Song Contest Finale ohne Österreich
Vincent Bueno: Das erste Interview nach der ESC-Niederlage
Vincent Bueno wird am morgigen Samstag nicht im Finale des 65. Eurovision Song Contests in Rotterdam singen. Im zweiten Halbfinale am Donnerstag hat es nicht für den Finaleinzug gereicht. Im Interview mit ÖSTERREICH-Kulturreporter Thomas Zeidler zieht der Musicalstar nun sein erstes Resümee. Dabei packt Vincent Bueno nicht nur darüber aus, warum es seiner Meinung nach nicht mit dem Finaleinzug geklappt hat, sondern richtet auch klare Worte an die heimischen Radiostationen.
ÖSTERREICH: Wie enttäuscht sind sie?
Vincent Bueno: Wenn man eine Skala von 1 bis 100 nimmt, dann spüre ich diese 8 Prozent Enttäuschung nicht wirklich. Ich habe mir nicht vorzuwerfen: Ich habe sehr gut abgeliefert, das war einer der besten Auftritte meines Lebens. Das ist ein Contest – und da gibt es Dinge, die man nicht beeinflussen kann.
ÖSTERREICH: Sie wirkten bei Ihrem Auftritt nervös…
Bueno: Ich war nicht nervös, sondern emotional: Ich habe das wirklich genossen. Dieser Moment war so wichtig, dass man sich so verletzlich wie möglich zeigt. Diesen Song kann man nicht einfach so darauf los singen, da muss man die Türen zu den Herzen der Menschen öffnen. Und das habe ich gespürt.
ÖSTERREICH: Der Jubel in der Halle war ja fast grenzenlos …
Bueno: Ich glaube wirklich, dass ich das Publikum gehabt habe. Das man mich gespürt hat. Für mich habe ich meine Mission, die Menschen zu berühren, erfolgreich vollendet.
ÖSTERREICH: Warum hat es dann nicht geklappt?
Bueno: Da ich nicht in die Statistiken involviert bin, fragen Sie den falschen. Ich habe das gemacht, was man vor mir verlangt hat und sogar noch mehr. Ich bin emotionell eine Meilenstein gegangen, an dem ich selbst noch gewachsen bin. Und ich kann mit erhobenem Haupt sagen, dass wir als österreichische Delegation das Allerbeste gemacht haben.
ÖSTERREICH: Wie haben Sie ihre Abwahl erlebt?
Bueno: Das war eigentlich ein sehr ruhiger Moment, wie in einem Film: eine wundervolle Umarmung mit Kathi Zechner. So eine herzliche längere Umarmung, wie ich sie schon seit längerer Zeit nicht gespürt habe. Sie gab mir so viel Liebe. Da waren keine Worte nötig.
ÖSTERREICH: War Ihre Show zu reduziert?
Bueno: Für meinen Geschmack eigentlich gar nicht. Österreich hatte Qualität zu bieten. Wir können uns nichts vorwerfen. Ich finde wir haben wirklich das Allerbeste daraus gemacht.
ÖSTERREICH: Wäre „Alive“, mit dem sie 2020 antreten sollten, der bessere Song gewesen?
Bueno: Das ist schwer zu beantworten, weil man weder in die Zukunft noch in die Vergangenheit schauen kann.
ÖSTERREICH: Jetzt gibt’s natürlich viel Kritik am ESC: Soll Österreich auch 2022 wieder antreten?
Bueno: Natürlich: Die Leute werden immer reden, speziell als Künstler muss man in Österreich eine dicke Haut haben. Doch das muss dir wirklich egal sein: Im Endeffekt beweisen alle Künstler die bei ESC antreten den größten Mut.
Und das sage ich mit Zuversicht.
ÖSTERREICH: Warum ist Amen nicht in den Charts?
Bueno: Da muss man die Radiostationen fragen.
ÖSTERREICH: Fühlen Sie sich von denen übergangen?
Bueno: Ich bin es gewohnt von Österreich nicht so wirklich unterstützt zu werden. Vielleicht auch, weil sich Österreich mit mir als Philippinischem Österreicher nicht so wirklich identifizieren kann. Das ist aber kein Vorwurf, sondern einfach ein Realitäts-Check. Ich glaube auch, dass meine Musikart Pop-R&B hier nicht wirklich gefeiert wird. Das ist aber ok, doch ein gegenseitiger Respekt wäre angebracht.
ÖSTERREICH: Wo sehen Sie heute das Finale? Wer soll gewinnen?
Bueno: Ich werde mit das daheim ansehen und Portugal soll gewinnen.
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