Wildester Scorseses-Film

Leonardo DiCaprio als Wolf der Wall Sreet

DiCaprio zeichnet bizarren Lebensstil eines skrupellosen Börsenmaklers nach.

Zwergenweitwerfen, Nutten-Zirkus und Büro-Orgien: Der einstige Lebensstil des Wertpapierbetrügers Jordan Belfort ist zu hanebüchen, um ihn zu erfinden. Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio bringen die wahre Geschichte mit „The Wolf of Wall Street“ auf die Leinwand und zeichnen in ihrer fünften Zusammenarbeit ein verstörendes Sittengemälde einer von Gier regierten Gesellschaft. Ab 17. Jänner im Kino.

Hier der Trailer zum Film



Wenn Geld die Welt regiert

"Geld macht dich zu einem besseren Menschen" ist das Fazit der heutigen Motivationsansprache im Maklerbüro Stratton Oakmont. Wie ein Sekten-Guru steht Wall-Street-Broker Jordan Belfort (DiCaprio) vor seiner Mannschaft, seiner "Wolfsmeute", und lässt sich feiern. Mit kleinen, schmutzigen Deals hat sein "amerikanischer Traum" in den späten 1980er Jahren seinen Anfang genommen. Ein paar Jahre später zockt er durch noch so winzige Schlupflöcher in US-Wertpapiergesetzen Anleger mit windigen Spekulationsgeschäften ab, betreibt Korruption im höchsten Stil, wird als Überflieger mit extravagantem Lebensstil zum "Wolf of Wall Street" hochstilisiert und gerät in einen Strudel aus Drogen, Prostituierten und Millionensummen. Bis ein FBI-Agent auf der Luxus-Yacht vorbeischaut.


Von Verrat, Habgier und Selbstüberschätzung
Wie die unermessliche Habgier und Selbstüberschätzung ihr Ende nahm, ist Belforts im Gefängnis verfasster Autobiografie zu entnehmen, auf deren Basis Terence Winter ("Sopranos", "Boardwalk Empire") das Drehbuch verfasst hat: verhältnismäßig glimpflich. Belforts "Kooperation" mit dem FBI und damit der Verrat an sämtlichen Mitstreitern hat ihm eine denkbar kurze Haftstrafe eingebracht. Nach bereits 22 Monaten wieder auf freiem Fuß, ist Belfort seitdem erfolgreich als Autor und gut bezahlter Motivationstrainer unterwegs, laut "Hollywood Reporter" hat der fragwürdige Charmeur bereits eine Reality-TV-Sendung in der Tasche.

Scorseses wilderster Film
Gebrochen sieht man den Anti-Helden im filmischen Denkmal nie: Der bizarre Werdegang Belforts wird in Scorseses bis dato wohl wildestem Film zum grellen Spektakel, das in der ursprünglichen Fassung mehr als vier Stunden andauern sollte. Der Zwerg, der in den ersten Minuten von "The Wolf of Wall Street" Richtung Zielscheibe durch die Luft geworfen wird, steht exemplarisch für die mit drei Stunden noch immer deutlich zu lang geratene Achterbahnfahrt aus redundanten Nutten-Orgien und Drogen-Exzessen. Der Fokus auf Belfort und die Ausblendung seiner Opfer hat in den USA manch Zuseher und Filmkritiker verärgert hinterlassen, bietet laut Drehbuchautor Winter aber die Möglichkeit, die windigen Charaktere uneingeschränkt auf ihrem "wilden Ritt" zu begleiten. Tatsächlich gibt DiCaprio den von Gier getriebenen, einnehmenden Strahlemann so überzeugend (und Oscar-verdächtig), dass man sich – wie auch sein loyaler Mitstreiter Donnie (fantastisch: Jonah Hill) – der toxischen Energie nur schwer entziehen kann. Da bleibt einem das Lachen im Hals stecken, wenn er sich nach einer Quaalude-Überdosis am Boden in sein Auto robbt, den FBI-Agenten mit Hummer und Prostituierten bestechen will oder Geldpakete an den Körper einer Frau geklebt in die Schweiz schmuggelt. Frauen sind in Belforts Leben wie auch im Film wenn nicht Schmuggeltransport, dann hübsche Dekoration.

Ein Fünkchen Wahrheit
"Alle von uns sind unter bestimmten Voraussetzungen zu verabscheuungswürdigen Taten fähig", ist Scorsese überzeugt und hält uns mit "The Wolf of Wall Street" den Spiegel vor. Gier als Wurzel allen Übels, Reichtum als einziges Ziel des "American Dream": Wenn der überdrehte Börsen-Hai Mark Hanna (großartig: Matthew McConaughey) im wohl stärksten Moment des Films dem unverdorbenen Anfänger Belfort Masturbation, Kokain und schnelle Gewinne als Erfolgsfaktoren an der Wall Street einbläut, wundert der Börsencrash 20 Jahre später nicht mehr. Beim Schwenk auf die noch ahnungslosen Gesichter der Seminar-Teilnehmer Belforts am Ende des Streifens schließt sich der Kreis. Die Welt lernt nicht dazu – die Kinobesucher mit ein wenig Reflexion hoffentlich schon. Das verliehe dem Film zumindest einen Sinn.

(Von Angelika Prawda/APA)

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