Ansichtssache

Ist Krypto wirklich „hochriskant“?

Die Kurze Antwort ist: Ja, aber mit der richtigen Strategie kann die Investition in Kryptowährungen durchaus erfolgreich sein. Wie viel Krypto im Anlageportfolio sinnvoll ist, hängt stark davon ab, wie viel Risiko – finanziell und mental – jemand aushalten kann.

Wenn es um das Thema Investieren geht, lässt das Wort „Krypto“ nicht lange auf sich warten: Bei TikTok, YouTube, Instagram und auf anderen Channels wimmelt es nur so von sogenannten Krypto-Bros, die absolut auf diese Investition schwören, mit ihren spektakulären Reichtumszugewinnen prahlen, Geheimtipps anteasern und damit einen enormen Hype rund um Bitcoin, Ethereum & Co befeuern. Die Akteure sind dabei Technologie-Fans, Trader und Developer, aber auch Influencer, die auf Social Media Marketing für Coins pushen.

Der Fokus liegt dabei oft auf dem Ziel, FOMO zu erzeugen – das Akronym für Fear of Missing Out, oder, auf Deutsch gesagt: die Angst, etwas Großes zu verpassen. Über diesen wirkungsvollen Psycho-Mechanismus werden nicht nur etablierte Kryptowährungen angetrieben, sondern auch sogenannte Meme-Coins wie Dogecoin. Die Euphorie sorgt für Kurssteigerungen, alle wollen einsteigen – und wenn der Markt überhitzt, kommt es zu Spekulationsblasen, Ponzi-Systemen, Panikverkäufen und letztlich zum Crash.

Das Krypto-Karusell

Bitcoin hat in den vergangenen 10 Jahren einen unglaublichen Verlauf hingelegt: von 13 auf 1.200 US-Dollar im Jahr 2013 über einen Absturz von 75 Prozent im Folgejahr bis hin zu erneuten Anstiegen auf 10.000 USD, 29.000 USD und sogar 64.000 USD im Jahr 2021. Danach folgte erneut ein Absturz auf 16.000 Dollar. Aktuell liegt Bitcoin bei etwa 60.000 USD und verschiedene Analysten prognostizieren für dieses Jahr einen Anstieg auf 100.000 Dollar – oder auch einen Absturz auf 10.000 Dollar.

Fest steht: Krypto-Coins sind enorm volatil, es gibt extreme Kursschwankungen, die binnen Stunden spektakuläre Gewinne oder auch nahezu totale Verluste bewirken können (Hacks, Scams). Im Vergleich zu klassischen Anlagen (Aktien, Banken) ist der Markt weniger streng reguliert.

Wie kann man trotzdem in Krypto investieren?

Während es fundamental wichtig ist, zu wissen, dass Krypto-Coins eine sehr riskante Anlage sein können, gibt es trotzdem Ansätze, wie man an diesen speziellen Märkten teilhaben kann. Punkt eins: den eigenen Risikotyp definieren. Wenn Sicherheit und stabiles Wachstum für das eigene Vermögen an oberster Stelle stehen, dann empfiehlt es sich, den Krypto-Anteil im Portfolio sehr gering zu halten – von null bis 5 Prozent.

Wer sich Chancen sichern möchte, also mehr Rendite bei kontrolliertem Risiko sucht, setzt auf eine Mischung aus Einzelaktien, ETFs und etwa 5–10 Prozent Krypto. Und risikofreudige Anleger, die von erwarteten enormen Anstiegen profitieren möchten, investieren 10–30 Prozent in etablierte und kleinere Coins, sind sich aber bewusst, dass es zu starken Verlusten kommen kann.

Ist Krypto wirklich „hochriskant“?
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Risiko minimieren: Mit be- und gewusster Herangehensweise durchaus möglich!

Klare Investitions-Regeln

Bevor man die ersten Krypto-Coins (oder andere riskante Geldanlagen) kauft, unbedingt ein Fundament bauen – also sicherstellen, dass man ausreichend Geld auf der Seite hat, um etwa 3 bis 6 Monate alle Fixkosten decken zu können. Dieses Geld sicher verwahren.

Dann mit winzigen Schritten beginnen, um ein Gefühl für Krypto-Risiken zu bekommen – vielleicht 1–5 Prozent des verfügbaren Anlagekapitals. Den Rest für Aktien, ETFs und andere Anlagen verwenden.

Anfangs eher auf die bekannten Kryptos setzen (Bitcoin, Ethereum …), kleinere „Hype-Coins“ vermeiden. Regelmäßig kleinere Beträge einsetzen, nicht alles auf einmal.

Nur seriöse Plattformen nutzen. Gute, vertrauenswürdige, für Einsteiger geeignete Krypto-Plattformen in Österreich sind etwa Bitpanda, Coinbase oder Kraken.

Unbedingt beachten: In Österreich sind Kryptogewinne steuerpflichtig (keine Spekulationsfrist), der fixe Steuersatz liegt bei 27,5 Prozent. Das gilt sowohl für Gewinne aus dem Verkauf von Krypto als auch beim Tausch, etwa von Bitcoin auf Ethereum. Verluste aus Krypto können mit Gewinnen verrechnet werden.

Keine Steuer fällt beim „Hodlen“ an (Hold on for Dear Life): Wer nur kauft, aber nicht verkauft, zahlt erstmal keine Steuern, selbst bei hohen Kursgewinnen. Der Fiskus hält erst dann die Hand auf, wenn die Gewinne „realisiert“ werden.

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