Lehrerin packt aus: So steht es um unsere Schüler

Große Probleme

Lehrerin packt aus: So steht es um unsere Schüler

Eine Volksschullehrerin packte in einem ausführlichen Interview mit dem ORF aus und prangerte dabei die vielen Probleme im Unterricht an. Jeder dritte Volksschüler könne laut dem nationalen Bildungsbericht dem Unterricht nicht folgen. Gründe dafür seien mangelnde Deutschkenntnisse und viele Fehlstunden der Schüler.

Zu den drei Risikogruppen, die davon bedroht seien, die Bildungspotenziale nicht realisieren zu können, zählen unter anderem Kinder, die zu Hause nicht Deutsch sprechen, deren Eltern einen niedrigen Berufsstatus haben, oder jene aus bildungsfernen Haushalten, so die Lehrerin der dritten Volksschulklasse, die bei dem Interview anonym blieb.

"Viel zu wenig Unterstützung"

Die Frau gab in dem Interview mit dem ORF an, dass es viel zu wenig Unterstützung gebe, um den Teufelskreis zu durchbrechen. Es würde zum Beispiel an Plätzen im Sprachförderkurs für Deutsch fehlen. Eigentlich sollte laut Schulorganisationsgesetz jedes außerordentlich eingestufte Kind die Möglichkeit haben, an einem Sprachförderkurs teilzunehmen.

"Nur die, die gar kein Deutsch verstehen, dürfen in den Förderkurs, weil wir so viele Kinder haben, die kaum Deutsch sprechen", prangert die Lehrerin an. Auch Begleitlehrer oder Unterstützung von Psychologinnen und Sozialarbeitern seien leider Mangelware.

Problemkinder kommen aus Österreich

Die Lehrerin sorgt sich jedoch gar nicht so sehr über die im Herbst 2015 in ihre Klasse gekommenen Flüchtlingskinder, da diese zum Großteil "gut am Unterricht teilnehmen" würden. Wirklich Sorgen mache sie sich um Kinder, die in Österreich geboren sind - "alle aus türkischen Familien" - und der Unterrichtssprache kaum folgen könnten. Diese würden ein Viertel ihrer Klasse ausmachen.

"Bis zum verpflichtenden Kindergartenjahr kommen sie mit Deutsch kaum in Kontakt, und den Kindergarten besuchen viele dann sehr unregelmäßig oder nur für zwei oder drei Stunden am Tag. Ein paar Stunden Schule am Vormittag reichen nicht aus, um eine Sprache zu lernen", kritisiert die Lehrerin.

Fehlstunden als Problem

Neben der Hürde der Unterrichtssprache gebe es noch zwei weitere Risikos für Volksschulkinder: Viele ihrer syrischen Schüler seien etwa benachteiligt, weil sie noch nie mit einer Schere geschnitten oder etwas geklebt hätten. Viele von ihnen hätten noch nie ein Gesellschaftsspiel gespielt. "Ich habe Kinder in der Klasse, die haben noch nie eine Schnecke gesehen" - Dies liege daran, dass Eltern nur wenig mit ihren Kindern unternehmen würden.

Auch würden viele Volksschüler tagelang unentschuldigt fehlen. "Die Mama ist nicht aufgestanden" oder "Die Mama wollte nicht", seien auf Nachfrage die Angaben der Kinder. Um dagegen vorzugehen, schlägt die Lehrerin vor, ab beispielsweise 140 Fehlstunden die Familienbeihilfe zu streichen.

Lehrerin rät zu Privatschulen

"Die guten Schüler und die, die auch von zu Hause gefördert werden, bleiben auf der Strecke." Damit meine sie jedoch nicht begabte, sondern "ganz 'normale' Kinder". "Ein Kind, das schneiden kann, das sich die Schuhe zubinden kann, das artikulieren kann, wie es ihm geht. Das auch ein bisschen einen Bezug zu seiner Umwelt hat."

Schweren Herzens lege sie Eltern dieser Kinder einen Wechsel in eine Privatschule nahe, so die Lehrerin zum ORF. Für diese Kinder wäre "wesentlich mehr möglich", als sie es ihnen als Lehrerin unter den gegebenen Umständen bieten könne.

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