Bürgermeister als ''Impfvordrängler'': Wirbel um WhatsApp-Nachricht

Impf-Posse um Lokalpolitiker geht weiter

Bürgermeister als ''Impfvordrängler'': Wirbel um WhatsApp-Nachricht

Wie oe24 erfuhr, erhielt der Bürgermeister von Pottendorf, Thomas Sabbata-Valteiner, eine Woche vor seiner Corona-Impfung eine Nachricht einer besorgten Bürgerin, die nach Informationen über eine Immunisierung für ihre 81-jährige pflegebedürftige Mutter fragte. 

Die "Impfvordrängler" beherrschen seit Tagen die Schlagzeilen. Immer öfter kommt ans Tageslicht, dass sich Bürgermeister österreichweit bei Impf-Aktionen im Pflegeheim letzte Dosen des begehrten Corona-Vakzins impfen lassen. So auch Thomas Sabbata-Valteiner, der SPÖ-Bürgermeister von Pottendorf in Niederösterreich. Er wurde gemeinsam mit 91 Prozent der Bewohnerinnen und 64 Prozent der Mitarbeiter des Heims am 14. Jänner immunisiert. Der Aufschrei war freilich groß. Immerhin zählt er mit seinen 46 Jahren und ohne Vorerkrankungen nicht zur Impf-Priorität I. Er erhielt eine der drei übrig gebliebenen Dosen. Die beiden anderen gingen an den Pfarrer und Kaplan der Gemeinde.

Nachricht von besorgter Bürgerin an Ortschef

Nun geht die Impf-Posse aber weiter. Denn kurz vor der Impfung erhielt Sabbata-Valteiner eine WhatsApp-Nachricht einer besorgten Bürgerin. Sie wollte vom Bürgermeister Informationen haben, wie es mit der Impfung für ihre pflegebedürftige 81-jährige Mutter aussieht, die nicht in einem Heim, sondern von ihr zuhause betreut wird. Laut Chat-Protokoll, das oe24 vorliegt, wollte sie wissen, wie sie zur Impfung für ihre Mutter kommen kann und "was wir aktiv dazu beitragen" können. Der Ortschef antwortete auf die Nachricht der Frau auch und erklärte: "Leider weiß ich darüber nichts. Es ist derzeit nur eine Ankündigung über die Medien, wie und wann es wirklich geschieht, darüber gibt es noch keine Auskunft". Und weiter: "Sollte dies über die Gemeinden organisiert werden, werden wir alle in Frage kommenden oder deren Angehörige umgehend informieren", so Sabbata-Valteiner. Nur sieben Tage später war der Bürgermeister bereits geimpft, die 81-Jährige musste aber weiter warten.

Österreichs Impfzahlen (Stand: 23.01.2021, 18.00 Uhr)

Bundesland Geimpfte pro 100 Einwohner Absolute Zahlen
Vorarlberg 2,59 10.285
Wien 2,18 41.569
Steiermark 2,09 26.013
Kärnten 2,01 11.310
Salzburg 1,85 10.355
Tirol 1,83 13.878
Oberösterreich 1,80 26.837
Burgenland 1,66 4.901
Niederösterreich 1,48 24.996
Gesamt
1,94
170.144

 

Wut-Nachricht nach Impf-Outing: "Herzliche Gratulation"

Als die Verfasserin der Nachricht davon Wind bekam, war sie naturgemäß wütend. Immerhin gab Sabbata-Valteiner via Medien an, keine Voranmeldungen gehabt zu haben und daher sei die Kritik nicht nachvollziehbar. Die Frau ließ ihrer Wut in einer erneuten WhatsApp-Nachricht freien Lauf. "Herzliche Gratulation zur Impfung. Danke, dass Sie sich die Impfung selbst gekrallt haben (...). Aber Hauptsache Sie haben meiner Mutter am Freitag noch ein Wählerevidenzblatt geschickt. Das ist ja in Ihren Augen sehr wichtig. Wichtiger auf jeden Fall, als Ihre Phase 1 Bürger vor Ihnen impfen zu lassen", schrieb sie.

Sehen Sie hier das Skandal-Interview des Feldkircher Bürgermeisters

Video zum Thema: So rechtfertigt sich Bürgermeister
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ÖVP Pottendorf tobt

Für die ÖVP Pottendorf ein absoluter Skandal. "Schon mehrere Wochen liegen Wunschlisten impfwilliger MitbürgerInnen bei den ortsansässigen Allgemeinmedizinern auf. Auch davon wusste der, sonst so gut über das Gemeindegeschehen informierte Bürgermeister, plötzlich nichts. Die Verknüpfung dieser Ereignisse (...) ist moralisch absolut untragbar.", schreibt die Volkspartei der Gemeinde auf Facebook.

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Sabbata-Valteiner: "Möchte keinem die Impfung wegnehmen"

Und was sagt der Bürgermeister? Auf oe24-Anfrage wiederholte Sabbata-Valteiner seine Aussage: "Es hat zu diesem Zeitpunkt keine Listen gegeben." Zudem würde die Organisation der Impfaktion über das Land Niederösterreich laufen und nicht über die einzelnen Gemeinden. Er habe erst einen Tag vorher von den Impfungen erfahren, sagt er. "Ich wurde am späten Mittwochnachmittag vom Heimleiter angerufen und darüber informiert, das wahrscheinlich drei Dosen übrig bleiben werden und ob er sich impfen lassen würde", erklärt der Bürgermeister. Zudem habe er extra nachgefragt, ob auch alle Personen im Heim, sowohl Bewohner, als auch Mitarbeiter, als auch Ehrenamtliche, ihre Dosis bekommen würden. "'Ich möchte keinem die Impfung wegnehmen', hab ich gesagt", erklärt er. Daraufhin habe der Heimleiter beteuert, dass alle alles bekommen würden und drei Dosen für ihn, dem Pfarrer und dem Kaplan übrig bleiben würden. Immerhin sei der Bürgermeister eine "Bezugsperson für dieses Haus", soll der Heimleiter erklärt haben. Daraufhin sagte er zu. Am nächsten Tag um 10 Uhr stand er dann im Altenheim und bekam die Impfung.

Bürgermeister: "Gemeinden haben keinen Zugriff auf Impflisten des Landes"

Aber wäre es nicht möglich gewesen wäre, die pflegebedürftige 81-Jährige an seiner Stelle für die Impfung vorzuschlagen? Denn im Impfplan der Regierung werden Pflegeheimbewohner geimpft, anschließend dann alle über 80-Jährigen. Allerdings ist es auch möglich, dass Impfstoff, der überbleibt und nicht weiter gelagert werden kann, vor Ort auch an einen Personenkreis verimpft werden kann, der noch nicht für die Impfung vorgesehen ist. "Zu diesem Zeitpunkt nicht", meint Sabbata-Valteiner. Er habe keinerlei Vorgaben oder Regelungen gehabt, da die Gemeinde in die Impfaktion nicht miteingebunden war. Er habe erst am 13. Jänner, also einen Tag nach Start der Impfaktion im Heim, erfahren, dass es diese überhaupt gibt, sagt er. Zudem habe die Seniorin in Pottendorf nur ihren Zweitwohnsitz und sei eigentlich in Wien gemeldet, erklärt er. Eine Registrierung für die Corona-Impfung sei dann erst am Wochenende darauf vom Land freigeschalten worden. "Wir Gemeinden haben keinen Zugriff auf diese Daten", sagt er zu oe24. Erst in einer Sitzung, Tage später, hätte er nähere Informationen rund um den Impfung erhalten.

 

„Meine“ COVID-19 Impfung

Nachdem von mehreren Seiten ausführlich darüber berichtet wurde, dass vorige Woche am Dienstag...

Gepostet von Thomas Sabbata-Valteiner am Mittwoch, 20. Januar 2021
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