Wien

Mord in Wien-Döbling: Todesschütze fühlte sich verspottet

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Warum erschoss Alois H. einen Gemeindebau-Nachbarn, zu dem er kaum Kontakt hatte?

Derzeit sieht alles nach einer psychischen Erkrankung aus, die dazu führte, dass der 46-jährige bisher (fast) völlig unauffällige Alois H. am Montag in der Hameaustraße in Neustift am Walde in Wien-Döbling den Angestellten Andreas U. mit einem Kopfschuss tötete. Der Hobbyfotograf war mit einer Bewohnerin des Gemeindebaus und zeitweiligem Model von ihm im Hof zusammengesessen, die ihm zum Geburtstag gratulierte. Man sah sich YouTube-Videos an, quatschte und lachte über besonders witzige Clips.

Nach der Kündigung aus der Bahn geworfen

Letzteres könnte nach neuesten Erkenntnissen die folgenden tödlichen Ereignisse ausgelöst haben: Wie ÖSTERREICH von mehreren informierten Quellen erfuhr, fühlte sich der unscheinbare, verheiratete, aber kinderlose Tischler und Hausarbeiter des Magistrats bei der Feuerwehr von allem Erfolgreichen und Beliebten verfolgt und verspottet, eine Grundstimmung, die sich bei dem völlig unscheinbaren Mann noch verstärkte, als H. im Vorjahr aus noch nicht bekanntem Anlass im Frühjahr gekündigt wurde. Bis zum Herbst war er in Beschäftigung, seitdem ist er arbeitslos. Möglicherweise entwickelte er damit eine schwere Depression – jeder Ausdruck guter Laune ging ihm auf den Keks; mehrmals beschwerte er sich bei der Hausmeisterin über den „Lärm“, wenn sich Leute länger im Hof aufhielten, und sogar bei der Polizeibefragung nach der Tat – wo er vor allem durch wirre Aussagen und dem Fehlen jeder Erinnerung „glänzte“ – beschwerte er sich bei den Ermittlern, warum sie ihn auslachen würden …

Am Freitag wurde über den Verdächtigen, der von Promi-Anwältin Astrid Wagner vertreten wird, die U-Haft verhängt. Eine dokumentierte psychiatrische Vorgeschichte scheint es nach ÖSTERREICH-Recherchen keine zu geben. Die Staatsanwaltschaft hat bereits bestätigt, dass in jedem Fall ein Gutachten eingeholt wird, um abzuklären, ob der Mann zurechnungsfähig ist – oder ob er den Verrückten nur spielt. (kor)

Video zum Thema: Zeugin: "Ich habe den Täter nur vom Vorbeigehen gekannt"

Zeugin: "Zuerst dachte ich, dass er auch mich erschießen wird"

Oe24.TV: Sie haben die Tat hautnah miterlebt. Was genau ist passiert?

Anna B.: Wir haben uns auf die Bank gesetzt. Nach einer Stunde kam der Täter. Er sagte kein Wort und wirkte nervös. Ich fragte, wie es ihm ginge, um die Situation aufzulockern. Er beachtete mich nicht. Dann zog er die Waffe und richtete sie auf Andreas.

Oe24.TV: Sie dachten, dass es keine echte Waffe ist?

Anna B.: Der Schuss kam wie aus dem Nichts. Ich dachte zuerst, dass er Spaß machen will, um Andreas zu erschrecken. Dann kam vom Täter nur ein Satz: „Geh bleib ruhig, es ist gleich vorbei.“ Danach drückte er ab. Andreas kippte daraufhin seitlich um. Es hörte sich an, als ob ein Eimer Wasser auf den Boden platschen würde. Es war richtig viel Blut zu sehen. Da habe ich erst realisiert, was passiert ist, und rannte sofort davon.

Oe24.TV: Das heißt, Sie saßen beim Schuss gleich neben dem Opfer?

Anna B.: Ich saß bei der Tat gegenüber vom Opfer.

Oe24.TV: Es hätte also theoretisch auch Sie treffen können? Das war Ihrer Meinung nach wirklich ein willkürlicher Akt von ihm?

Anna B.: Im ersten Moment dachte ich, dass er auch mich erschießen will. Aber anscheinend hat er sich an einer Person sozusagen abreagiert. Ich weiß nicht, warum, aber er hat mich an diesem Abend komplett ignoriert. Er hat mich nicht angeschaut, nichts gesagt. Ich war einfach nur Luft für ihn.

Oe24.TV: Haben Sie eine Vermutung, warum der Täter das Opfer erschossen hat?

Anna B.: Nein, wir sind ruhig dagesessen und haben Videos geschaut. Eine Vermutung habe ich nicht, denn wir kannten den Täter nur vom Sehen. Wir haben ihn aus Höflichkeit immer gegrüßt. Weder ich noch Andreas hatten sonst irgendeinen Kontakt zu ihm.

Oe24.TV: Es gab Gerüchte von einer Dreiecksbeziehung. Diese stimmen demnach nicht?

Anna B.: Da ist null Wahrheit dran. Wie gesagt, ich habe den Täter nur im vorbeigehen gesehen. Er hat gar keinen Kontakt zu mir gesucht. Ich finde es eine Frechheit von den Medien, dass Gerüchte verbreitet werden, die nicht der Wahrheit entsprechen. Und es ist respektlos gegenüber dem Opfer, auch gegenüber der Frau des Täters. Das möchte ich hiermit klarstellen.

Oe24.TV: Jetzt haben Sie gesagt, dass der Täter unscheinbar war, ein unsichtbarer Mensch. Was wissen Sie denn eigentlich über ihn?

Anna B.: Wir haben uns wie gesagt nur gegrüßt, maximal „Wie geht’s?“ gefragt, und das war es auch schon. Er war allen Nachbarn freundlich gegenüber. Es gab nie einen Streit, weder mit uns noch mit andern Nachbarn.

Oe24.TV: Wie war denn Andreas, das Opfer?

Anna B.: Ein guter Freund von mir, ein guter Freund von vielen Leuten. Andreas war ein Mensch, den man um jede Uhrzeit, auch mitten in der Nacht, aufwecken konnte. Wenn man etwas brauchte, war er sofort da. Er wird uns allen sehr fehlen. So einen Menschen gibt es kein zweites Mal.

Niki Fellner

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