Jahrhundertkatastrophe in Kärnten

Trauer im Tierparadies

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Die Jahrhundertkatastrophe in Kärnten erschüttert ganz Österreich. Tagelang war Arriach abgeschottet. Erst jetzt wird das Schreckens-Ausmaß sichtbar – wie die Tragödie am Pilsachhof zeigt.

Es war nicht nur ein Urlaubsparadies für Familien, sondern auch ein Zufluchtsort für Tiere. Binnen weniger Stunden wurde das Lebenswerk von Rita und Rupert Gollner nach 20 Jahren in der Nacht auf Mittwoch zunichtegemacht. Der beliebte Pilsachhof in Kärnten gleicht einer Schlammwüste.

Pilsachhof

Das einstige Gartenparadies ist für Mensch und Tier am Pilsachhof gleicht jetzt einer Schlammwüste.

© privat
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Die Jahrhundertkatastrophe in Kärnten hinterlässt Verwüstung und Trauer. Familie Gollner verlor dabei fast alle ihrer geliebten 30 Tiere, die bei den engagierten Tierschützern eine Zuflucht gefunden hatten. Der Stall, zuletzt Herberge für drei Pferde, zwei Ponys, zwei Esel, Schaf Heidi und acht Katzen, wurde zum größten Teil zerstört. Unter lebensgefährlichen Umständen versuchte das Ehepaar, die Tiere zu retten. Ein Pferd und ein Pony konnten noch befreit werden, ehe die Mure alles unter sich begrub. Es gleicht einem kleinen Wunder, dass die Kater Julius und Harlekin sich rechtzeitig vor den Schlammmassen retten konnten. Ein kleiner Lichtblick.

Infrastruktur in Arriach komplett zerstört

Mehrere Tage war die Gemeinde Arriach, die als „Mittelpunkt Kärntens“ nicht nur bei Touristen im Sommer beliebt und als Nachbarort von Ski-Olympiasieger Matthias Mayer bekannt ist, von der Außenwelt abgeschnitten. Kein Strom, kein Wasser, kein Telefonnetz – die Infrastruktur gänzlich vernichtet.
Soldaten des Bundesheers sind seit Tagen im unermüdlichen Dauereinsatz, um die Versorgung der Haushalte zu ermöglichen. Seit Freitag ist ein neuer Katastrophenzug mit knapp 160 Frauen und Männern sowie 22 Fahrzeugen im Einsatz. Die von der Außenwelt abgeschnittene Gemeinde kann inzwischen mit geländetauglichen Einsatzfahrzeugen erreicht werden. Aber: Dringend benötigtes schweres Gerät kann noch nicht passieren.

Pilsachhof
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Freiwillige helfen von früh bis spät am Pilsachhof

Auch Sohn Martin Gollner konnte nach Tagen der Ungewissheit seine Eltern endlich in die Arme schließen. Die Feuerwehr eskortierte ihn direkt zum Grundstück. Noch immer herrscht strenges Betretungsverbot. Das Ausmaß der Katastrophe muss er erst verarbeiten. „Es ist schwer zu begreifen. Es ist wie ein Schlachtfeld.“
Neben der Hilfe der Feuerwehr und des Bundesheeres treffen immer mehr Freiwillige ein, um mitanzupacken. Etwa 20 Menschen arbeiten von früh bis spät, um die Schlammassen, Schutt und Geröll zu beseitigen. „Sie sind die einzige Hoffnung, die wir derzeit haben“, sagt Martin Gollner.

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Schadensausmaß noch nicht ermittelt

Die Folgen des verheerenden Jahrhundert-Unwetters treffen den Hof in existenzbedrohendem Maße. „Es gibt kein Warmwasser, die Kanalisation wurde komplett weggeschwemmt“, berichtet der gebürtige Vorarlberger. „Das Dringendste, was wir benötigen, ist eine Hackschnitzelanlage (Anm.: Holzheizung) für das Warmwasser. Die wurde komplett zerstört.“ Auch schweres Gerät für die Wiederherstellung der Infrastruktur muss angeschafft werden. „Wir hoffen, dass sich eine Tiefbau-Firma findet, die uns helfen kann.“ Die tatsächliche Schadenshöhe kann noch nicht ermittelt werden. Die Politik stellt bis zu 10.000 Euro pro Haushalt als Direkthilfe zur Verfügung. „Das wird lange nicht reichen. Alleine die Straße nach Arriach wird Millionen kosten.“

Pilsachhof

Ein Wunder: Die Kater Julius und Harlekin konnten sich noch retten.

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Fakt ist, die finanzielle Situation ist durch den Ausfall der Sommersaison mehr als prekär - ein Spendenkonto wurde eingerichtet (https://de-de.facebook.com/Pilsachhof/). Der Wiederaufbau des Familienbetriebs Pilsachhof ist für Mensch und Tier eine zweite Chance.
 

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