Arianna Scialpi

Italien im Coronavirus-Krieg

Pflegerin schildert Horror: ''Spitäler sind am Rande des Kollaps''

Über 4.000 Menschen starben in Italien bereits am Coronavirus. Die Krankenhäuser sind heillos überfüllt und die Ärzte und Pfleger am Rande des Zusammenbruchs.

Die Zahl der Coronavirus-Todesopfer und der Infizierten in Italien ist wieder sprunghaft angestiegen. 627 Todesopfer mehr als am Vortag wurden am Freitag in Italien gemeldet - ein Rekordzuwachs seit Beginn der Epidemie. Die Zahl der Todesopfer stieg damit auf 4.032 Personen, teilte der Zivilschutz in Rom mit.

Die Spitäler sind heillos überfüllt und das Personal am Ende. Wie strapazierend der Job in den Krankenhäusern ist, erzählt Arianna Scialpi. Sie ist Krankenschwester in Parma in der Region Emilia-Romagna. "Man sieht Entsetzliches. Die Krankenhäuser sind mittlerweile am Rande des Kollaps. Wir Pfleger sind kurz vor dem Kollaps", sagt sie sichtlich gezeichnet. " Wir machen es mit großer moralischer Verantwortung. Es gibt so viel Zusammenarbeit, große menschliche und professionelle Anstrengung aller Beteiligten. Man arbeitet wirklich gut, viel, um zu versuchen, dieser furchtbaren Zeit zu entkommen", sagt sie weiter.

"DIe Krankenpfleger sind müde, sind erschöpft - sei es seelisch als auch körperlich. Man sieht junge Menschen, denen es schlecht geht. Es sind Ältere, aber nicht nur. Man sieht Menschen, die mit dieser Krankheit, alleine sind, in Einsamkeit. Ohne jemanden aus der Familie bei sich zu haben. Da sind wir, die Ärzte oder Pflegekräfte. Man sieht auch leider Menschen sterben. Und diese Menschen sind gezwungen alleine zu sterben. Man kann keinen Verwandten fragen, bei ihnen zu sein", so Arianna. 

"Was ich sagen kann, ist, die Regeln zu respektieren - vor allem die Vorsichtsmaßnahmen: dass man zu Hause bleibt, Menschenansammlungen meiden. Abendessen, Feiern - das alles könnte nicht nur uns schaden, sondern vor allem denen, die wir lieben", appelliert die Italienerin.

Unfassbare Zustände in Bergamo

Besonders heftig geht es im von Parma 160 Kilometer entfernten Bergamo zu. Keine italienische Stadt ist so stark vom Coronavirus betroffen. Die Zahl der Toten ist so hoch, dass der städtische Friedhof überfüllt ist, die Bestattungsunternehmen sind überlastet. Zusätzliche Militär-Lkw erreichten am Samstag den kommunalen Friedhof, um die Särge zu den Krematorien anderer Regionen zu bringen, berichteten lokale Medien.

Seit Tagen sind die Lagerkapazität der Leichenhalle in Bergamo ausgeschöpft. Dies gilt auch für den einzigen Krematoriumsofen der lombardischen Stadt, welcher derzeit 24 Stunden durchgehend läuft. Sowohl der Friedhof, als auch Bestattungsinstitute sind seit längerem nicht mehr aufnahmefähig.

Allein am Freitag wurden 88 Todesopfer in Bergamo gemeldet, seit Beginn der Epidemie beklagte die 120.000-Einwohner-Stadt bereits über 500 Tote. Die Zahl der Infizierten in Bergamo und Umgebung ist auf 5.154 gestiegen. Die Gegend um die Stadt ist eine der weltweit am stärksten von Covid-19 betroffenen Gebiete.

"Leider sehen wir immer noch kein Licht am Ende des Tunnels. Ich hoffe, dass sich in den nächsten Tagen die Lage bessert", kommentierte der Bürgermeister Giorgio Gori die Lage. Soldaten sind bei der Errichtung eines Feldkrankenhauses auf dem Messegelände Bergamos im Einsatz. Hier sollen Plätze für 300 Covid-Kranke entstehen, davon 100 auf der Intensivstation.

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier drückte indes seinem italienischen Amtskollegen Sergio Mattarella sein Mitgefühl aus. "In unserem Land steuern wir auch auf schwierige Zeiten zu. Zugleich beobachten wir mit großer Anteilnahme die dramatischen Bedingungen unserer italienischer Nachbarn", schrieb Steinmeier. Er drückte die Solidarität und Anteilnahme Deutschlands in dieser schwierigen Zeit aus.
 



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