Coronavirus im Labor

Chronik

Coronavirus: Jetzt schon über 500 Fälle in Österreich

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Die neuesten Zahlen aus dem Gesundheitsministerium: Insgesamt 504 Fällle – Niederösterreich (63), Wien (82), Steiermark (52), Tirol )167), Oberösterreich (84), Salzburg (23), Burgenland (7), Vorarlberg (22) und Kärnten (4)

Österreichweit. Das Gesundheitsministerium vermeldete Freitagnachmittag, dass es insgesamt 504 bestätigte Coronavirus-Infektionen in Österreich gibt (Stand: Freitag, 13.03.2020, 15 Uhr).

Fälle in den Bundesländern:

  • Niederösterreich: 63
  • Wien: 82
  • Steiermark: 52
  • Tirol: 167
  • Oberösterreich: 84
  • Salzburg: 23
  • Burgenland: 7
  • Vorarlberg: 22
  • Kärnten: 4

 Appell ans Verantwortungsbewusstsein der Österreicher 

Kanzler Sebastian Kurz, Innenminister Karl Nehammer (beide ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) plädierten in der Pressekonferenz an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen. Eine deutliche Absage gab es an die Verbreitung von "Fake News". Dass Wien abgeriegelt werde oder Ausgangssperren bevorstünden, seien "vollkommen frei erfundene Gerüchte", betonte Kurz.
 
Anschober unterstrich, dass es nicht nur um auf politischer Ebene beschlossene Maßnahmen gehe, sondern auch jeder und jede einzelne seinen Beitrag leiste. Er hoffe auf eine Stimmung nach der Idee eines "Team Österreich", in dem Solidarität und das Zueinanderstehen im Vordergrund stünden. "Ich bin überzeugt, wenn uns das gelingt, dann können wir es gemeinsam gut schaffen." Man wolle besonders vulnerable Gruppen schützen, nämlich Menschen über 70 und mit Vorerkrankungen. Derzeit seien in Österreich 432 Erkrankungsfälle bestätigt.
 
© APA/HERBERT NEUBAUER
Kurz Nehammer Anschober
× Kurz Nehammer Anschober
 
Ähnlich Kurz: "Nur weil es den Österreichern nicht verboten wird, die Wohnung zu verlassen, heißt das nicht, dass jeder Ausflug schlau ist." Man solle vor jedem direkten Kontakt, sei es auf einer Familienfeier oder zu einem Kaffeeplausch, genau überlegen, ob das wirklich notwendig sei. Vielleicht komme es gerade dabei zu jener Ansteckung, die sich vermeiden hätte lassen.
 
Für die Schweiz, Spanien und Frankreich gilt nun die höchste Reisewarnstufe, gab Nehammer bekannt. In den Quarantänegemeinden dürfen ausländische Gäste abreisen, dürfen dabei aber nicht anhalten. Ihre Identität wird festgestellt, die Behörden in ihren Heimatländern werden über ihr Kommen informiert, und sie werden aufgefordert, sich in häusliche Quarantäne zu begeben. Österreichische Urlauber und Mitarbeiter müssen hingegen 14 Tage bleiben und werden "bestmöglich versorgt", wie Kurz erklärte.
 
Der Kanzler forderte auch alle Unternehmen auf, die Mitarbeiter, wo das möglich sei, ab der nächsten Woche auf Zeit in Telearbeit gehen zu lassen. Die drei Regierungsmitglieder versprachen zudem finanzielle Hilfe. Details sollen morgen, Samstag, bekanntgegeben werden. Auch gesetzliche Änderungen seien für all das notwendig. Das Hilfspaket werde gemeinsam mit Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) und Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) vorgestellt.
 
Bezüglich Handel unterstrich Nehammer, dass alle Geschäfte des täglichen Bedarfs, also etwa Supermärkte, Banken, Apotheken selbstverständlich geöffnet blieben. Bei der Gastronomie wurde erklärt, dass nach 15.00 Uhr Zustellungen möglich sein werden. Auch die Frage von Schnelltests nach asiatischem Vorbild kam auf. Diese würden noch geprüft, so Anschober. Wenn ihre Aussagekraft garantiert sei, werde man sie flächendeckend in Österreich einsetzen.
 

Rund 9.500 Einheimische in Tirol vorerst abgeschottet

 
Die Quarantäne-Maßnahmen der Bundesregierung für die Orte Galtür, Ischgl, See und Kappl im Paznauntal sowie St. Anton am Arlberg betreffen insgesamt rund 9.500 Einheimische. Bei den Orten handelt es sich zum überwiegenden Teil um vom Tourismus abhängige und geprägte Gemeinden mit klingenden Namen.
 
Zusätzlich zu den Einheimischen sind auch noch die Angestellten in den Hotels sowie die österreichischen Urlauber von der 14-tägigen Isolation betroffen. Um wie viele Personen es sich dabei handelt, war vorerst unklar.
 
Klar ist hingegen, dass das Coronavirus klingende Tourismusorte im Tiroler Oberland in Atem hält. Etwa Ischgl, bekannt für überregional ausstrahlenden Massen- und Eventtourismus. Und als Anziehungspunkt für prominente Musikstars. Die Geschichte des einstigen Bergbauerndorfs mit knapp über 1.600 Einwohnern ist reich an Auftritten von Topstars des internationalen Musik-Business. So gaben sich etwa bereits Elton John, Tina Turner, Pink, Alicia Keys, Robbie Williams, Mariah Carey, Kylie Minogue oder Helene Fischer bei den Open Air-Konzerten zum Saisonauftakt- und Abschluss die musikalische Ehre.
 
Gänzlich anders geartet ist der Ischgler Nachbar Galtür. Wie Ischgl geprägt vom Tourismus, doch dem Eventcharakter gänzlich abhold. Und auf alle Zeiten verbunden mit einem der tragischsten Ereignisse der Tiroler Geschichte: Eine Jahrhundertlawine riss am 23. Februar 1999 31 Menschen in den Tod, darunter sechs Einheimische und 25 Urlauber.
 
Nicht minder prominent ist St. Anton am Arlberg, die in touristischer Hinsicht noblere Ausgabe von Ischgl. Es gilt als Tor zum Skigebiet Arlberg und wird gemeinhin als die "Wiege des alpinen Skilaufs" bezeichnet, da hier der moderne Skisport erfunden wurde. Sein wohl prominentester Bürger: der "einsame Wolf vom Arlberg", Skilegende Karl Schranz.
 

 Steiermark schränkt Landesverwaltungsdienst ein

 
Das Land Steiermark schränkt den Dienstbetrieb in der Landesverwaltung wegen des Coronavirus ein, hieß es am Freitag. Ein Großteil der Mitarbeiter arbeite ab Montag von zu Hause aus. "Oberstes Ziel ist es, einen Anstieg der Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Um dieses Ziel zu erreichen, sind alle persönlichen Kontakte zurückzufahren, auch innerhalb der Landesverwaltung."
 
Ab Montag soll der Betrieb in den Dienststellen der steirischen Landesverwaltung stark auf rochierende kleine Teams von unverzichtbaren Schlüsselarbeitskräften minimiert werden. Alle anderen Mitarbeiter müssen ihre Tätigkeiten möglichst in Telearbeit beziehungsweise von zuhause aus verrichten. Das soll bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des absolut nötigen Dienstbetriebes, die sozialen Kontakte im Bereich der Landesverwaltung auf das Nötigste reduzieren.
 
Das unverzichtbare "Schlüsselpersonal" werde von den Dienststellenleitern in zwei Teams eingeteilt, die immer wechselweise in den Dienststellen und zu Hause arbeiten. Ziel sei es, mit diesen zwei Teams und mit den restlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Home-Office den bisherigen Leistungsumfang möglichst abzudecken. Das gelte auch für alle Bürger-Service-Leistungen, wenngleich die Steirer angehalten seien, derzeit "nur dringend notwendige Amtswege zu tätigen".
 
LHStv. Anton Lang (SPÖ) sagte: "Die Gesundheit der Steirerinnen und Steirer hat oberste Priorität. Daher werden wir auch innerhalb des Landesdienstes dafür sorgen, dass dort, wo es möglich ist, mit Hilfe von Telearbeit die sozialen Kontakte möglichst reduziert werden." Personallandesrat Christopher Drexler (ÖVP): "Gerade im öffentlichen Dienst haben wir die Verpflichtung, die Bürger aber auch unsere Mitarbeiter in der Landesverwaltung bestmöglich zu schützen und mit ihrer Hilfe die Ausbreitung des Coronavirus möglichst einzudämmen."
 
 
 
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