Zinsen

Wieviel der Immo-Kredit kostet: Tipps und Fallen

Wieviel kostet ein Kredit: Darauf kommt es an. 

In den Immobilienmarkt kommt Bewegung, die Banken hoffen auf mehr Nachfrage nach Krediten.  Der typische Zinssatz liegt aktuell bei dreieinhalb Prozent – kann aber auch besser sein.  Am Wichtigsten ist jedenfalls, mehrere Angebote zu vergleichen, empfehlen Verbraucherschützer. Das kann eine Zeitlang dauern, die Banken prüfen die Kreditanträge sehr sorgfältig, auch wenn die berühmte KIM-Verordnung ausgelaufen ist. Bei besserer Bonität muss man weniger Zinsen bezahlen. Die Rechnung funktioniert grundsätzlich so: Die Banken ziehen einen Referenz-Zinssatz heran, bei variablen Krediten meist den 3-Monats-Euribor: Das ist ein Geldmarktzinssatz, zu dem sich die europäischen Banken untereinander kurzfristiges Geld leihen. Der Euribor liegt aktuell bei rund 2 Prozent, mit leicht steigender Tendenz.

Privatkunden können sich zu diesen Konditionen aber kein Geld ausborgen: Sie müssen einen Aufschlag berappen. Bei guter Bonität liegt dieser Aufschlag zwischen 1 und 1,5 Prozent, bei durchschnittlicher bis schlechterer Bonität geht es aktuell in Richtung 1,25 bis 1,75 Prozent, so Marktbeobachter. Der Unterschied zwischen Super-Bonität und Otto Normalverbraucher klingt auf den ersten Blick bescheiden, macht bei einem auf 25 Jahre abgeschlossenen Immobilienkredit aber locker einen fünfstelligen Euro-Betrag aus.

Praxis-Beispiel

Ein aktuelles, repräsentatives Berechnungsbeispiel des Vergleichsportal durchblicker.at zeigt bei einem Kreditbetrag von 100.000€ und einer Laufzeit von 25 Jahren einen Sollzinssatz von 2,925% pro Jahr (variabel verzinst). Zurückgezahlt wird mit einer monatlichen Rate von 480 Euro. Aber Achtung: Inklusive Nebenkosten wie Bearbeitungsgebühr, Provision, Zinsen, Kontoführungskosten & Co liegt der effektive Jahreszins bei 3,545% p.a.

Will man sich dieses Zinsniveau auf die nächsten 10 Jahre sichern, muss man einen Fixzinskredit abschließen: Dann liegt der Zins bei 4,1 Prozent. Soll der Zins auf 25 Jahre fix sein, d.h. bis zur Rückzahlung, so übersteigen die Zinsen in diesem Vergleichsbeispiel 4,5 Prozent. Zu welchen Konditionen man aber letztendlich abschließt, hängt vom Einzelfall ab – je mehr Banken man vergleicht, auch persönlich, desto besser.

Wohnungen: Mehr Nachfrage bei Käufern

Wohnungen in Österreich sind beliebt, knapp und teuer: Nach Jahren der Flaute steigt die Nachfrage, auch die Preise ziehen wieder etwas an. Die Banken setzen jedenfalls darauf, dass in diesem Frühjahr die Lust auf neuen Wohnraum wachsen wird. So hat die UniCredit Bank Austria eine 150 Mio. Euro schwere Fixzins-Kredittranche aufgelegt; bei entsprechender Nachfrage soll noch eine zweite kommen, heißt es auf Anfrage. Daniela Barco, Vorständin Privatkunden: „Die Nachfrage nach Wohnbaufinanzierung zieht wieder spürbar an – ein klares Zeichen dafür, dass sich der Markt stabilisiert und sich die Rahmenbedingungen verbessern.“
Auch bei der Erste Bank zeigt man sich vorsichtig optimistisch: Die Nachfrage sei „auf dem hohen Vorjahresniveau. Traditionell ist sie mit Beginn der Bausaison hoch, wir bemerken aber eine steigende Abhängigkeit von Baufertigstellungen“, so Kurt Krystof, Leiter des wohn2 Center Wien Mitte.

Das aktuelle Zinsniveau für Immo-Kredite gilt als relativ günstig. So liegt der Kreditindex von Berater Infina derzeit bei 3,65 Prozent (Effektivzinssatz bei variablen Krediten). Vor einem Jahr waren es 4,41 Prozent, und Anfang 2024 sogar 5,73 Prozent - die Zentralbanken bekämpften die Inflation mit hohen Leitzinsen, die Lust auf Immo-Kredite war im Keller. Doch beim aktuellen Zinsniveau hoffen die Banken auf einen Kredit-Frühling. Dabei hat sich die früher inverse Zinsstruktur übrigens normalisiert, d.h. längerfristige Zinsen sind höher als kurzfristige.

Am Wichtigsten ist, mehrere Angebote zu vergleichen, heißt es bei der AK Wien, wo man ebenfalls derzeit häufiger Anfragen wegen Krediten feststellt, im Verbraucherschutz natürlich: Der wichtigste Tipp sei, auf die Effektivverzinsung zu achten – also inklusive aller Nebenkosten und Gebühren (s. Kasten). Generell sei festzustellen, dass die Österreicher bei den großvolumigen Immo-Krediten meist auch eifrig die Angebote vergleichen. Anders sehe es leider am Markt für Konsumkredite aus. Abgeschlossen werden solche Kredite ja gern beim Einkauf – der Kunde nimmt was der Händler anbietet (z.B. auch Ratenzahlung). Oft ein teurer Fehler. „Es ist wichtig mindestens drei echte Kreditangebote verschiedener Banken einzuholen und zu vergleichen, sonst lässt man viel Geld liegen“, warnt Martin Korntheuer aus dem Team Finanzdienstleistungen der AK Wien Konsumentenberatung. Übrigens: Auch bei Konsumkrediten schauen die Banken sehr auf die Bonität, bei ein- und derselben Bank kann das den Unterschied zwischen 6 und 12 Prozent Verzinsung ausmachen. Darum sei es bei allen Formen von Krediten wichtig, echte Kreditangebote auf Basis aller Bonitätsdaten (Gehaltszettel, Immobilie bei Immo-Krediten, etc.) zu vergleichen – und nicht unverbindliche Rechenbeispiele.

Umschulden kann Geld sparen

Hat man doch einen zu teuren Kredit erwischt, bedeutet das nicht Game over. Umschuldung ist eine echte Möglichkeit, dazu besucht man mit dem teuren Kredit die Konkurrenz und fragt nach einem Angebot. Das ist sinnvoll, wenn der alte Kredit noch ein paar Jahre Laufzeit hat, so AK-Experte Korntheuer: Bei wenigen Monaten lohnt es sich nicht.

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