Buch: Was auf Ibiza noch alles geschah

Erklärung auf 267 Seiten

Buch: Was auf Ibiza noch alles geschah

7 Minuten Ibiza-Videos führten zum Sturz der Regierung. Jetzt erscheint das Buch dazu.

Heute wird ein neues Kapitel im größten innen­politischen Skandal der letzten Jahre aufgeschlagen. Die Ibiza-Affäre. Innenansichten eines Skandals, das Buch von Frederik Obermaier und Bastian Obermayer, beide Journalisten der Süddeutschen Zeitung, ist ab sofort zu kaufen.

Politbombe

Die Reporter aus Deutschland veröffentlichten bis heute sieben Minuten von insgesamt sieben Stunden Gesprächen. Dieses kurze Video alleine schlug ein wie eine Bombe:­Vizekanzler Heinz-Christian Strache trat zurück, die Regierung löste sich auf. Österreich wählt als Konsequenz des Videos am 29. September einen neuen Nationalrat.
Gegengeschäfte. Auf 267 Seiten veröffentlichen die Aufdecker jetzt das Buch zum Skandal. Es beschreibt im Detail alle Ereignisse des lauen Sommerabends am 24. Juli 2017. Die beiden Autoren erklären in dem Buch: „Der mit Abstand größte Teil – von Anfang bis Ende“ des Abends beschäftigte sich mit Politik und Gegengeschäften.

Als Gespräch ernst wird, wechselt man ins Innere

  • Das Vorspiel. Etwa um 19 Uhr wird das Abendessen serviert: Wolfsbarsch-Carpaccio, Sa­shimi, Champagner und Wein. Heinz-Christian Strache, Johann Gudenus, Wiens Vizebürgermeister, und seine Frau Tajana sitzen mit den Gastgebern – der vermeint­lichen Oligarchennichte Aljona Makarowa und einem Vertrauten – auf der Terrasse. Strache schwärmt von einem Loikal auf Ibiza: „Drei Liter Rosé, Champagner, Wodka, Austern und Kaviar. So teuer war’s net“, findet der Vertreter der kleinen Leute: „1.600 Euro für 12 Leut’.“
  • Parteispenden. Die Gäste aus Österreich ahnen nicht, dass jedes Wort auf­genommen wird. Die Zungen werden wohl auch durch den Wodka der Nobel-Marke Beluga ge­lockert. Zunächst spricht man über Parteispenden. Strache erzählt von „einflussreichen Spendern“. Diese sollen „über 20 Millionen Euro“ an die ÖVP von Sebastian Kurz gespendet haben. „Die umgehen das mit Vereinen“, erklärt Gudenus. Und Strache ergänzt: „Es werden 20 Millionen gespendet, dann wird es dem Rechnungshof gemeldet und dann 600.000 Euro Strafe bezahlt. It’s crazy.“
  • Medien wie in Ungarn. Nach einer Weile und weiteren Drinks gibt Strache mit seinen Kontakten zu Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán an: „Wenn ich was brauch’, dann kann ich einfach anrufen.“ Sein Ziel: „Wir wollen eine Medienlandschaft ähnlich wie der Orbán aufbauen.“ Es ist quasi die Überleitung zu einem der Kernthemen des Abends.
  • Kauf der ›Krone‹: »Du hast die Waffe in der Hand«
  • Sprachrohr. Im Wohnzimmer geht es richtig zur Sache. „Die Kronen-Zeitung wär’ interessant“, schlug Gudenus der Russin schon bei einem früheren Treffen vor. Makarowa ­solle die Hälfte der Zeitung kaufen und damit dann das Sprachrohr der Blauen werden. „Du hast die Waffe in der Hand, dass alle dich schalten und walten lassen“, so Strache. Der damalige FPÖ-Chef schätzt, dass die Russin 240 Millionen Euro zahlen wird müssen. Dafür würde sie große Macht in ­Österreich bekommen.
  • Über die Journalisten solle sie sich keine Sorgen machen: „Die sind ja sowieso die größten Huren auf dem Planeten. Sobald sie wissen, wohin welche Reise geht, funktionieren sie so oder so.“ Ganz wichtig ist der Runde absolute Diskretion, keiner darf etwas erfahren: „weder Freunde noch Partei noch Frauen“.
  • ORF verschachern. Sogar über einen möglichen Verkauf eines ORF-Senders wird gesprochen. „Wenn sie jetzt noch einen Fernsehsender in die Finger bekommt, bestimmt sie alles“, so Strache.
  • Staatliche Aufträge. Dann wird im Buch die nächste sehr brisante Situation beschrieben: „Sie macht das nicht aus Nächstenliebe zu uns“, Gudenus fragt, was die vermeintliche Nichte des Oligarchen als Gegenleistung für einen Kauf der Krone will, „What do you want?“
  • Ihr Begleiter übernimmt jetzt das Gespräch. Die FPÖ, sobald sie an der Macht sei, soll „staatliche Aufträge zum Überpreis“ vergeben. Strache und Gudenus betonen jetzt, dass alles immer legal ablaufen müsse.
  • Klarer Deal. Immer wieder, so die Autoren, versuchen die Blauen, die Krone zu thematisieren. Die Russin ist unzufrieden. Sie will einen klaren Deal. Wo sei der „Return“, fragt ihr Begleiter. Man wird sich nicht einig. Nach dem Abschied schickt Strache Gudenus noch einmal ins Haus, um eine Einigung zu versuchen.
  • Korruption. Strache meinte gestern in einer Aussendung, das Buch entlaste ihn, denn der Vorwurf der Korruption werde nicht erhärtet. Autor Frederik Obermaier sieht das ganz anders: „Als es um Korruption ging, ist er stundenlang sitzen geblieben.“
  • Sex & Drogen. In einem Punkt sprechen die Autoren die Politiker frei: Keiner nimmt im Video Drogen und es kommt zu keinem Sex.

© CHRISTOF STACHE / AFP; Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co KG

Die Aufdecker Obermeier und Obermayer packen auf 267 Seiten über das Ibiza-Video aus.

Autor im Interview: "Viel war Straches Idee"

ÖSTERREICH: Strache bedankt sich bei Ihnen, weil er sich durch das Buch rehabilitiert sieht. Wundert Sie das?

Bastian Obermayer: Ja, schon. Denn das ist alles andere als eine Rehabilitierung. Was wir in dem Buch erklären, ist, dass es sich eben nicht nur um sieben Minuten handelt, wo er sich nicht im Griff hatte, sondern um siebenstündige Verhandlungen, bei denen vieles seine Idee war. 

ÖSTERREICH: Wird Ihnen Geld  manchmal für das Ibiza-Video angeboten?

Obermayer: Andauernd. Auch Geschichten werden im Austausch geboten. Darauf gehen wir natürlich nicht ein. Das Video ist sicher verwahrt

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