Experten schlagen Alarm: In Tirol sind 1.800 Infektionen mit der Virus-Mutation E484K aufgetaucht. Das ist so viel wie nirgendwo sonst auf der Welt.
Kurz stand Tirol bei der Inzidenz als Musterschüler da. Und mit dem fast vollständig durchgeimpften Bezirk Schwaz konnte man österreichweit überdies einen erfreulichen Spitzenplatz vorweisen.
Das hat sich schlagartig geändert und Experten sehen darin eine beunruhigende Entwicklung.
Inzidenz von über 220
Mit einer Inzidenz von 220 lag Tirol nun wieder auf Platz eins der unrühmlichen Hitliste. Auch in Schwaz begannen die Infektionszahlen wieder zu steigen. Die Inzidenz verdoppelte sich hier von 50 auf 100. Der Auslöser: E484K, eine Zusatz-Mutation der britischen Virus-Variante B.1.1.7. Wissenschaftlich erklärt sich der Name so: An der 484. Stelle des Spikeproteins Glutaminsäure (E) wird diese durch Lycon (K) ersetzt.
Die große Gefahr: Impfstoffe erweisen sich als wirkungslos
Andreas Bergthaler, Virologe der Akademie der Wissenschaften, gegenüber dem INSIDER: „Es gibt Anhaltspunkte, dass Impfserien diese neue Variante weniger gut neutralisieren.“ Und im Extremfall fast gar nichts mehr ausrichten. Bergthaler: „Es kann möglich sein, dass Personen mit einer niedrigeren Zahl von Antikörpern Gefahr laufen, noch einmal infiziert zu werden, obwohl sie bereits geimpft sind oder eine Infektion durchlaufen haben.“ Und E484K soll um 77 Prozent ansteckender als das herkömmliche Virus sein.
Warum genau Tirol?
1.800 Fälle einer Infektion mit E484K wurden in der Vorwoche in Tirol nachgewiesen: der weltweit höchste Wert. Aber warum gerade wieder Tirol? Bergthaler: „Es könnte sein, dass es sich wirklich um eine neue, in Österreich entstandene Variante handelt.“ Obwohl die Mutation auch bereits in Großbritannien und den USA aufgetaucht ist.
Es könnte auch einfach Pech sein, sagen Experten. Andererseits könne es mit der geografischen Lage, der hohen regionalen Mobilität oder der bereits recht hohen Durchseuchungsrate zusammenhängen. Woher auch der Begriff Flucht-Mutante rührt.H. Brodnig