Grassers  Doktorats-Geheimnis

Unser Guttenberg?

Grassers Doktorats-Geheimnis

Karl-Heinz Grasser wäre fast zum „Fall“ Guttenberg mutiert.

Karl-Heinz Grasser liest bekanntlich gerne Fanpost vor, welche ihm bescheidet, dass er schlicht „zu schön, zu intelligent und zu gut ausgebildet“ ist. Und dabei wäre er fast ein Fall Guttenberg geworden ...

Der Ex-FP-Finanzminister hat jedenfalls an der Universität Klagenfurt in Mindestzeit seinen Magister in internationaler Betriebswirtschaftslehre absolvierte. Seine weitere Ausbildung genoss er zunächst als persönlicher Sekretär von Jörg Haider, dann als FP-Generalsekretär.

Als Grasser dann 2000 als jüngster Finanzminister der Zweiten Republik angelobt wurde, packte ihn einige Jahre danach ein wissenschaftlicher Ehrgeiz, den er offenbar mit Deutschlands CSU-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg teilt: Ab 2002 erklärte Grasser, dass er nun eine Dissertation schreiben würde. Sein damaliger Betreuer war Herbert Kofler. Der Professor von der Uni Klagenfurt hatte bereits seine Diplomarbeit betreut.

Und Grasser war damals auf dem besten Weg „unser“ Guttenberg zu werden:

  • Grasser bestellte Kofler 2003 zum Generalrat in die Nationalbank und Leiter der Steuerreformkommission.
     
  • Der ambitionierte Titel der angekündigten Dissertation „Die Senkung der Abgabenquote auf 40 Prozent bis zum Jahr 2010“ erinnerte zudem frappant an das Kapitel „Finanzen“ im damaligen Regierungsübereinkommen.

Wer nun aber fürchtet Grasser habe in der darauffolgenden Arbeit Fußnoten wie Guttenberg „vergessen“, sei beruhigt: Grasser hat seine groß angekündigte Dissertation nie geschrieben. KHGs Fast-Doktorvater Kofler erhielt 2009 übrigens das „Große Ehrenzeichen der Republik Österreich“. Ehrengast war – Überraschung(!) – Grasser ...

Seite 2: Auch Diss von ÖVP-Hahn wird neu überprüft

Auch Diss von ÖVP-Hahn wird neu überprüft

Für EU-Kommissar Johannes Hahn wird es wieder eng: Der Grüne Nationalratsabgeordnete Peter Pilz hat eine neue Untersuchung von Hahns Dissertation veranlasst. Er beauftragte den Salzburger „Plagiats-Jäger“ Stefan Weber, die Doktorarbeit noch einmal auf Punkt und Komma zu durchkämmen. „Wir haben Weber gebeten, einen Textvergleich und einen Quellenvergleich zu machen“, so Pilz zu ÖSTERREICH. „Für Mitte April erwarten wir die ersten Ergebnisse.“

Weber hatte Hahn bereits 2007 verdächtigt, „seitenweise abgeschrieben“ zu haben. Damals untersuchte sogar die Uni Wien die Arbeit, fand aber keine Hinweise auf Verletzungen des Urheberrechts. Pilz: „Das war kein sauberes Verfahren, nur eine kurze, flüchtige Beurteilung.“ Mit neuen technischen Mitteln soll Weber dem Regional-Kommissar jetzt auf die Schliche kommen.

Die Grünen bezahlen Weber ein „marktübliches Honorar“. Je nach Umfang seiner Arbeit sind das zwischen 5.000 und 10.000 Euro.

(knd)

Seite 2: Deutsche stehen weiter zu Guttenberg

Guttenberg: Deutsche stehen weiter zu ihm

Auch nach der Affäre um seine Diss hat das Image vom einstigen Sauberminister kaum gelitten. Kanzlerin Merkel stärkt ihm den Rücken.

Karl-Theodor zu Guttenberg hat gebeichtet und seine Partei atmet auf. Nachdem er am Montagabend in einer Rede gut gelaunt „handwerkliche Fehler“ in seiner Doktorarbeit zugegeben hat, fällt es der CDU leichter, weiter zu ihrem einstigen Vorzeige-Mann zu stehen.

Großen Zuspruch bekam der Verteidigungsminister, der nun seinen Doktor-Titel ablegen will, vor allem von Angela Merkel: „Die Bundeskanzlerin findet die Entscheidung Karl-Theodor zu Guttenbergs, auf den Doktortitel zu verzichten, richtig“, so ein Sprecher. Auch der Partei-Vorsitz steht zu ihm: „Guttenberg muss im Amt bleiben“, heißt es da.

Die Partei weiß warum: Der adelige Star des Merkel-Kabinetts zieht bei den Wählern. Selbst nach der Affäre um seine abgeschriebene Dissertation wollen mehr als zwei Drittel, dass Guttenberg im Amt bleibt (siehe Kasten). 27 Prozent fordern hingegen seinen Rücktritt. Guttenberg selbst hat immer ausgeschlossen, sein Amt niederzulegen.

Guttenberg schreibt Brief an Universität Bayreuth
In einem Brief bittet Guttenberg jetzt die Uni Bayreuth zerknirscht um die Rücknahme des Doktor-Titels: „Mit diesem Schreiben möchte ich Sie bitten, die Verleihung meines Doktorgrades zurückzunehmen. In den letzten Tagen habe ich meine Dissertation nochmals gründlich überprüft. Dabei kam ich zu dem Ergebnis, dass mir bei der Erarbeitung gravierende handwerkliche Fehler unterlaufen sind, die ordnungsgemäßem wissenschaftlichen Arbeiten widersprechen.“

Die Opposition im deutschen Bundestag sieht Guttenbergs Vergehen nicht so locker wie die CDU. In einer Fragestunde wollen SPD und Grüne heute die Glaubwürdigkeit des Ministers überprüfen.

Auch rechtlich ist die Sache für Guttenberg noch nicht ausgestanden:

  • Alle, von denen Guttenberg abgeschrieben hat, können ihn wegen Verletzung des Urheberrechts klagen und monetäre Ansprüche stellen.
     
  • Zwei Strafanzeigen laufen bereits gegen Guttenberg. Eine wegen Verletzung des Urheberrechts, eine wegen einer eidesstattlichen Erklärung, eigenständig wissenschaftlich gearbeitet zu haben. Letztere wird laut Experten nicht halten.
     
  • Guttenberg kann seinen Doktortitel gar nicht selbst ablegen. Eine Kommission auf der Uni entscheidet darüber und wird voraussichtlich seinem Wunsch nachkommen.

(knd)

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