lichtermeer

Gedenken

70 Jahre Anschluss - Lichtermeer am Heldenplatz

Rund 80.000 Kerzen erinnerten an die Opfer des NS-Regimes. Auch zahlreiche Politiker waren anwesend.

Mit einer Nacht des Schweigens haben zumeist Jugendliche am Wiener Heldenplatz des 70. Jahrestages des "Anschlusses" gedacht. Rund 80.000 Kerzen sollten an die ebenso vielen Opfer des NS-Regimes erinnern. Anwesend waren neben Vertretern der Jugendorganisationen auch Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S), Vizekanzler Wilhelm Molterer (V) und mehrere Minister.

Beifall für Vranitzky
Am meisten Beifall erhielt Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky (S). Er erinnerte an einen jüdischen Freund, der viele Jahre, nachdem Adolf Hitler auf dem Heldenplatz zu den Menschenmassen gesprochen hatte, denselben Balkon der Hofburg betrat. Vranitzky bezeichnete dies als eine Art Sieg gegen das NS-Regime und sagte zu den Anwesenden: "Alle, die hier hergekommen sind, haben den Verbrecher Adolf Hitler besiegt. Wir müssen ihn immer wieder besiegen und das werden wir tun." Der Altkanzler sagte außerdem, dass es keine Wiedergutmachung für die Verbrechen gebe. "es wäre unverschämt und schändlich, so etwas zu behaupten."

Indirekte Kritik an Otto Habsburg
Vor Vranitzky hatte der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny das Wort: "1938 ist nicht einfach passiert", mahnte er. Der Anschluss sei nicht nur ein äußerer gewesen, ein innerer sei in Österreich vorangegangen. Ohne auf ihn direkt einzugehen, kritisierte Mailath-Pokorny die Worte Otto Habsburgs, der am Montag bei einer Gedenkveranstaltung der ÖVP nachträglich für Wirbel gesorgt hatte. Wer davon spreche, so der Wiener Kulturstadtrat, dass Österreich das erste Opfer des Nazi-Regimes gewesen sei, vergesse, dass bereits vorher eine Diktatur geherrscht habe.

Seniorenratspräsident und Ex-Nationalratspräsident Andreas Khol (V) erinnerte direkt nach Mailath-Pokornys Rede: "Die Hunderttausenden, die hier standen, sind nur eine Seite der Wahrheit." Man müsse die ganze Wahrheit betrachten - "der Opfer und der Täter". Als weitere Rednerin trat Zeithistorikerin Erika Weinzierl auf. Sie versuchte anhand von Einzelbeispielen den zahlreichen Jugendlichen am Heldenplatz die Verbrechen der Nazi-Diktatur anschaulich zu machen. "Ich glaube, dass mehr Österreicher gewusst haben, was mit den jüdischen Freunden geschehen ist", sagte sie.

Opfernamen im Zwei-Sekunden-Takt auf Leinwand projeziert
Vor den Reden hatten acht Cellisten der Wiener Symphoniker für die musikalische Untermalung der Gedenkveranstaltung gesorgt. Nach dem offiziellen Teil kehrte Stille ein. Im Zwei-Sekunden-Takt sollen noch bis 6.00 Uhr früh alle namentlich bekannten Opfer der Nationalsozialisten auf die Leinwand projiziert werden.

Angaben über die Anzahl der Besucher am Heldenplatz gab es von den Veranstaltern keine.

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