Coronavirus Italien

Coronavirus-Krise

Supermarkt geplündert: Angst vor Revolten in Italien

Der Geheimdienst warnt vor sozialen Unruhen.

Rom. Die italienische Innenministerin Luciana Lamorgese hat sich wegen der Gefahr sozialer Revolten infolge der Coronavirus-Krise besorgt gezeigt. "Die Bürger haben primäre Bedürfnisse, für die der Staat aufkommen muss, und wir tun unser Bestes", sagte die Ministerin im Interview mit dem Sender Sky Tg24.

Die Regierung habe elf Milliarden Euro für Arbeitnehmer auf Kurzarbeit locker gemacht. "Ich hoffe, dass diese Ressourcen so bald wie möglich eintreffen", sagte Lamorgese. Es gebe jedoch auch viele Italiener ohne festes Einkommen, die unter der jetzigen Lage besonders stark leiden würden.

Die Innenministerin betonte, dass Solidarität mit Menschen in Schwierigkeiten eine Notwendigkeit sei. Der Staat werde jedoch streng gegen illegales Verhalten mit Auswirkungen auf die öffentliche Sicherheit vorgehen. "Wir werden mit Strenge vorgehen, auch wenn wir Verständnis für die schwierige Lage haben", sagte Lamorgese in Bezug auf Berichte über Bürger, die in Palermo einen Supermarkt gestürmt hatten.

In Italien mehren sich Familien, die sich an das katholische Hilfswerk Caritas für Lebensmittel wenden. In Mailand sei in der vorigen Woche die Zahl der Familien, die um Lebensmittel gebeten haben, um 30 Prozent angestiegen, teilte die Caritas mit. Sie bat um Spenden von Lebensmitteln und Geld.

Angriff auf Supermarkt

In Süditalien wächst die Sorge, dass wegen der restriktiven Maßnahmen zur Eingrenzung der Coronavirus-Pandemie soziale Revolten ausbrechen könnten. Für Aufsehen sorgte eine Gruppe von Personen, die in Palermo einen Supermarkt bestürmten und mit Waren flüchteten. Die Polizei musste eingreifen.
 
Der Bürgermeister von Palermo Leoluca Orlando sprach von organisierten Gruppen, die im Internet zu gewalttätigen Aktionen aufriefen. Die Stadt sei auf der Seite bedürftiger Bürger, die Lebensmittel benötigten. Allein in Palermo seien 2.500 Hilfeappelle bedürftiger Menschen ohne Lebensmittel eingetroffen.
 
Der Minister für Süditalien, Giuseppe Provenzano, warnte, dass der wirtschaftlich benachteiligte Süden Italiens zu einem "sozialen Pulverfass" werden könnte, sollte die Ausgangssperre und der Produktionsstopp noch länger dauern. "Diese Krise hat in einer Zeit begonnen, in der es bereits tiefe Unterschiede zwischen Regionen im Land gibt", sagte der Minister im Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica" (Samstagsausgabe).
 
Das italienische Innenministerium warnte vor der Gefahr, dass Liquiditätsprobleme Unternehmen in Süditalien bewegen könnten, sich bei der Mafia Geld zu besorgen. Das Risiko sei, dass das organisierte Verbrechen den Coronavirus-Notstand nutze, um tiefer in die wirtschaftliche Struktur des Südens einzudringen, warnten die Anti-Mafia-Experten des Innenministeriums.
 
Der sizilianische Regionalparlamentarier, Claudio Fava, warnte davor, süditalienische Bürgermeister allein im Umgang mit einer akuten sozialen Krise zu lassen. "Die Gefahr ist, dass die Mafia die Situation und ihre Geldliquidität ausnutzt, um mit Wucher und Korruption immer mehr die Kontrolle zu übernehmen", sagte Fava laut Medienangaben.


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