Soll Adoptivtochter missbraucht haben: Prozess in Wien

Kind steckte sich mit Geschlechtskrankheit an

Soll Adoptivtochter missbraucht haben: Prozess in Wien

Wegen des sexuellen Missbrauchs seiner Adoptivtochter hat sich am Dienstag ein Amerikaner am Wiener Straflandesgericht verantworten müssen.

Wien.  Der 58-jährige Familienvater soll sich laut Anklage in den Jahren 2013 bis 2014 am damals neunjährigen Kind mehrmals wöchentlich vergangen haben. Der Mann wies jegliche Schuld von sich, er sah hinter den Anschuldigungen eine Rache seiner Ex-Frau.

Das Paar lernte sich im Jahr 2004 kennen, als der Amerikaner der Frau einen Job in Ungarn verschaffte. Der gebürtige Russe, der es mit Immobiliengeschäften zu stattlichem Reichtum schaffte, stellte die Frau in seinem in den USA und Europa weitverzweigten Unternehmen an. Eine Wohnung in New York, ein Haus in Miami und europäische Immobilien im Wert von insgesamt 15 Millionen Dollar (an die 13,5 Millionen Euro) sollen laut Angaben des Angeklagten in seinem Besitz sein.

Als die beiden eine Beziehung eingingen, war die Frau allerdings schwanger von einem anderen Mann. Nach der Geburt adoptierte der 58-Jährige das Mädchen, wie er dem Schöffengericht (Vorsitz: Martina Hahn) erzählte. Im Laufe der Jahre wurden zwei weitere Kinder geboren. Die Familie übersiedelte nach Wien, der Amerikaner pendelte daraufhin mehrfach zwischen den USA und Österreich hin und her.

Klagte über Schmerzen im Intimbereich

2014 - als es in der Ehe bereits kriselte - klagte die Erstgeborene über Schmerzen im Intimbereich. Eine Hautärztin stellte bei der mittlerweile Zehnjährigen eine Geschlechtskrankheit fest. Die Mutter fiel aus allen Wolken, als das Kind dann von den Übergriffen des Adoptivvaters erzählte und erstattete Anzeige. Laut Staatsanwalt war der Missbrauch "lange, furchtbar und in vielen Angriffen". Der 58-Jährige habe laut Ankläger stets gewartet, wenn er mit dem Kind alleine zu Hause war bzw. wenn alle anderen geschlafen hätten.

Mann angezeigt

Der Beschuldigte erfuhr in seiner Heimat von der Anzeige der Frau, kehrte daraufhin - aus Angst festgenommen zu werden - nicht mehr nach Österreich zurück. Im September 2019 wurde der Amerikaner in seinem Haus in Miami festgenommen und im Dezember 2019 nach Österreich ausgeliefert.

Bekannte sich vor Gericht "nicht schuldig"

Bisher machte er vor den Behörden keine Angaben, vor Gericht bekannte er sich nicht schuldig. Er machte die Mutter des Kindes - seine mittlerweile von ihm geschiedene Frau - dafür verantwortlich, dass das Mädchen solche Aussagen machen würde. "Sie ist ein Werkzeug in den Händen ihrer Mutter", meinte der Angeklagte. Seine Ex-Frau hätte einen Tag vor der Anzeige auch Firmengelder auf die Seite geschafft, um ihm zu schaden.

Aufgrund seiner teils monatelangen Aufenthalte in den USA sei ein Missbrauch gar nicht möglich gewesen. Da die Familie bis zu zwei Kindermädchen engagiert hatte, wäre auch keine Möglichkeit gewesen, mit dem Mädchen allein zu sein. "Es waren immer fünf bis sechs Personen in der Wohnung anwesend", meinte er. "Das Motiv der Anzeige ist Geld."

Der Angeklagte legte nun im Prozess über seinen Verteidiger das Untersuchungsergebnis eines US-Arztes vor. Als er von den Anschuldigungen hörte, sei er sofort in die Praxis eines renommierten Professors in Manhattan gegangen und hätte sich untersuchen lassen. Der Mediziner kam zu dem Schluss, dass er diese Geschlechtskrankheit nicht habe. Vielmehr könnten sich die Viren bei der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen haben, meinte der Beschuldigte. "Warum haben sie das nicht schon vor fünf Jahren vorgelegt?", fragte der Staatsanwalt. Er hätte das Attest seinem damaligen Anwalt übermittelt, sagte der 58-Jährige. Ob dieser es weitergeleitet habe, wisse er nicht.

Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Ob es da tatsächlich zu einem Urteil kommen wird, ist fraglich. Am zweiten Verhandlungstag wird zwar jene Hautärztin aussagen, die das Kind untersucht hatte. Wahrscheinlich wird aber noch ein Gutachten notwendig sein, um zu beweisen, dass der Mann tatsächlich nicht infiziert ist.

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