Der Gesundheitsminister im Interview
Mückstein: "Comeback des einfachen MNS-Schutz"
Gesundheitsminister Mückstein über weitere Öffnungsschritte.
ÖSTERREICH: Sie sind 32 Tage im Amt – was war die größte Überraschung als Minister?
WOLFGANG MÜCKSTEIN: Von außen sieht es oft so aus als würde die Politik nur aus tief fliegenden Hackln bestehen. Ich war überrascht, dass dem nicht so ist und wie viel man weiterbekommt, wenn man gut zusammenarbeitet.
ÖSTERREICH: Sie haben gesagt, die Gesundheit der Menschen geht allem vor – und haben Öffnungen zugestimmt. Wie passt das zusammen?
MÜCKSTEIN: Das ist richtig, die Gesundheit der Menschen geht allem vor. Daran hat sich nichts geändert. Unser wichtigstes Ziel muss es weiterhin sein, die Intensivkapazitäten sicherzustellen, dadurch Leben zu retten. Das habe ich permanent vor Augen, aber wir müssen auch auf die positiven Entwicklungen angemessen reagieren. Und die sehen in der Woche der Öffnungen so aus: Mehr als drei Millionen Menschen haben bereits den Erststich erhalten und die 7-Tages-Inzidenz ist derzeit gut.
ÖSTERREICH: Sind die Zahlen schon gut genug, um zu öffnen? Der Kanzler möchte ja sogar noch weiter gehen…
MÜCKSTEIN: Im Moment geben die Zahlen diese Öffnung her. Mir ist aber wichtig zu betonen, dass es nach wie vor klare Regeln gibt und die Sicherheitsmaßnahmen in allen Bereichen weiter konsequent eingehalten werden müssen. Wir haben uns diese Öffnungen gemeinsam erarbeitet und wir können sie auch nur durch eine gemeinsame Anstrengung aufrechterhalten. Alles was diesen Erfolg durch ein zu rasches Öffnen gefährdet, wird es mit mir nicht geben.
ÖSTERREICH: Schon nächste Woche will die Regierung noch mehr Lockerungen beraten, etwa bei Hochzeiten.
MÜCKSTEIN: Ich kann gut verstehen, dass sich die Menschen bei diesem Thema Planungssicherheit wünschen. Auch wir müssen planen, das geht nur auf Basis von Prognosedaten. Wir haben am Mittwoch geöffnet und bewerten täglich mit den aktuellen Modellrechnungen neu. Wir sind dabei, uns diese Frage für den Sommer anzuschauen.
ÖSTERREICH: Auch die FFP2-Masken-Pflicht ist Thema. Was sind da möglich?
MÜCKSTEIN: Die Maske wird uns über den nächsten Winter begleiten – auf jeden Fall dort, wo die „3G“-Regel nicht gilt, also zb. im Handel. Über ein Aus für Masken Outdoor können wir reden. Wir werden uns das mit einem strengen Blick auf die ersten Entwicklungen nach den Öffnungen genau anschauen. Ich glaube aber, dass wir von Masken im Freien weitgehend abrücken können.
ÖSTERREICH: Können wir zumindest teilweise zum etwas bequemeren Mund-Nasen-Schutz zurückkehren?
MÜCKSTEIN: Für die allgemeine Bevölkerung wieder auf den Mund-Nasen-Schutz zurückzugehen ist jedenfalls etwas, was wir uns bald überlegen werden. In manchen Bereichen im Gesundheitswesen wird die FFP2-Maske sicher Thema bleiben.
ÖSTERREICH: Sie haben jetzt bei den Hausärzten alle Altersgruppen freigeschaltet. Wann werden alle die es wollen, ihren 1. Stich haben
MÜCKSTEIN: Noch im Juni wird es so sein, dass wir mehr Impfstoff im Land haben als Impfwillige. Pro Woche treffen 400.000 bis 500.000 Dosen in Österreich ein und bis Schulbeginn, das ist das Ziel, können wir – nachdem jetzt die Zulassung kommt – auch alle 12- bis 15-Jährigen, die das wollen, durchimpfen.
ÖSTERREICH: Reicht das, wenn sich – wie Umfragen zeigen - etwas mehr als 60 % Impfen lassen?
MÜCKSTEIN: Natürlich wären mir mehr als nur 60 % Durchimpfungsrate lieber. Je mehr Leute sich für eine Impfung entscheiden, desto sicherer sind wir alle und desto eher können wir in unser altes Leben
zurückkehren. Aber wir wissen aus der Erfahrung von Ländern wie Israel oder Großbritannien, dass bereits bei einer Durchimpfung von etwa 40 % breite Öffnungen vertretbar sind.
ÖSTERREICH: Sie wollen ihre Töchter so bald als möglich selbst impfen. Finden die beiden das gut?
MÜCKSTEIN: Meine Töchter sind 15 und 12 Jahre alt. Ich habe mit ihnen klarer Weise schon oft über das Thema gesprochen und ich weiß, dass sie sich bereits auf die Impfung freuen.
ÖSTERREICH: Hatten Sie Zeit, sich ministermäßig einzukleiden nach Lockdown – eventuell nicht mit Turnschuhen?
MÜCKSTEIN: Zeit zum Shoppen hatte ich keine. Brauchte ich auch nicht, bin zufrieden mit meiner Garderobe. (gü)
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