Prozess in Wien

Bankangestellte stahl 300.000 Euro aus Tresoren

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Die 23-Jährige behauptete, sie sei zum Diebstahl gezwungen worden.

Weil sie an ihrem Arbeitsplatz zwei Tresore leergeräumt und 300.000 Euro an sich genommen haben soll, hat sich eine junge Bankangestellte am Dienstag wegen schweren Diebstahls im Landesgericht für Strafsachen in Wien verantworten müssen. "Tatsachengeständig. Teilweise schuldig", reagierte die 23-Jährige auf den Vortrag der Anklage. Sie behauptete, Unbekannte hätten sie zu der Straftat erpresst.

Fest steht, dass die gebürtige Deutsche - die Angeklagte stammt aus Wiesbaden und war 2015 mit ihrem Freund nach Wien gezogen - am 5. Februar 2016 ihr in der Innenstadt gelegenes Institut um ein nicht unbeträchtliches Vermögen erleichtert hat. Nachdem eine seit längerem avisierte Banknoten-Lieferung eingetroffen war, brachte die 23-Jährige das Geld in den Tresorraum im Keller. Statt es dort einzuschließen, nahm die Frau die Mappe mit 200.000 Euro an sich. Weitere 100.000 Euro entnahm sie einem Tresor in den Büroräumlichkeiten. Ihrer eigenen Darstellung zufolge steckte sie den gesamten Betrag dann in ein Plastiksackerl und verließ damit die Bank.

Überfall

Nunmehr erklärte die Angeklagte einem Schöffensenat (Vorsitz: Mariella Ecklmair), sie sei von zwei gewaltbereiten Männern zu dem Diebstahl gezwungen worden, die sie am Morgen jenes Tages in ihrer Wohnung überfallen hätten. Um 7.00 Uhr habe es bei ihr geklopft, als sie öffnete, wäre sie von Unbekannten in weißen Overalls und mit Lederhandschuhen sogleich nach hinten geschubst, hochgerissen und grob behandelt worden. Ihren Jagdhund, der zu bellen begann, hätten die Männer mit einem Leintuch und mitgebrachtem Klebeband verschnürt. Sodann hätten die Täter sie auf der Couch im Wohnzimmer platziert, sie auf die für diesen Tag erwartete Geld-Lieferung angesprochen und ihr befohlen, in der Bank drei Millionen Euro abzuzweigen. Ansonsten werde sie ihre Eltern nicht wiedersehen.

"Wir wissen, wo deine Eltern wohnen, wir wissen alles über dich", hätten ihr die Männer gesagt. Ihr sei auch ein Foto ihrer Eltern gezeigt worden, das offenbar vor deren Haus in Wiesbaden aufgenommen worden war. Außerdem habe einer der Männer eine Zigarette auf ihrem Unterarm ausgedrückt, berichtete die Angeklagte: "Das war ein Vorgeschmack, was mir passiert, wenn ich nicht Folge leiste."

Geld abgeliefert

Ihr sei nichts anderes übrig geblieben, als zu parieren, schluchzte die 23-Jährige, der Verteidiger Lukas Kollmann mit einer Packung Taschentücher zwecks Trocknen der Tränen zu Hilfe kam. Sie sei daher mit der U-Bahn in die Bankfiliale gefahren und später - nachdem sie mehrere Stunden dort ver- und ein Zehntel der geforderten Summe an sich gebracht hatte - mit einem Mietauto zu einer Tankstelle an der Felberstraße gefahren. Dort will die 23-Jährige die 300.000 Euro ("Ich hab' das genommen, was ich kriegen konnte und gehofft, dass sie sich damit zufriedengeben") an genau der Stelle, die ihr die Täter auf einem Zettel eingezeichnet hatten, bei einem Zaun auf eine Böschung geschmissen haben, um das Leben ihrer Eltern nicht zu gefährden bzw. retten.

"Ich hab' nur noch funktioniert. Es war alles wie ein ganz schlechter Film", offenbarte die 23-Jährige. Im Anschluss habe sie gleich ihren Chef angerufen und von dem ihr Widerfahrenen berichtet. Dieser verständigte umgehend die Polizei, und nach einer ersten kurzen Einvernahme begaben sich mehrere Uniformierte mit der jungen Frau zu jener Stelle, wo diese das Geld hinterlegt haben will. Von dem Plastiksackerl fehlte dort allerdings bereits jede Spur.

Wie weitere Erhebungen ergaben, bemerkte keiner der in der Tankstelle Beschäftigten, dass sich an besagter Böschung verdächtige Personen aufgehalten hätten. Zwischen dem Zeitpunkt der Geldablage und dem Eintreffen der Polizei sollen der Version der Angeklagten gemäß höchstens 20 bis 25 Minuten verstrichen sein.

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