Atom-Lebensmittel für Österreich?

EU weicht Strahlenschutz auf

Atom-Lebensmittel für Österreich?

In Japan sind etliche Lebensmittel verboten, bei uns erlaubt.

Nicht nur in Japan steigt die Angst vor radioaktiv belastetem Essen – auch in Österreich ist man vor krebserregendem Cäsium in Fisch, Milch und ­Sojasoße längst nicht mehr sicher. Aber: In der Vorwoche hat die EU-Kommission eine Eilverordnung (Nr. 297/2011) erlassen, die sogar eine noch höhere Strahlenbelastung für Importe zulässt. Konkret heißt das:

  • Die Grenzwerte für Milch und Milcherzeugnisse wurden enorm erhöht – jetzt ist die dreifache Cäsiummenge erlaubt (1.000 Becquerel Kilo).
  • Alle anderen Lebensmittel aus Japan dürfen jetzt sogar eine radioaktive Belastung von bis zu 1.250 Becquerel haben.

1.000 Tonnen Lebensmittel kommen dabei pro Jahr aus Japan nach Österreich. Absolute Spitzenreiter sind Sojasoßen sowie andere Gewürzsoßen, aber auch Honig, Tee, Reis und sogar Kaugummis werden importiert (siehe Liste).

Achtmal mehr Plutonium bei uns erlaubt als in Japan
Umweltmediziner schlagen unterdessen wegen der neuen EU-Verordnung Alarm: „Ich würde dringend zur Vorsicht raten und halte das für ein falsches Signal“, erklärt Hanns Moshammer vom Wiener Institut für Umwelthygiene. Kollege Hans-Peter Hutter ergänzt: „Radioaktive Stoffe aus den Lebensmitteln könnten sich in Muskeln, Knochen oder in der Schilddrüse absetzen und krebserregend sein.“ Besonders Kleinkinder und Kranke könnten gefährdet sein.

Ein Sprecher des EU-Gesundheitskommissars John Dalli lässt die Kritik nicht gelten. Die jetzt eingeführten Grenzwerte seien nicht neu, sondern stammen aus einem alten Notgesetz: Ein Jahr nach Tschernobyl wurden diese Strahlenlimits für den „atomaren Notstand“ eingeführt.

Doch von solch einem Notstand sei man heute weit entfernt, meint Experte Hutter: „Wenn man die Grenzwerte derart erhöht, muss es einen Grund geben, zum Beispiel, dass Menschen verhungern. Aber eine solche Situation existiert derzeit nicht.“ Und mit der neuen EU-Verordnung sind jetzt in Österreich sogar achtmal mehr Plutonium und doppelt so viel Cäsium in Lebensmitteln erlaubt als in Japan. Die neue Regelung soll trotz Kritik mindestens drei Monate gelten.

Das importieren wir aus Japan (Importe 2010 nach Österreich):

Produkt Tonnen
Sojasoße 244,5
Andere Würzsoßen 152,7
Natürlicher Honig 100,9
Lebensmittelzubereitungen 64,5
Fleisch 48,1
Gemüse 42,8
Zucker und Süßmittel 40,8
Reis 40,5
Säfte 73,7
Nudeln und Teigwaren 33,9
Bier aus Malz 29,9
Malz 27,8
Gegorene Getränke 19,1
Suppen 18,7
Tee (Grün, Schwarz) 22,0
Sojabohnen 9,9
Speiseessig 8,7
Backwaren 8,4
Garnelen. Krebse, Tintenfische 7,1



(mud)
 

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