Wiens Bürgermeister im oe24-TV-Interview

Ludwig: "Weitere Schritte, wenn Maßnahmen nicht greifen"

Wiens Bürgermeister Ludwig
© Getty Images; Wolfgang Wolak
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig spricht im ÖSTERREICH-Interview über den Ost-Lockdown, die Situation an den Intensivstationen und die Kontrollen der Corona-Maßnahmen.
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ÖSTERREICH: Die „Osterruhe“ tritt erst am Donnerstag in Kraft. Sie wollten längere Maßnahmen, oder?

Michael Ludwig: Die Beschlussfassung, mehr FFP2-Masken und die Osterruhe, ist ein Kompromiss gewesen. Ich bin der Meinung der Experten gefolgt, dass zwei oder sogar drei Wochen besser wären. Ich hatte in der Sitzung am Dienstag rasche und rigide Maßnahmen gefordert. Und ja, ich würde weitere Schritte setzen, falls die Maßnahmen nicht schnell und ausreichend greifen.

ÖSTERREICH: Und wenn sich die Situation in den Intensivstationen nicht ausreichend entspannt, wie viele Experten befürchten? Kommt dann ein längerer Lockdown?

Ludwig: Dann wird nicht nur eine Verlängerung notwendig sein, sondern Maßnahmen, die über das Bestehende hinausgehen. Es geht um die Sicherheit und Gesundheit unserer Bevölkerung. Mein Ziel ist es, die Bevölkerung zu schützen und die Intensivstationen zu entlasten.

ÖSTERREICH: Leider sind die Intensivstationen in Wien bereits am Limit, Operationen werden abgesagt und die Situation wird sich noch verschärfen. Hat man nicht zu lange mit dem Lockdown gewartet?

Ludwig: Zunächst möchte ich mich bei allen Ärzten und Pflegekräften für ihre überdurchschnittliche Leistung und ihren Dauereinsatz bedanken. Die britische Variante ist für alle ansteckender und es trifft auch viele junge Menschen, die sehr schwere Verläufe haben. Ich kenne selber mehrere jüngere Menschen, darunter auch von politischen Mitbewerbern, die keinerlei Vorerkrankungen hatten, die sportlich sind und jetzt auf der Intensivstation versorgt werden müssen. Und leider bleiben diese jüngeren Menschen auch länger auf den Intensivstationen, was den Druck auf die Krankenhäuser erhöht.

ÖSTERREICH: Aber kommen die Maßnahmen nicht zu spät?

Ludwig: Dazu muss ich schon klar sagen, dass in der Pandemie die Bundesregierung die Verantwortung trägt. Der Bund hat im Herbst im Parlament erweiterte Kompetenzen für das Handeln der Bundes­regierung beschließen lassen. Sie hätten jederzeit Maßnahmen beschließen können. Die Landeshauptleute sind alle – parteiübergreifend – bereit, auch Verantwortung zu übernehmen und zu helfen. Aber die Hauptverantwortung im Pandemiemanagement liegt ganz eindeutig bei der Bundesregierung. Konkret bei Bundeskanzler und Gesundheitsminister.

ÖSTERREICH: Wenn man durch die Stadt geht, sieht man auch sehr viele größere Gruppen, die eng an eng stehen. Wie wollen Sie den Menschen den Ernst der Lage klarmachen?

Ludwig: Ich appelliere an alle, sich so diszipliniert wie möglich an die Maßnahmen zu halten, damit wir gemeinsam unser Ziel erreichen können, dann in ein möglichst normales Leben zurückzukehren. Jetzt geht es um die Gesundheit jedes Einzelnen. Es wird auch eine starke Polizeipräsenz geben und die Gruppe für Sofortmaßnahmen ist im Einsatz. Größere Menschenansammlungen werden wir nicht tolerieren. Ich bitte alle, Abstand zu halten, Masken zu tragen und die Kontakte zu beschränken.

Interview: Isabelle Daniel

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