"Der Wildschütz": Wiener Volksoper mit durchwachsenem Jagdglück

Premiere

Wildschütz: Jagdglück in der Josefstadt

Lortzings Verwirrspiel begeisterte mit guter Ensembleleistung.

"Schade, dass wir's nicht verstehen", meint bei Albert Lortzings "Der Wildschütz" der Bedienstetenchor angesichts eines Philosophievortrags der Gräfin. Das Publikum der Volksopern-Premiere am 20. April hätte darin einstimmen können, hatte Regisseur Dietrich W. Hilsdorf bei seinem Hausdebüt doch die im doppelten Wortsinn unverständliche Entscheidung getroffen, auf die Übertitel zu verzichten. Ein guter Teil vom Sprachwitz des Lortzing-Librettos ging somit verloren, was allerdings nicht dem guten Ensemble anzulasten ist, von dem sich das Publikum zu Recht begeistert zeigte.

Diashow: "Der Wildschütz": Jagdglück in der Wiener Volksoper

"Der Wildschütz": Jagdglück in der Wiener Volksoper

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    Hochkomplexes Verwirrspiel begeisterte
    Das hochkomplexe, semiinzestuöse Verwirrspiel um Maskeraden zwischen den verschiedenen Ständen und daraus resultierenden Liebeskonfusionen zählt zu den beliebtesten Lortzing-Werken an der Volksoper. Nur "Zar und Zimmermann" wurde noch deutlich öfter am Haus gespielt. Nun hat man Hilsdorfs Arbeit aus Chemnitz und Bonn übernommen. Im ersten Akt packt der Regisseur dabei das als Klassenzimmer gestaltete Bühnenbild schlicht zu voll, lässt seinen Figuren wenig Spielraum. Deutlich besser gelingt da der zweite Akt, der eine um Längen gelungenere Personenführung aufweist und zum subtileren Witz wechselt. Das Spiel der Figuren wird ironischer, charmanter. Die Gräfin zitiert aus dem Kommunistischen Manifest, flucht überraschend, und Baron und Baronin können sich ein neckisches, von Selbstmorddrohungen begleitetes Liebesduett liefern.

    Aktionismus kommt zum Schluss
    Die im Stück angelegte Gesellschaftskritik an einer in sich verrotteten aristokratischen Gesellschaft, greift Hilsdorf ebenfalls auf - in den letzten zehn Minuten der Oper. Der noch schnell zum Schluss eingeflochtene Aktionismus mit Flugblätter werfenden Schauspielern im Zuschauerraum wirkt dann aber doch etwas zu spät gekommen.Ganz am Punkt war hingegen bei seinem Rollendebüt der deutsche Tenor Mirko Roschkowski mit zartem, leichtgängigem und streckenweise seidigem Timbre, womit er Schwächen in den Sprechpartien wettzumachen wusste. Als Publikumsliebling etablierte Lars Woldt seinen ebenso düsteren wie liebenswert-trotteligen Schulmeister Baculus mit klarem, unschnarrigem Bass. Eine Entdeckung als zu seiner Braut auserkorenes Ziehkind Gretchen war Elisabeth Schwarz, die mit natürlichem Spiel und glöckchenhellem Zwitschersopran einnahm.

    Top besetzter Opern-Hochgenuß

    Daniel Ochoa als lüsterner Graf, Anja-Nina Bahrmann als seine selbstsichere Schwester und Alexandra Kloose als weihevolle Gemahlin ergänzten das Ensemble mit insgesamt soliden Interpretationen ihrer Rolle, unterstützt vom schmissigen, jedoch stets klug auf die jeweiligen Sänger abgestimmten Dirigat von Alfred Eschwe. Zwar drohten die rhythmischen Kapriolen der Partitur bei den Tutti immer wieder, das Ensemble aus der Kurve zu tragen. Es brachte sich aber immer noch gerade rechtzeitig auf Spur - in einer Inszenierung, die immer wieder neben dieser war.

    Info
    "Der Wildschütz" von Albert Lortzing in der Volksoper, Währinger Straße 78, 1090 Wien. Dirigent: Alfred Eschwe, Regie: Dietrich W. Hilsdorf, Bühne: Dieter Richter, Kostüme: Renate Schmitzer. Mit Mirko Roschkowski (Baron Kronthal), Lars Woldt (Baculus), Daniel Ochoa (Graf von Eberbach), Alexandra Kloose (Gräfin), Anja-Nina Bahrmann (Baronin Freimann), Elisabeth Schwarz (Gretchen), Gernot Kranner (Pankratius). Weitere Aufführungen am 23. und 28. April, am 5., 8., 17., 22., 26. und 29. Mai, am 3. und 12. Juni, am 28. September sowie am 4., 10. und 15. Oktober. (www.volksoper.at)