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Lockerer Umgang mit Coronavirus-Risiko

Heimquarantäne: Keine Kontrollen, fehlende Daten

"Nein, niemand kontrolliert die Einhaltung der Heimquarantäne", bestätigt ein Sprecher des Wiener Magistrats auf Anfrage von oe24. Auch das Gesundheitsministerium muss Daten-Lücken zugeben.

Wer kontrolliert eigentlich, ob die Anordung zur Corona-Heimquarantäne von Erkrankten tatsächlich eingehalten wird? Die Antwort ist - zumindest für Wien - einfach: niemand.  Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) verwies jetzt bei einer konkreten Anfrage von oe24 zu den Kontrollen auf die Zuständigkeit der Länder: "Für die Umsetzung von Containment 2.0 sind die Länder zuständig. Dazu zählt auch das Kontaktpersonenmanagement inklusive Quarantänemaßnahmen."

Israel kontrolliert, Österreich nicht

Aus dem Wiener Magistrat wird oe24 bestätigt, dass es bisher keine einzige Kontrolle von Heimquarantäne-Fällen gegeben hat: "Natürlich schicken wir nicht die Polizei zu den Personen, die in Heimquarantäne bleiben müssen. Unsere Expertenteams stehen aber mit den Erkrankten über Telefon oder über die App täglich in Verbindung." Fazit: Der amtliche Bescheid, 14 Tage in Heimquarantäne bleiben zu müssen, ist nicht wirklich eine Garantie, dass Erkrankte nicht doch auf Österreichs Straßen, sowie in den Büros und in den Shops Viren verteilen - und so andere Menschen anstecken. In Israel ist das anders: Die verordnete Heimquarantäne wird auch von der Exekutive kontrolliert.

Keine Gesamtzahl zu Heimquarantäne

Wieviele Österreicher die Heimquarantäne seit 26. Februar daheim aussitzen mussten, kann das Gesundheitsministerium nicht mitteilen - es fehlt eine Gesamtstatistik. Dazu sagt Gesundheitsminister Anschober: "Quarantänefälle, die Monate zurückliegen, sind dabei nicht die vorrangigen Fälle für unsere Arbeit, aus diesem Grund wird keine Gesamtstatistik geführt, weil sie keinen gesundheitspolitischen Mehrwert hätte." Bekannt ist jedoch der aktuelle Stand: Am 11. Mai befanden sich aktuell 873 Personen in häuslicher Pflege aufgrund eines positiven Testergebnisses, ein Fünftel dieser Erkrankten wird in Alten- und Pflegeheimen betreut.

Was offenbar zu kompliziert für das Gesudnheitsministerium ist, liefert die Stadt Wien auf Knopfdruck: 8700 Personen Heimquarantäne-Bescheide wurden seit Februar ausgestellt. Addieren jetzt die Corona-Statistiker des Ministeriums dazu auch die Zahlen der anderen acht Bundesländer, hätten sie relativ einfach eine Gesamtzahl . . .

Sollte auch nach den für 15. Juni geplanten Grenzöffnungen weiterhin jede konsequente Kontrolle der Einhaltung einer verordneten Heimquarantäne fehlen, sind plötzlich stark ansteigende Infektionszahlen und weitere Todesopfer nicht auszuschließen.



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