Blaulicht polizeieinsatz

Nach elf Jahren

Sprengstoffanschlag auf Grazer Asylunterkunft geklärt

Damals 15-Jähriger gestand. Amtsbekannter Rechtsextremer soll ihn zum Anschlag genötigt haben.

Ermittler haben einen mehr als elf Jahre zurückliegenden Sprengstoffanschlag auf eine Grazer Asylunterkunft geklärt: Ein damals 15-Jähriger gestand, dass er 2010 von einem amtsbekannten Rechtsextremen zur Tat genötigt worden sei, um "in die rechtsextreme Clique" aufgenommen zu werden, hieß es am Montag in einer Aussendung des Innenministeriums. Fahndungsfotos, die im Vorjahr einem Zeugen vorgelegt worden waren, hatten den Verdächtigen überführt.

In der Nacht auf den 11. September 2010 war es vor einem Flüchtlingswohnheim der Caritas in der Mitterstraße zu einer Explosion gekommen. Ein damals noch unbekannter Täter hatte einen selbstgebauten Sprengkörper mit Schwarzpulver gezündet. "Trotz der unvorhersehbaren Wirkung des Sprengkörpers wurden keine Personen unmittelbar verletzt", hieß es seitens des Ministeriums. Ein Bewohner schreckte jedoch infolge der Detonation auf, stürzte aus dem Bett und zog sich eine Kopfverletzung zu.

Am Gebäude wurde das Mauerwerk beschädigt und auch ein nahestehendes Fahrrad wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die Asylunterkunft war damals mit 35 Personen bei insgesamt 36 Plätzen fast vollständig belegt.

Die nach der Tat eingeleiteten Ermittlungen verliefen zunächst ergebnislos. Der Verdacht gegen zwei im Zuge von Zeugenaussagen ausgeforschte, mutmaßliche Täter bestätigte sich nicht. Auch eine Fahndung, bei der Videos aus einer Überwachungskamera veröffentlicht wurden, brachte keine weiteren Erkenntnisse.

Bei weiterführenden Ermittlungen des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) Steiermark wurden die damals gesicherten Videoaufzeichnungen und Fahndungsfotos im August 2020 einem Zeugen vorgelegt. Dieser erkannte dann einen Verdächtigen wieder. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Graz wurde der mutmaßliche Täter befragt und er gestand den Angriff, doch er sei dazu genötigt worden.

Die Ermittlungen führten dann zu sechs weiteren namentlich bekannten Verdächtigen. Nach zumindest einem weiteren Mittäter wird noch gesucht. Drei der ausgeforschten Männer stehen im Verdacht, an der Tatausführung beteiligt gewesen zu sein, ein anderer Verdächtiger wurde wegen einer verbotenen Tätowierung nach dem Verbotsgesetz sowie wegen des Verdachts der Zeugenbeeinflussung angezeigt. Gegen einen weiteren Beschuldigten wird ermittelt, weil er einen der Mitbeschuldigten dazu genötigt haben soll, seine Aussage zurückzunehmen.

Zwei Beschuldigte wurden vorläufig festgenommen. Insgesamt kam es zu drei Hausdurchsuchungen, bei denen insgesamt 21 Mobiltelefone, fünf Laptops, Tablets und Computer sowie verschiedene Datenträger sichergestellt werden konnten. Bisher ist aber nur ein Verdächtiger geständig, weitere Ermittlungen laufen.
 



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