90 Verdachtsfälle durch 1. Wiener Corona-Patienten

Spitals-Mitarbeiter in häuslicher Quarantäne

90 Verdachtsfälle durch 1. Wiener Corona-Patienten

Der 72-Jährige lag zehn Tage in der offenen Station und steckte möglicherweise noch weitere Personen an.

Wien. Der Coronavirus ist auch in der Bundeshauptstadt Wien erstmals diagnostiziert worden - und dies vermutlich nicht nur bei einem Patienten. Ein 72 Jahre alter Wiener wurde positiv getestet. Er war zehn Tage lang als Grippepatient in der Rudolfstiftung behandelt worden. Bei einem zweiten, jüngeren Mann ergab zumindest ein erster Test einen Nachweis.

Der bestätigte Corona-Patient befand sich zuletzt zehn Tage lang mit grippeähnlichen Symptomen im Krankenhaus Rudolfstiftung. Gemäß den vorgesehenen Routinekontrollen wurde der Mann auch auf das Corona-Virus getestet. Die Infektion wurde jetzt nachgewiesen; deshalb wurde der Wiener heute, Donnerstagvormittag, unter sicheren Bedingungen ins KFJ gebracht. Er zeigt laut KAV „schwere Symptome“ und wird gegebenenfalls künstlich beatmet, wie KAV-Direktor Binder erklärte. Damit kann der Patient momentan auch nicht bei der Suche nach dem Patienten 0 behilflich sein, denn der 72-Jährige war nicht in Italien und noch ist unbekannt mit wem er in Kontakt war. 
 

90 weitere Fälle durch Patienten

Jene 90 Mitarbeiter aus dem Gemeindespital Rudolfstiftung, die mit dem ersten Wiener Coronaviruspatienten in Kontakt waren, sind nicht infiziert worden. Die Tests seien negativ verlaufen, teilte ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) der APA am Freitag mit.
 
Untersucht wurde jenes Personal, das in der Rudolfstiftung persönlich mit dem Betroffenen Kontakt hatte. Der 72-Jährige war dort als Grippepatient. Erst nach zehn Tagen stationärem Aufenthalt ergab ein routinemäßiger Test, dass er mit dem Virus infiziert ist.
 
Über die Art der Ansteckung wird noch gerätselt. Der Patient war zuvor nicht im Ausland. Nun wird der "Patient Null" gesucht, also jene Person, bei der er sich in Österreich angesteckt hat.
 

"Heimabsonderung" in eigene vier Wände

Das würde keinen Sinn ergeben, wie in der Pressekonferenz versichert wurde. Denn die Gefahr, falsche Ergebnisse zu erhalten, sei relativ groß und die Tests aufwendig, wurde betont. Verordnet wurde jedoch "Heimabsonderung", also die Quarantäne in den eigenen vier Wänden. Menschen, die dazu angehalten werden, würden sich bisher stets an die Vorgaben halten, berichteten die Vertreter der Stadt.
 
Kontrolliert werde die Einhaltung etwa mit Anrufen. Mit den jeweiligen Personen werden demnach strenge Regeln vereinbart - die etwa beinhalten, dass Sozialkontakte zu unterlassen sind. Für Familienmitglieder, die sich im selben Wohnumfeld aufhalten, würden dieselben Regeln gelten. Auch die Versorgung mit Essen und Medikamenten werde sichergestellt. Menschen, die im Zusammenhang mit dem Virus bereits in Quarantäne waren, würden eine sehr hohe Disziplin an den Tag legen, lobte der Gesundheitsstadtrat.
 
Der zweite, vorerst nur als wahrscheinlich eingestufte Fall betrifft einen Mann, der in Italien war und der sich angesichts grippaler Symptome selbst untersuchen hat lassen. Der erste Test verlief positiv. Auch er befindet sich in der eigenen Wohnung. Sein Zustand ist deutlich besser: "Dem Patienten geht es sehr gut." An eine Aufnahme in ein Spital ist vorerst nicht gedacht, hieß es.
 
In beiden Fällen wird nun jedenfalls das persönliche Umfeld untersucht, wie Binder ausführte. Dabei wird versucht, sämtliche Kontakte, die die Betroffenen in den vergangenen zwei Wochen hatten, zu eruieren. Alle Personen, mit denen man in beiden Fällen zu tun hat, verhalten sich sehr kooperativ, wie ausdrücklich betont wurde. KAV-Direktor Binder verwies heute zudem darauf, dass 80 von 100 Corona-Erkrankungen einen milden Verlauf nehmen.

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