Yahoo-Hacker offenbar ausgeforscht

Mega-Datenklau

Yahoo-Hacker offenbar ausgeforscht

US-Justiz klagt in dem brisanten Fall russische Computer-Spezialisten an.

Nach den gigantischen Hackerangriffen auf Yahoo klagen die USA zwei russische Geheimdienstoffiziere an. Das gab das Justizministerium am Mittwoch bekannt. Die beiden sollen zwei bekannte Hacker beauftragt haben, sie wurden ebenfalls angeklagt.

Seinerzeit waren die Angreifer nach Angaben von Yahoo an Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Geburtstage und unkenntlich gemachte Passwörter gekommen, aber angeblich nicht an Bezahldaten. Das Justizministerium erklärte, die Hacker hätten sich mit den Yahoo-Daten auch Zugang zu Konten von Google und anderen Anbietern verschafft.

Daten von über einer Milliarde Nutzer geklaut

Es war einer der bisher größten Datendiebstähle. Die Hacker hatten 2013 persönliche Daten von mehr als einer Milliarde Nutzer gestohlen. Yahoo hatte hinter dem Angriff einen staatlichen Auftraggeber vermutet. Die beiden Russen waren den Angaben vom Mittwoch zufolge Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienst FSB, also des größten und wichtigsten Geheimdienstes Russlands.

Die Anklage fällt in eine Zeit komplizierter russisch-amerikanischer Beziehungen. Aus den USA wird Moskau verschiedener Cyber-Vergehen bezichtigt, unter anderem einer Beeinflussung der Präsidentenwahl 2016 und eines Hackings des Servers der US-Demokraten. Russland weist das zurück.

Ein Hacker sitzt bereits in Haft

Das Justizministerium erklärte, die russischen Agenten hätten zwei bekannte Hacker beauftragt, angeleitet und dafür bezahlt, im Rahmen ihres Datenraubzuges bei Yahoo Informationen über amerikanische Regierungsmitarbeiter zu sammeln. Die Agenten seien 43 und 33 Jahre alt, die beiden Hacker 29 und 22. Lediglich einer von ihnen ist in Haft: Der 22-Jährige wurde am Dienstag in Kanada festgenommen.

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Drei Angeklagte werden noch gesucht. (c) Reuters

"Dass zwei FSB-Offiziere in die Regie dieses Vergehens verwickelt sind, die selber auch Verantwortlichkeiten in der Strafverfolgung haben, macht es umso unerhörter", sagte die amtierende stellvertretende Chefanklägerin Mary McCord. "Es gibt für staatlich unterstütztes kriminelles Verhalten keinen Freibrief."

In Moskau sagte Präsidentensprecher Dmitri Peskow, der Kreml habe keine Kenntnis zu den angeblichen Yahoo-Hackern. "Das ist eine Frage an unsere Sicherheitsbehörden. Wir verfügen über keinerlei Informationen", sagte er der Agentur Tass zufolge.

Niedrigerer Verkaufspreis und mehrere Ermittlungen

Nach Bekanntwerden der Hackerangriffe war der Verkauf des Kerngeschäfts des Internetunternehmens an den US-Telekommunikationsriesen Verizon verschoben worden. Verizon bekam letztlich einen Rabatt von 350 Millionen Dollar (330 Millionen Euro) auf den Kaufpreis und kann das Kerngeschäft nun bis Ende Juni für 4,48 Milliarden Dollar übernehmen.

Gegen den Internetriesen laufen mehrere Ermittlungen zum Umgang mit den Hackerangriffen. Auch mehrere Sammelklagen von Nutzern und Investoren laufen. Yahoo-Chefin Marissa Mayer verzichtete wegen der Cyberattacken auf ihren Jahresbonus.

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