Mord-Prozess:

Mehr als 30 Mal zugestochen

Mord-Prozess: "Ich dachte, Mama ist der Teufel"

Steiermark. Ein 32-jähriger Steirer ist am Freitag in Leoben wegen der Tötung seiner Mutter vor Gericht gestanden. Der Mann soll die 50-Jährige laut Gutachter während einer akuten Psychose in folge einer paranoiden Schizophrenie in "völliger Eskalation an Aggression und Vernichtungswillen" mit mehr als 30 Messerstichen umgebracht haben. 

Die Geschworenen hatten keine Zweifel, dass der 32-Jährige seine Mutter getötet hatte. Außerdem waren sich auch alle acht einig, dass er zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig war. Sie folgten damit der Einschätzung des Gutachters. Der 32-Jährige wurde vom Gericht unter Vorsitz von Richter Roman Weiß in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.
 
Der Steirer nahm das Urteil sofort an, auch die Staatsanwaltschaft verzichtete auf Rechtsmittel. Damit ist das Urteil rechtskräftig.

Von Beginn an ließen sowohl Staatsanwalt Andreas Riedler als auch die Verteidigerin des Steirers keine Zweifel aufkommen: Der 32-Jährige sei schwer krank und soll in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher untergebracht werden. Einen entsprechenden Antrag stellte die Staatsanwaltschaft und die Verteidigerin stellte auch schon im Eröffnungsplädoyer klar, dass sich der 32-Jährige nicht gegen eine Einweisung aussprechen will.

 

Steirer gestand emotionslos

Der Steirer - er befindet sich in medikamentöser Behandlung - gestand vor dem vorsitzenden Richter Roman Weiß und den Geschworenen emotionslos, betonte aber sogleich, dass er ein gutes Verhältnis zu seiner Mutter hatte. Er hatte sie regelmäßig besucht, manchmal blieb er auch über Nacht. Nur wenige Streitigkeiten sind bekannt. Dass er psychische Probleme hat, sei ihm das erste Mal Ende 2016 nach dem Tod seines Großvaters aufgefallen: "Da habe ich erstmals Stimmen gehört." Hinzu kam eine schwierige berufliche Herausforderung mit einer Baustelle in Frankreich. Es kam zu einem mehrwöchigen stationären Aufenthalt im LKH Graz II Standort Süd-West, der ehemaligen Landesnervenklinik Sigmund Freud (LSF).

Bei seiner Entlassung seien ihm Medikamente verschrieben worden, die er auch bis etwa September 2017 nahm, doch dann bekam er Angst wegen der im Beipackzettel ersichtlichen Nebenwirkungen. Außerdem hatte er weniger Stimmen gehört: "Ich kam auch ohne Medikamente gut klar. Im April habe ich dann aber wieder Stimmen gehört. Ich habe geglaubt, meine Arbeitskollegen wollen mich vergiften. Ich hatte einen Verfolgungswahn", erzählte er. Er sei nach Holland gefahren, um sich "Gras" zu besorgen: "Das hat es aber nicht besser gemacht."

Wenige Tage vor der Bluttat in St. Peter-Freienstein kündigte er seinen Job direkt auf der Baustelle in Deutschland fristlos und fuhr zurück nach Österreich. Zuerst zu seinem Vater, dann wollte er zu seiner Ex-Lebensgefährtin, die sich kurz davor von ihm getrennt hatte. Es gab Streit: "Ich hatte schon ein komisches Gefühl, gewalttätig zu werden, ich hörte Stimmen, die ließen mich nicht schlafen." Er entschied, dass er zu seiner Mutter fuhr. Dort verbrachte er einige Tage, rauchte mehrere Joints am Tag, doch es stellte sich keine Besserung ein.

 

"Diskutierte mit Stimmen über Geschichte"

In der Nacht auf den 10. Mai lag er wach im Bett. "Ich diskutierte mit den Stimmen über Geschichte. Für mich hatten die Habsburger wieder die Macht übernommen." Als er nicht schlafen konnte, wollte er sich Kaffee machen. Als seine Mutter in den Raum kam und ein Streit ausbrach, "habe ich die Nerven verloren", so der 32-Jährige.

"Ich bildete mir ein, sie sei der Teufel und dass ich diesen umbringen will. Wir begannen zu raufen", konnte er sich erinnern. Er habe in ihrem Gesicht die Fratze des Teufels gesehen. Nach einem heftigen Kopfstoß seinerseits ging die Mutter zu Boden und danach riss seine Erinnerung ab. Laut Gutachten wurden zwischen 30 und 40 Messerstiche in Brust, Rücken, Hals und vor allem auch im Gesicht gezählt. Rippen waren gebrochen, mehrfach auch Ober- und Unterkiefer.

Nach der Tötung ging er davon und wurde von einer Streife nur in Unterhose bekleidet am Bahnhof in Leoben entdeckt. Er bat um eine Einweisung in die Nervenklinik, und dahin wurde er auch von der Rettung gebracht. Erst wenige Stunden später stellte sich heraus, dass er seine Mutter wohl umgebracht hat. Er gestand und wurde festgenommen. Heute gehe es im psychisch "relativ gut mit den Medikamenten", aber sonst gehe es ihm "beschissen, weil ich meine Mama vermisse. Sie war die Beste", meinte er mit gedrückter Stimme.

Der Gutachter sprach von einer "Generalvernichtung", keiner einfachen Tötung: "Es ging ihm um die Vernichtung des Teufels." In der Fachsprache war es ein "Overkill" von Monströsität, wie selten unter den Straftaten, so der Sachverständige. Mehr als 30 Stiche und auch ins Gesicht, das "belegt den hohen Störungsgrad". Der 32-Jährige leide "außer Zweifel an einer schweren Krankheit". Paranoide Schizophrenie gehe mit fremden Stimmen und schweren Wahnvorstellungen einher. Cannabis oder Alkohol seien als Ursachen für die Tat auszuschließen. In einem "raptischen Sturm" - einem Aggressionsausbruch - konnte er nicht reflektieren, was er darf und was nicht. Daher sei er klar nicht zurechnungsfähig gewesen. "Ich halte ihn für einen gefährlichen Menschen. Er hat eine schwere Geisteskrankheit und würde so etwas wieder tun." Eine Einweisung sei nach Meinung des Gutachters "unumgänglich".

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