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Auftragsmord in Gerasdorf

Tschetschenen-Mord: Opfer stand auf Todesliste

Schon lange wurde ein Anschlag befürchtet: Ein Tsche­tschene starb im Kugelhagel.

„Das konnte nicht lange gut gehen“, sagte ein Mitglied der tschetschenischen Community und meinte die Hinrichtung seines Landsmanns Mamikhan U. (43) am Samstagabend auf einem Parkplatz nahe der B 7 bei Gerasdorf – ÖSTERREICH berichtete.

Das 43-jährige Mordopfer, das mit mehreren Schüssen getötet wurde, galt seit Langem als höchst gefährdet. Vor allem seine jüngsten 29 Videos auf Youtube, in denen er seit April den tschetschenischen Regionalpräsidenten Ramsan Kadyrow aufs Schärfste kritisierte, ließen bei den Sicherheitsbehörden die Alarmglocken schrillen. Kritische Exil-Tschetschenen wurden schon häufiger Opfer von Vergeltungsmorden, die in Grosny befohlen worden sein sollen.

Opfer war selbst
 zwielichtige Figur

Angebotenen Polizeischutz aber lehnte Mamikhan U., der als „Anzor von Wien“ bekannt geworden und zuletzt unter dem Decknamen Martin B. aktiv war, jedoch ab. Als durchsickerte, dass auf ihn sogar ein Kopfgeld ausgesetzt worden war, soll der Ex-Polizist Bekannte nach einer schusssicheren Weste gefragt haben.

Vieles spricht demnach für einen politisch motivierten Auftragsmord an dem dreifachen Familienvater. Doch der 43-Jährige war selbst eine schillernde Figur mit krimineller Vergangenheit. Mehrfach vorbestraft wegen Schlepperei, falscher Zeugenaussage, Vortäuschung einer Straftat. Erst im Herbst soll er aus der Haft entlassen worden sein. Das Motiv könnte demnach auch im Milieu des Tschetschenen zu suchen sein.

© Viyana Manset Haber; Youtube

Polizeilich bekannt ist auch der mutmaßliche Mörder, ein 47-Jähriger aus Ansfelden (Linz-Land). Nach einer spektakulären Flucht mit seinem silbernen Audi war er noch in der Nacht auf Sonntag von Cobra-Beamten in Linz gefasst worden.

Verdächtige schweigen. Bislang schweigt er zu den Vorwürfen. Ebenso wie der ­zweite Festgenommene, ein 37-Jähriger, der ebenfalls aus Tschetschenien stammt. Er galt erst als Zeuge, jetzt als Beschuldigter.

© Getty Images
Präsident Ramsan Kadyrow verfolgt politische Gegner gnadenlos

Kadyrow schickte schon einmal Killer nach Österreich

Tschetschenen-Präsident Ramsan Kadyrow gilt als blutrünstiger Diktator, regiert die Kaukasus-Republik mit eiserner Hand: Gegner werden verfolgt, notfalls liquidiert. Elf Kritiker soll der 43-Jährige seit 2007 durch Killer-Kommandos eliminiert haben.

2009 schickte er seine Schergen auch nach Wien. In Floridsdorf wurde Umar Israilow auf offener Straße hingerichtet.Der 27-Jährige war ein früherer Leibwächter Kadyrows, flüchtete jedoch über Polen nach Österreich, wo er zum entschiedenen Gegner des Präsidenten wurde. Drei mutmaßliche Mittäter, darunter ein enger Vertrauter Kadyrows, sind für den Mord verurteilt worden. Dem Todesschützen gelang die Flucht. Er wurde in Tschetschenien wie ein Held gefeiert.

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