt.

ÖSTERREICH: Wie beurteilen Sie die angekündigten Maßnahmen des Bundes für Ungeimpfte?

Peter Hacker: Wir sind zufrieden, dass die Bundesregierung endlich die Notwendigkeit für ernsthafte Maßnahmen erkennt. Unser Wiener Weg wurde von allen als richtig anerkannt – aber die derzeitige Entwicklung spricht hier ja auch wirklich für sich. Unser Bürgermeister hat betont, dass die Situation in den Spitälern besonders wichtig ist, aber Maßnahmen nur auf diese Kennzahl zu konzentrieren birgt die Gefahr, dass diese jeweils zu spät kommen. Daher haben wir uns mit einigen anderen Bundesländern für die Anwendung der Corona-­Ampel ausgesprochen. Dort würde eine ausgewogenere Risikobewertung Grundlage für die Maßnahmen sein.

ÖSTERREICH: Hat sich Wiens harter Corona-Kurs ausgezahlt und bleibt er?

Hacker: Es war ein Kurs der Ernsthaftigkeit. Natürlich hat sich das ausgezahlt. Wir waren verblüfft über Aussagen der letzten Wochen.

ÖSTERREICH: Ist die Pandemie also nicht vorbei?

Hacker: Überhaupt nicht. Es war doch immer klar, dass es im Herbst mit den Infektionen wieder steil bergauf gehen wird. Und dass die Impfung die zentrale Frage sein wird, die bei der schlechten Impfkultur in Österreich endlich Teil der Angebote der Krankenkasse werden muss.

ÖSTERREICH: Die E-Card ist dafür ideal. Gibt es da ein Datenschutzproblem?

Hacker: Ja. Wir hätten das ideale Instrument. Wir wollen ja als Stadt bei der Digitalisierung des E-Impfpasses ein Pilotprojekt machen. Impfen in Masse geht mit dem Papierdeckel von Impfpass aus dem 19. Jahrhundert nicht. Ich habe selbst vier Impfpässe daheim, weil ich ihn bei jeder Impfung vergesse. Aber die Anwenderfreundlichkeit des E-Impfpasses stößt noch auf Datenschutzprobleme – die muss der Bund aus dem Weg räumen.

ÖSTERREICH: Kommt eine Impfpflicht?

Hacker: Auch wenn mein Herz dafür schlägt, bin ich trotzdem gegen eine Impfpflicht. Bei der Verabreichung eines Medikaments muss der Staat zurückhaltend sein. Ein Satz zu den Impfgegnern: Ihnen geht es nicht um die persönliche Freiheit. Ihnen geht es um Egoismus. Auch sie haben ­eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft: Es hat mit Freiheit nichts zu tun, andere anzustecken und sich selbst zu gefährden.

ÖSTERREICH: Soll es Sanktionen geben, wenn sich jemand nicht impfen lässt?

Hacker: Die Freiwilligkeit des Impfens muss bleiben. Aber das heißt nicht, dass Verweigern keine Konsequenz hat. Wir werden die 2G-Regel ausbauen. Weil es keinen Grund gibt, Geimpften zu sagen: Es tut uns leid. Irgendwer wollte sich nicht impfen lassen, deshalb müssen wir alle bei strengeren Spielregeln bleiben. Manche Bundesländer sind außerdem schon in erschreckenden Dimensionen. Da muss man wieder einen Lockdown befürchten. Wir in Wien haben aber den Ehrgeiz zu sagen: Wir wollen keinen Lockdown mehr. Über 60 Prozent der Bevölkerung sind geimpft, nimmt man die Kinder heraus, sind wir bei über 70 Prozent. Warum soll ich diesen Menschen sagen: Tut uns leid, wir müssen wegen der Ungeimpften einen Lockdown machen. Das ist undenkbar. Wir sehen ja, dass die 2G-Regel in großen Theatern ohne Maske zu keinen Konsequenzen führte.

ÖSTERREICH: Was ist geplant?

Hacker: 2,5G mit Maskenpflicht wie derzeit finden viele kleinere Theater nicht so prickelnd. Wir werden jetzt auf Wunsch vieler Veranstalter ermöglichen, bei Events unter 500 Gästen auf die 2G-Regel zu switchen. Es kann bei der Anzeige an die Behörde 2G oder auch 2G plus (also wahlweise PCR-Test) festgelegt werden. Und dafür gibt es keine Maskenpflicht mehr. Das wird gemeldet und von der Behörde geprüft. Natürlich ist das auch in der Gastro je nach Infektionslage denkbar, dass nur noch die 2G-Regel gilt, bevor wir zusperren müssen.

ÖSTERREICH: Das soll auch am Christkindlmarkt und auf ­Bällen gelten.

Hacker: Wir schauen uns an, was der Bund im Detail verordnet und wie wir das für Wien adaptieren. Fix ist, dass wir all diese Veranstaltungen haben wollen – vom Konzert über den Ball bis zum Fußballspiel. Wir wollen etwa die Bälle auf jeden Fall durchführen – je nach Infektionslage mit 2G oder 2Gplus, also Impfung plus Test.

ÖSTERREICH: Beunruhigen Sie die Impfdurchbrüche?

Hacker: Die Zahl ist extrem gering und war ja keine Überraschung. In Prozenten steigt die Zahl nicht, das ist wichtig. Nach wie vor sind 9 von 10 auf der Intensivstation nicht geimpft.

ÖSTERREICH: Wie schlimm wird der Doppelpack aus Grippe und Corona?

Hacker: Ich fürchte Schlimmes. Aber ich habe heuer wieder 400.000 Grippeimpfungen geordert. Wir stiegen auf über 25 Prozent Impfquote. Die Impf-Bim war restlos ausgebucht. Wir müssen die Unkultur des Nicht-Impfens in der ­Gesellschaft durchbrechen.

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