Handy so schädlich wie volle Bierkiste am Nacken

Enormer Druck auf Wirbelsäule

Handy so schädlich wie volle Bierkiste am Nacken

Wiener Top-Medizinerin warnt vor zu intensiver Nutzung - Bandscheibenverschleiß droht.

In den letzten Jahren sind bereits mehrere neue Krankheitsbilder aufgetaucht, die der intensiven Smartphone-Nutzung geschuldet sind (z.B.: iPhone-Schulter, WhatsAppitis, Handy-Daumen, etc.). Nun wird vor einer weiteren Gefahr namens "Handynacken-Syndrom" gewarnt. Laut dieser gefährdet die intensive Handynutzung auch die Halswirbelsäule. Das liegt vor allem daran, dass die mobilen Alleskönner kaum noch zum Telefonieren da sind; besonders Jugendliche nutzen sie häufig fürs Texten oder sehen Filme darauf. Diese Verwendung des Smartphones abseits des Telefonierens habe aber negative Auswirkungen auf die Körperhaltung und somit den gesamten Bewegungsapparat, warnt Dr. Ingrid Heiller, Vorständin des Instituts für Physikalische Medizin und Orthopädische Rehabilitation im Orthopädischen Spital Speising in Wien.

Bandscheibenverschleiß droht

Mit der langen Handynutzung geht leider eine sehr ungünstige Körperhaltung einher: Das Handy liegt in der Hand, und der Kopf wird nach vorne übergebeugt. Wir nennen dies ‚Anteflexionshaltung‘. Diese Haltung führt dazu, dass im Nackenbereich die Sehnen überlastet werden – auch die Bandscheiben der Halswirbelsäule bekommen einen großen Druck ab“, erklärt Heiller. Im äußersten Fall kann dies mit der Zeit zu einem Bandscheibenverschleiß  führen. 
 
© Orthopädisches Spital Speising / Herrmann
Oft gesehen, aber nicht korrekt: Die Anteflexionshaltung (Kopf um 45 Grad nach vor geneigt).
 

Druck so stark wie voll Bierkiste am Nacken

Die Expertin rechnet anhand eines ungewöhnlichen aber einprägsamen Beispiels vor: Bei einer Vorbeugung des Kopfes um 45 Grad, wie dies beim Handynutzen häufig der Fall ist - siehe Storybild -, wirkt eine Kraft von rund 200 Newton auf die Bandscheiben, „das ist so, als hätte man eine 20 Kilogramm schwere Bierkiste auf dem Nacken stehen“. Weniger –  aber doch auch –  belastend ist das Vorbeugen des Kopfes um 15 Grad. Dies erzeugt immerhin einen Druck von rund 120 Newton; das entspricht 12 Kilogramm, die man mit dem Nacken stemmen würde.

© Orthopädisches Spital Speising / Herrmann
Beste Variante bei der Handy-Nutzung: Mit den Ellenbögen am Tisch abstützen.

Alternativen

Vor allem ein lang andauerndes, monotones Verharren in dieser Position sei kritisch zu sehen, sagt die Bewegungsexpertin – und empfiehlt, Pausen einzulegen und in eine ergonomische Haltung zu wechseln. Alternativ wäre zu raten, das Handy in Augenhöhe zu halten. Dies gehe am besten beim Sitzen mit am Tisch abgestützten Ellenbogen. Auch die so genannte Kutscherhaltung sei empfehlenswert. Eine weitere Alternative sei, sich an einer Rückenlehne anzulehnen bzw. liegend das Smartphone zu nutzen. Ein wichtiger Aspekt sind Ausgleichsbewegungen. „Schauen Sie immer wieder dazwischen in die Ferne“, empfiehlt Ingrid Heiller, „und führen Sie auch die ‚Chin-In‘, also eine Kinn-zum-Kehlkopf-Bewegung, durch. Das lockert die Nacken-und Schultergürtelmuskulatur“.

© Orthopädisches Spital Speising / Herrmann
Eine ergonomische Alternative ist auch diese „Kutscherhaltung“.

Symptome Bekämpfen

Sollte das Handynacken-Syndrom wirklich vollends eingeschlagen haben, helfen aktive Übungen. „Dazu zählt jegliche Bewegung, bis hin zu moderatem Sport wie Schwimmen, Walken, Yoga und Pilates; und vor allem ein rückenstabilisierendes Training.  Ganz rasch helfen Wärmepackungen gegen die verspannte Muskulatur, einige Anwender schwören jedoch eher auf Coolpacks gegen den Spannungsschmerz. Sind schon chronische Verspannungen vorhanden, helfen TCM-Ansätze ebenso wie Triggerpunktmassagen“, so der Tipp der Expertin.

© Orthopädisches Spital Speising / Wilke
Dr. Ingrid Heiller

Wie wäre es mit ausschalten?

Was freilich ebenso hilft und viele nicht zu wissen scheinen: Smartphones haben auch einen Ausschaltknopf.

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