Bahnbrechende Erkenntnis zur Corona-Impfung

Dank Digitalisierung herausgefunden

Bahnbrechende Erkenntnis zur Corona-Impfung

Digitalisierte Datenbanken ermöglichten Risikoabschätzung bei bestimmten Personen. 

In der Corona-Pandemie wurde besonders deutlich, dass Österreichs Gesundheitssystem bei der Digitalisierung massiv hinterherhinkt. Der Mangel an schnellverfügbaren ordentlich aufbereiteten Daten hat uns nicht nur in der Impfkampagne zurückgeworfen, sondern macht es für die Entscheidungsträger auch schwer, schnell die richtigen Maßnahmen zu setzen. Doch zum Glück gibt es auch Länder deren Gesundheitssystem schon länger digitalisiert ist. Und das sorgt nun dafür, dass es in Bezug auf die Corona-Impfung eine ziemlich bahnbrechende neue Erkenntnis gibt.

Polypharmazie: Risikofaktor bei COVID-19?

Konkret geht es dabei um Polypharmazie als Risikofaktor bei COVID-19. Mit Polypharmazie bezeichnet man die Behandlung mit fünf oder mehr Medikationen zur gleichen Zeit. Dass Menschen so viele Medikamente nehmen müssen, komme besonders bei älteren Erwachsenen vor und bei Menschen mit mehreren, meist chronischen Erkrankungen. Damit einhergehend sei auch ein erhöhtes Risiko für schlechtere Verläufe bei verschiedenen akuten Erkrankungen bekannt. Welchen Einfluss die Polypharmazie auf COVID-19-Verläufe hat, war bislang nicht klar. Deshalb war auch nicht geklärt, ob solche Patienten gegen das Coronavirus geimpft werden sollen. Doch das hat sich nun geändert.

Review aus wissenschaftlichen Datenbanken

Wie das Deutsche GesundheitsPortal (DGP) berichtet, fassten Forscher in einem systematischen Review nun die Forschung zum Zusammenhang zwischen Polypharmazie, speziellen Medikamentenklassen und dem klinischen Verlauf bei Patienten mit COVID-19 zusammen. Dabei spielte die Digitalisierung eine enorm wichtige Rolle. Denn die Wissenschaftler durchsuchten dafür die medizin-wissenschaftlichen Datenbanken Embase, Medline, Cochrane, Scopus, Google Scholar, clinicaltrials.gov, LITCOVID, PubMed, PubMed Central (PMC) und die nationale Wissensinfrastruktur Chinas nach Studien zu Polypharmazie bei COVID-19-Patienten. Dabei wurden Studien mit Veröffentlichungsdatum zwischen November 2019 und September 2020 berücksichtigt.

Umfangreiche Datenbasis

Laut dem Bericht konnten aus 1.502 Publikationen sieben Artikel in die Analyse eingeschlossen werden. Insgesamt umfassten die Studien 474.342 Personen, von denen 10.519 Patienten mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert waren. 4.818 dieser Patienten wurden mit mindestens fünf Medikamenten behandelt, gehörten also in die Polypharmazie-Gruppe. Fünf Studien betrachteten ausschließlich infizierte Personen. In fünf von sieben Studien zeigte sich eine Assoziation zwischen Polypharmazie und nachteiligen klinischen Verläufen von COVID-19. Die Mehrfachmedikation, teils mit mehr als 10 Medikamenten, war mit Aspekten wie der Zunahme des relativen Risikos einer Infektion mit SARS-CoV-2 bzw. Erkrankung mit COVID-19, erhöhte Rate akuter Nierenschäden oder unerwünschte Reaktionen auf die medikamentöse Behandlung assoziiert.

Erkenntnisse

Generell waren Behandlungen mit anticholinergischen Eigenschaften, sedativem Effekt, respiratorischer Depression und manche Medikationen mit Wirkung auf den gastrointestinalen Trakt mit einem höheren Risiko bei COVID-19 assoziiert. Der systematische Review zeigte zudem, dass Antipsychotika, Protonenpumpen-Hemmer, Antihistamine und Opioide stärker mit schlechteren Verläufen von COVID-19 assoziiert waren. Die Analyse beruhe allerdings lediglich auf Beobachtungsstudien, so das Deutsche Gesundheitsportal. Zudem sei nicht klar, ob die Medikamente oder vielmehr die Erkrankungen, aufgrund derer die Behandlung erfolgte, zu den schwereren Verläufen führten. Auch zeigten die Daten nur einen Zusammenhang, keine ursächliche Verbindung auf – die tatsächliche Ursache für die unterschiedlichen COVID-19-Verläufe sei also nicht bekannt.

Impfung bei Polypharmazie wichtig

Polypharmazie und spezielle Medikamentenklassen sind laut dem systematischen Review somit mit einem erhöhten Risiko bei Coronavirus-Infektionen assoziiert. Entsprechend seien Schutzmaßnahmen, beispielsweise die Impfung, besonders für Personen, die mit mehreren Medikamenten behandelt werden müssen, wichtig, so das Fazit des DGP.

Externer Link

Deutsches GsundheitsPortal (DGP)



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