Empörung über Flüchtlings-Drama

Fischer fordert Quote

Empörung über Flüchtlings-Drama

Gemeinsam mit Schweden und Ungarn trägt Österreich den größten Anteil an Asylwerbern.

Eine Woche nach der furchtbaren Flüchtlingstragödie vor Lampedusa mit 800 Toten sind immer mehr Details bekannt: Kapitän Mohammed Ali Malek (27), der das Boot unter Drogeneinfluss versehentlich gegen ein Handelsschiff lenkte und in U-Haft sitzt, war mit einer Pistole und Stöcken bewaffnet. Während der Überfahrt sollen Flüchtlinge totgeprügelt und ins Meer geworfen worden sein, erzählen die 28 Überlebenden.

Im Licht dieser Katastrophe rief die EU Donnerstag zum Sondergipfel – mit mäßigem Resultat. Zwar wurde eine Verdreifachung des Budgets für „Seenot-Hilfe“ beschlossen, der große ­Brocken „Verteilung“ bleibt aber ungelöst.

Neben der UN-Sondergesandten Angelina Jolie (siehe rechts) übt auch Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer harte Kritik: „Momentan ist es so, dass 28 EU-Staaten 90 Prozent der Flüchtlinge aufnehmen. Ich will eine gerechtere Verteilung“, sagte er am Samstag im Ö1-Journal. Fischer fordert auch eine intensivere Betreuung der Flüchtlinge.

3,3 Flüchtlinge kommen auf 1.000 Österreicher
Ein Blick auf die UNHCR-Karte bestätigt Fischer: Österreich liegt im Spitzenfeld – auf 1.000 Einwohner kommen bei uns 3,3 Asylsuchende. Vor Österreich liegen nur Schweden (1.000 Einwohner 7,8) und Ungarn (4,2). Länder wie Portugal, Rumänien (0,0) oder Slowakei, Kroatien und Tschechien (0,1 pro 1.000 Einwohner) befinden sich am Ende des Rankings.

Angelina Jolie übt heftige Kritik

Angelina Jolie (39), weltweit bekannter Hollywoodstar und Ehefrau von Brad Pitt, engagiert sich seit mehr als zehn Jahren für Flüchtlinge und ist Sondergesandte des UN-Flüchtlingskommissars. In dieser Rolle kritisierte sie am Freitag beim UN-Sicherheitsrat in New York nach der Tragödie vor Lampedusa die europäische Flüchtlingspolitik: „Es ist widerlich, Tausende Flüchtlinge an der Türschwelle des reichsten Kontinents der Welt ertrinken zu sehen. Niemand riskiert auf diese Art das Leben seiner Kinder, außer in höchster Verzweiflung.“

Kritik an UN-Politikern. Jolie vermisst in Bezug auf Syrien bei den UN-Politikern einen klaren politischen Willen, um den fast vier Millionen vor dem Konflikt geflohenen Syrern zu helfen. „Ich wünsche mir, dass sich die Außenminister der 15 Ratsmitglieder zusammensetzen und eine politische Lösung finden“, sagte sie. Mehr Hilfe sei eine „unumgängliche moralische Pflicht“. „Der Zweck der UN ist, Konflikte zu verhindern und zu beenden. Wir sind gescheitert, dies in Syrien zu tun.“

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