Ab 6. bzw. 7. Juli

Tiroler Fahrverbote: Land weitet auf Kufstein und Reutte aus

Das Land Tirol weitet die bereits verhängten Fahrverbote auf Kufstein und Reutte aus. 
Nach den für die Wochenenden bis Mitte September verhängten Fahrverboten auf dem niederrangigen Straßennetz nach den Autobahnausfahrten im Großraum Innsbruck geht das Land Tirol nun einen Schritt weiter. Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) kündigte am Freitag bei einer Pressekonferenz weitere Fahrverbote für die Bezirke Kufstein im Unterland und Reutte im Oberland an.
 
Die Fahrverbote sollen ab dem Wochenende des 6. und 7. Juli in Kraft treten und - wie die in der Vorwoche verhängten Fahrverbote - bis 14. bzw. 15. September andauern. Im Bereich Kufstein soll es laut Platter zu einem Mix aus Fahrverboten und Dosierungen mit sogenannten Dosierampeln kommen. An diesem Wochenende werde die Situation vor allem in Reutte genau beobachtet und an gewissen Stellen bei "Gefahr in Verzug" von der Polizei Sperrungen durchgeführt.
 

Neuer Protest italienischer Frächter

Der italienische Frächterverband Conftrasporto protestiert erneut gegen die Tiroler Fahrverbote. Als Reaktion auf die Fahrverbote forderte Conftrasporto-Präsident Paolo Ugge die italienische Regierung auf, eine Sondermaut in Italien für aus Österreich kommende Lkw einzuführen.
 
"Nur dank der Reaktion aller betroffenen europäischen Länder wird es endlich eine Antwort von den Technokraten in Brüssel geben, die uns im Umgang mit den Tiroler Fahrverboten im Stich lassen", hieß es in einer Presseaussendung des Verbands.
 
Ugge dankte dem italienischen Verkehrsminister Danilo Toninelli und seinem deutschen Amtskollegen Andreas Scheuer, die in einem Schreiben an EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc Anfang dieser Woche die EU-Kommission erneut dazu aufgerufen haben, Druck für eine Abschaffung der "restriktiven Maßnahmen" Tirols auszuüben. Das Schreiben jedoch genüge nicht. "Österreich hat seit jeher versucht, den Transit italienischer Waren zu verhindern. 2004 war Österreichs Ökopunkte-System versenkt worden, doch das Land führt nach wie vor Fahrverbote ein", kommentierte Ugge.
 
Auch der Unternehmerverband Südtirol protestiert gegen Tirol, das die Fahrverbote weiter verschärfen will. "Für eine nachhaltige Mobilität müssen wir gemeinsam auf Innovation und neue Technologien und nicht auf Verbote setzen, die sich einzig auf den Wettbewerb und nicht auf die Umwelt auswirken", unterstreicht der Präsident des Unternehmerverbandes Südtirol, Federico Giudiceandrea, in einer am Freitag veröffentlichten Presseaussendung.
 
"Das sektorale Fahrverbot schafft unter dem Vorwand des Umweltschutzes einzig eine Situation der Wettbewerbsverzerrung zugunsten der Wirtschaft Tirols. Das Fahrverbot gilt nämlich nicht für aus Tirol kommende oder für Tirol bestimmte Waren, die auch weiterhin mit Lkws der älteren Generation transportiert werden können, während moderne, emissionsarme und leisere Fahrzeuge nicht durch Tirol fahren dürfen. Wenn das Ziel wirklich die Verringerung der Luftverschmutzung ist, so muss die Technologie des Lkw und nicht die transportierte Ware im Vordergrund stehen", so der Unternehmerverband.
 
Auch die Nachtfahrverbote oder die Blockabfertigungen würden den Verkehr nicht reduzieren, sondern ihn lediglich auf wenige Stunden konzentrieren, hieß es. Dies verursache Staus und eine höhere Umweltbelastung. "Nachhaltig wäre, die neuen emissionsarmen Lkws verstärkt in den Nachtstunden fahren zu lassen, wenn die Autobahnen weniger befahren sind, und gleichzeitig die Verlagerung des Warenverkehrs auf der Schiene weiter voranzutreiben. Die neue Brennerbahnlinie schafft hierfür die notwendigen Infrastrukturen", so Giudiceandrea abschließend.
 
 
Aufatmen auf dem "anderen Planeten"
 
Atempause vom Verkehr: Anrainer in den betroffenen Gemeinden bescheinigen den für den Autobahn-Ausweichverkehr auf den Landstraßen bei Innsbruck verhängten Fahrverboten eine hohe Wirksamkeit. Bei einem APA-Lokalaugenschein betonten Befragte, die in diesen Gemeinden leben oder arbeiten, unisono, dass es "höchste Zeit" für diese Maßnahme gewesen sei.
 
Um die Mittagszeit unter der Woche merkt man in der Gemeinde Aldrans wenig von der Verkehrslawine, die ansonsten regelmäßig durch das Dorf rollt. Oder rollte. Besonders schlimm soll es auf der Innsbrucker Straße sein. Dort befindet sich auch ein Dorfcafe. Die Chefin des Hauses macht ihrem Ärger über die - bis zu den verhängten Fahrverbotenen - vor allem am Wochenende wiederkehrende Situation auch gleich deutlich Luft. "Es war wirklich allerhöchste Zeit", sagt sie: "Ich bin seit 30 Jahren hier, doch was in den letzten Jahren abging, war wirklich unerträglich". Ein Gast stimmt ihr lautstark zu: "Es hat sich wirklich um einen Notfall gehandelt". Die Fahrverbote seien "richtig so", so der Mann. Diese habe man jedenfalls "deutlich gemerkt", sind sich beide schnell einig.
 
Vor dem Cafe wirkt die Gemeinde bei brütender Hitze fast wie ausgestorben. Nur vereinzelte Passanten haben sich auf die Straße gewagt. Zwei Damen, plaudernd und eine davon im Auto sitzend, vertreten die selbe Meinung wie die Chefin des Cafés. "Die Staus waren schon sehr intensiv", hält eine von beiden fest. "Die Fahrverbote bewegen sehr viel", erzählt die zweite Frau. Was sich Tirol in Sachen Fahrverbote "traut", finden beiden "sehr gut".
 
Ein älteres Ehepaar in Sistrans hat ebenfalls eine klare Haltung. "Für die Bevölkerung war die Entscheidung für die Fahrverbote definitiv gut", meint der ältere Herr. Die Proteste aus Bayern und aus dem Ausland stoßen bei ihm auf wenig Verständnis. "Dahinter steckt doch die Frächterlobby", ist er sich sicher. Seine Frau schweigt und nickt. Eine gerade vorbeieilende Passantin, unterwegs mit einem kleinen Kind und zwei Rollern, wird deutlicher: "Es war eine Katastrophe. Platter soll Kurs halten, sonst bin ich grantig". Die Auswirkungen der Fahrverbote habe man "sofort gemerkt": "Es waren plötzlich nur mehr Einheimische unterwegs".
 
Mit etwas Pathos wartet ein Kellner in einem Wirtshaus in Lans auf. "An dem Wochenende mit den Fahrverboten war es wie auf einem anderen Planeten", meint er und nimmt Bezug auf die Verkehrssituation in einem anderen Teil Tirols: "Bis dahin war es ja schon ähnlich wie im Winter im Zillertal". Am Pfingstwochenende habe der Verkehr beispielsweise bereits um 9.00 Uhr begonnen und sei dann "nicht mehr abgerissen". Wortkarger und doch d'accord mit den anderen Befragten gibt sich der Restaurantleiter in einem anderen, nahe gelegenen Wirtshaus. "So konnte es nicht mehr weitergehen, die Entscheidung war richtig". Dann geht er wieder seiner Arbeit nach. Und hofft, dass die wiedergewonnene Verkehrs-Normalität anhält.

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